Wirtschaft

Essener Start-Up entwickelt Software für den Bergbau

Interview an einem Ort mit Historie: Die Gründer Philipp Lorenz, Kai Meschede, Sebastian-Friedrich Kowitz und Artem Zitzer stehen

Interview an einem Ort mit Historie: Die Gründer Philipp Lorenz, Kai Meschede, Sebastian-Friedrich Kowitz und Artem Zitzer stehen

Foto: Christian Stahl

Essen.   Das Jungunternehmen Talpasolutions arbeitet an Computer gesteuerten Analysen für den Salzbergbau. Start-Up schätzt in Essen Nähe zur Industrie.

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Es kommt selten vor, dass am Telefon noch jemand mit einem herzlichen „Glück auf“ grüßt. Wenn der Gesprächspartner zudem ein junger Mensch ist, wirkt der Bergmannsgruß doppelt überraschend. Doch Sebastian Kowitz hat das „Glück auf“ ganz bewusst gewählt. Der 28-Jährige hat zusammen mit drei Mitstreitern die Start-Up-Firma Talpasolutions gegründet. Die Unternehmer bieten Software-Lösungen für den Bergbau an – und sind damit ein Beispiel für industrienahe Start-Ups, wie sie Experten als prädestiniert für eine Ruhrgebietsstadt wie Essen ansehen.

Potenzielle Abnehmer von Talpasolutions (Talpa ist das lateinische Wort für Maulwurf) ist aber nicht der 2018 im Ruhrgebiet endgültig zu Ende gehende Steinkohlebergbau, sondern der Salzbergbau. In Deutschland befinden sich solche Kalibergwerke vor allem in Niedersachen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Hessen. Die Idee hinter dem Unternehmen: Datenauswertung der Maschinen unter Tage. „Die Geräte sind alle mit Sensoren ausgestattet“, sagt Kowitz, der an der Technischen Hochschule in Aachen Bergbau studiert hat. „Nur gibt es bisher kaum systematische Auswertungen.“

Arbeit von Radladern analysieren

Talpasolutions hat eine Software entwickelt, mit deren Hilfe die Daten von Radladern, die für den Salzabbau eingesetzt werden, analysiert werden können. Wie häufig fällt ein Fahrzeug aus? Wie effektiv ist der Abbau? Welche technischen Defekte sind typisch? Durch die Software sollen die Ausfallzeiten der Maschinen verringert und der Abbauertrag optimiert werden.

Entstanden ist das Start-Up aus einer Projektarbeit, während der Sebastian Kowitz und Mitgründer Artem Zitzer bei einer Essener Firma angestellt waren. Bei der Gründung kamen Betriebswirt Philipp Lorenz und IT-Experte Kai Meschede dazu. Ihren Sitz haben die vier jungen Unternehmer in Rüttenscheid. Von hier aus treiben sie ihre Idee voran, besuchen Bergbaumessen in der ganzen Welt, bauen sich ein Partnernetzwerk auf und stehen in Kontakt mit Firmen. „Essen ist für uns ein guter Standort“, sagt Kowitz. „Fast die gesamte Bergbaubranche sitzt in der Region.“ Bei der Entwicklung der Software arbeitet Talpasolutions sehr eng mit dem Bergbau-Zulieferer GHH Fahrzeuge aus Gelsenkirchen zusammen, bei der Umsetzung der Software erhalten die Gründer intensive Unterstützung des traditionsreichen Dortmunder IT-Dienstleisters Materna.

Erfahrene Experten helfen bei der Gründung

Beim Aufbau des Start-Ups griffen den vier Jungunternehmen zudem erfahrene Experten unter die Arme: Ein frühere Mitarbeiter von Thyssen-Krupp, der heute als selbstständiger Berater arbeitet und ein Industrieexperte des Essener Vereins „Senior Consult Ruhr“, der sich auf die Unterstützung von Gründern durch Ehrenamtliche im Rentenalter spezialisiert hat. „Von dieser Erfahrung haben wir sehr profitiert“, sagt Artem Zitzer. „Gerade, was Verhandlungen mit großen Unternehmen anging, das kannten wir ja bisher überhaupt noch nicht.“

Mit anderen Start-Up-Firmen aus Essen haben die Jungs von Talpasolutions hingegen kaum Kontakt. „Wir passen aber auch gar nicht rein in so eine Szene“, meint Kowitz. „Dafür ist unser Bereich viel zu speziell. Wir entwickeln nicht für den Massenmarkt, sondern für eine Nische.“ Der Bergbau sei in Deutschland eine kleine Branche, auf großes Marketing Tamtam sei man da nicht angewiesen, „man kennt sich sowieso.“

Für das junge Unternehmen stehen entscheidende Wochen und Monate an. Derzeit befinde man sich in Verhandlungen mit einem großen deutschen Salzbergbauunternehmen, dessen Fahrzeuge durch die Software von Talpasolutions analysiert werden sollen. Klappt das Investment, hätten die Gründer einen riesigen Schritt gemacht: Vom Start-Up zum ersten großen Geschäft. Vielleicht das nächste „Glück auf“.

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