Prozess

Essener Stadion-Affäre: Die teure Suche nach Schadensersatz

Da war noch alles in Ordnung: Andreas Hillebrand, damals Geschäftsführer der städtischen Grundstücksverwaltung (GVE), auf der Baustelle fürs neue Stadion. Später sorgten nicht nur hohe Rechnungen für Ärger.

Da war noch alles in Ordnung: Andreas Hillebrand, damals Geschäftsführer der städtischen Grundstücksverwaltung (GVE), auf der Baustelle fürs neue Stadion. Später sorgten nicht nur hohe Rechnungen für Ärger.

Foto: Foto: Thomas Schmidtke / FFS

Essen.  Hunderttausende Euro wandte die städtische Grundstücksfirma GVE auf, um von ihrem Ex-Chef Schadensersatz zu kassieren. Doch heraus kam – nichts.

Es gab eine Zeit, da ging Andreas Hillebrand in den städtischen Chefetagen ein und aus – allseits gefragt als Essens Mann für den Stadion-Bau. Heute sitzt der Ex-Geschäftsführer der städtischen Grundstücksverwaltung GVE in einem Büro der Feuerwehr, und wenn er dort nicht säße, würde es im Rathaus wohl auch keinen sonderlich kratzen. Denn das Einzige, was man von Hillebrand noch will, ist Geld, genauer: 420.000 Euro Schadensersatz. Ein soeben entschiedener Prozess vor dem Oberlandesgericht in Hamm legt allerdings nahe: Es gibt keinen einzigen Cent.

420.000 Euro – das war und ist auch für einen gut bezahlten Manager im Kreis der städtischen Tochterfirmen ein hübsches Sümmchen. Eigentlich hatte die Forderung sogar satt siebenstellig sein sollen, galt der heute 63-Jährige durch seine – vorsichtig formuliert – „unkonventionelle“ Projektarbeit manchem doch als Hauptschuldiger in der Stadion-Affäre.

Die strafrechtlichen Ermittlungen endeten im Nichts

Die machte mit ausufernden Kosten fürs Fußball-Rund Schlagzeilen, mit der geplünderten Instandhaltungsrücklage des Museums Folkwang, es gab angekaufte Rechte zugunsten des Kicker-Clubs Rot-Weiss Essen und undurchsichtige Millionen-Aufträge für das Beratungs-Unternehmen Roland Berger. Alles allein Hillebrands Schuld, befanden die Aufseher hernach.

Wirklich? Viereinhalb Jahre später ist man schlauer, weiß von einer ganzen Reihe eingeweihter Politiker und Verwaltungsleute. Die strafrechtlichen Ermittlungen gegen Hillebrand endeten samt und sonders im Nichts, und dass bei ihm auch kein Schadensersatz zu holen ist, hat die städtische GVE seit August 2018 schriftlich: Da wurde die Schadensersatz-Klage über 420.000 Euro netto zuzüglich aufgelaufener Zinsen beim Landgericht abgewiesen.

Nur eine letzte Rate aus Oktober 2010 galt als „frisch“ genug

Es war dies die letzte von elf Zahlungen an die Berater von Roland Berger, die insgesamt stattliche 3,35 Millionen Euro Honorar kassiert hatten – für das „Projekt Fußball“ und ein vermeintlich firmenfremdes Vorhaben unter dem Motto „Urbane Belebung“.

Als Allbau-Chef Dirk Miklikowski 2015 den Chefposten der kriselnden GVE übernahm und die Frage von Schadensersatz-Forderungen im Raum standen, schien schnell klar: Ein Großteil der Ansprüche war längst verjährt. Nur diese letzte Rate aus Oktober 2010 schien „frisch“ genug, um Hillebrand ins Portemonnaie zu greifen.

Die Klage gegen den Ex-Geschäftsführer kam vier Monate zu spät

Irrtum, beschied das Landgericht: „Spätestens mit Abschluss der Arbeiten im Juni 2010“ habe die fünfjährige Verjährungsfrist begonnen. Sie endete folglich im Juni 2015, doch erst im Oktober des gleichen Jahres beschloss der damalige Aufsichtsrat, Geld von Hillebrand zurückzufordern. Vier Monate zu spät also.

Gegen den ausdrücklichen Rat Miklikowskis beschlossen die GVE-Aufseher in Berufung zu gehen, ein Verfahren vor dem Oberlandesgericht in Hamm, das nach Ansicht von Kennern der Materie gut und gerne 150.000 Euro an Extrakosten bescherte.

Miklikowski empfiehlt, „von weiteren Verfahrensschritten abzusehen“

Insgesamt türmt sich die Rechnung zur Aufklärung womöglich auf eine Million Euro auf. Darin, so gibt der GVE-Chef zu bedenken, seien allerdings auch Anwalts- und Wirtschaftsprüfer-Kosten enthalten, die man aufwand, um das „Durcheinander“ in der Aktenführung des Unternehmens zu sortieren: „Bis wir da durchgeblickt haben, wo noch Ansprüche oder Risiken liegen – das war schon nicht ohne.“

Dennoch plädiert Dirk Miklikowski nach der verlorenen Berufung nun für einen Schlussstrich, auch wenn für das am 23. September gesprochene Urteil des 8. Senats am Oberlandesgericht noch keine schriftliche Begründung vorliegt. Man wolle schließlich dem schlechten Geld nicht noch gutes hinterherwerfen: „Meine Empfehlung wird sein, von weiteren Verfahrensschritten abzusehen.“ Ob die Aufseher das auch so sehen, erweist sich bei der nächsten Sitzung Ende Oktober.

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