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Essener Spindelmannpark: Zwischen Gräbern und Volleyballfeld

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Reinhardt Schmidt und seine Nachbarn hatten Sorge, dass aus dem idyllischen Essener Friedhof ein Party-Treffpunkt wird.

Reinhardt Schmidt und seine Nachbarn hatten Sorge, dass aus dem idyllischen Essener Friedhof ein Party-Treffpunkt wird.

Foto: André Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen-Altenessen.  Ein Friedhof wurde in Essen zu einem Park umgewandelt. Anwohner hatten sich gewehrt. Spaziergang mit einem Kritiker durch den Spindelmannpark.

Der Spindelmannpark in Altenessen war lange Zeit ein Friedhof. Als die Stadt Essen beschloss, ihn umzugestalten, regte sich Widerstand bei den Anwohnern. Sie hatten Sorge, dass aus ihrer Oase der Ruhe ein Party-Treffpunkt wird. Umgestaltet wurde der Park trotzdem. Bei einem Spaziergang wird der Kompromiss deutlich, der dabei gefunden wurde.

Eingangstor zum Spindelmannpark signalisierte jahrelang Respekt und Stille

Reinhard Schmidt wohnt seit 1992 an der Gladbecker Straße, direkt um die Ecke vom Spindelmannpark, der mit Herbstblätterrauschen, Vogelgezwitscher und jener Ruhe, die Grabsteine ausstrahlen, im krassen Gegensatz zum Verkehrslärm der Durchgangsstraße steht. Schmidt hat hier nicht nur laufen, sondern auch Rollschuh-laufen gelernt. Seinen Kindern hat der heute 59-Jährige in dem Park Radfahren beigebracht, im Winter entstand manchmal auf dem asphaltierten Stück ganz am Ende eine Eislauffläche.

Das Eingangstor mit eisernem Kreuz neben der Trauerhalle und einer öffentlichen Toilette signalisierte jahrzehntelang Demut, Respekt und Stille. Dicke, pompöse Grabsteine ließen rennende Kinder abbremsen. Damals wie heute stand auf dem 4,3 Hektar großen Gelände im hinteren Bereich eine Birke. Auf den ersten Blick unscheinbar, hat sie für Reinhard Schmidt eine große Bedeutung: „Hier liegen seit dem Jahr 1911 meine Urgroßeltern. Die Birke steht hier, seit ich denken kann.“ In seiner Kindheit habe es noch eine Grabeinfassung gegeben, davon ist heute nichts mehr zu sehen.

Gleiches gilt für die meisten anderen Gräber auf dem Friedhof, der bis 1969 als solcher genutzt wurde. „Der Vater eines Grundschulfreundes ist der letzte, der hier begraben wurde“, weiß Schmidt und zeigt auf einen dicken Hinkelstein, der Bergwerksdirektor Friedrich Mönnich gewidmet wurde. Das dazugehörige Medaillon ist längst verschwunden. Das Grab der Gastronomenfamilie Sponheuer wird offenbar noch besucht, davon zeugen Kerzen auf dem umgefallenen Stein. Auch die Ruhestätte des Namensgebers des Parks und Gründer einer Stiftung für Waisenkinder, Heinrich Spindelmann (1878 bis 1927) findet sich noch auf dem Gelände.

Ela hat 2014 viele Bäume im Essener Spindelmannpark umgerissen

Verschwunden sind hingegen die vielen kleinen Wege, die zu den Gräbern führten und auch viele Bäume: „Der Sturm Ela ist hier richtig durchgefegt“, erinnert sich Reinhard Schmidt an das Jahr 2014. Die stärksten Eichen, Platanen und Birken sind stehen geblieben, dazwischen hat die Stadt im vergangenen Jahr Liegebänke aufgestellt und einen Spielplatz errichtet. „Wir in Altenessen hatten Sorge, dass nach der Umgestaltung hier an jeder Ecke Remmidemmi gemacht wird“, erklärt Schmidt. Der Ort zwischen Gladbecker Straße und Berthold-Beitz-Boulevard sei laut genug, das Projekt hätte besser ein paar Hundert Meter weiter, am Ellernplatz, umgesetzt werden können.

2019 fand vor Ort an der Erbslöhstraße eine Beteiligungsaktion statt, bei der sich Bürger mit ihren Ideen, Wünschen und Anregungen für die künftige Parkgestaltung einbringen konnten. Nach Angaben der Stadt habe man sich bei der Umgestaltung daran orientiert. Doch, wie so oft, gab es auch kritische Stimmen von Parknutzern und Anwohnern wie Harald Kaffee, der damals in der Bezirksvertretung erklärte: „Der Park ist für uns eine echte Oase, die ohne Sinn für uns Bürger nun zerstört wird.“

Reinhard Schmidt steht jetzt zwei Jahre später mitten in dem umgestalteten Park und erklärt: „Wir konnten die Planer nicht überzeugen.“ Mit der Umsetzung ist er aber trotzdem halbwegs zufrieden ist. Der große Spielplatz füge sich vom Stil her gut ein. Es gebe noch zu wenige Bänke, die vorhandenen seien aber eine schöne Gelegenheit, um zu Verweilen – anders als die vielen dicken Steine, die als Sitzgelegenheiten geschaffen wurden. Die Wege sind zwar breit, in kurzer Zeit jedoch wahrscheinlich matschig. Völlig daneben findet Schmidt das Beachvolleyballfeld neben dem Spielplatz: „Das ist absurd und passt hier überhaupt nicht hin.“ Auch die ausgewiesene, aber uneingezäunte Hundewiese ist für ihn ein Dorn im Auge. Ein Spaziergänger mit Hund wirft ein: „Mülleimer am Anfang und Ende des Parks wären hilfreich.“

Die Toilette ist verschwunden, obwohl Gerd Maschun, Seniorenbeauftragter in dem Bezirk, explizit auf die Neuerrichtung gedrängt hatte. Das Eingangstor mit dem eisernen Kreuz ist jetzt einer rot-weißen Barke gewichen. Auch das sieht Schmidt kritisch. Und dennoch gibt er zu: „Meine Befürchtungen haben sich nicht bestätigt. Es ist auch jetzt kein Ort, wo sich Feiernde zuhauf treffen.“

Umfeld in Altenessen müsse ebenfalls aufgewertet werden

Unterm Strich sei die Umgestaltung des Spindelmannparks also eine Verbesserung für den Stadtteil. Aus Sicht von Reinhard Schmidt aber nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Das Umfeld müsse auch aufgewertet werden. „Der Park muss in die Defizite der Umgebung eingeordnet werden.“ Unter anderem sei die Gladbecker Straße mit der Verkehrsbelastung seit Jahren ein großes Problem.

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