Kultur

Essener Sonderschau zeigt Druckkunst in dritter Generation

Gewichtiges Erbe: An der Original-Presse, die schon sein Vater und sein Großvater Hermann Kätelhön genutzt haben, demonstriert Martin Kätelhön den Druckprozess im Kleinen Atelierhaus der Margarethenhöhe.

Gewichtiges Erbe: An der Original-Presse, die schon sein Vater und sein Großvater Hermann Kätelhön genutzt haben, demonstriert Martin Kätelhön den Druckprozess im Kleinen Atelierhaus der Margarethenhöhe.

Foto: Foto: Dietmar Wäsche

Schau auf der Margarethenhöhe erinnert an den Grafiker Hermann Kätelhön. Enkel Martin führt das Erbe an der 100 Jahre alten Druckpresse weiter.

Essen. Wenn Martin Kätelhön in diesen Tagen von seinem Großvater Hermann Kätelhön berichtet, dann ist das eine Erinnerung mit Gewicht. Denn die mächtige schwarze Druckpresse, mit der schon sein Großvater Hermann Kätelhön vor 100 Jahren auf der Margarethenhöhe gearbeitet hat, sie steht im Zentrum der Familiengeschichte. Jetzt ist sie zudem eines der gewichtigen Exponate in der Ausstellung über den Maler, Zeichner, Radierer und Ruhrgebiets-Chronisten Hermann Kätelhön, der nach dem Ersten Weltkrieg in Essen zum Initiator, Motor und zum kreativen Mittelpunkt der Künstlersiedlung Margarethenhöhe wurde.

Als vor einiger Zeit die Nachfrage aus dem Ruhr Museum kam, ob Kätelhön den Besuchern des Kleinen Atelierhauses auf der Margarethenhöhe den Druckprozess an der Original-Presse wie vor 100 Jahren vorführen möchte, da hat der Kölner Kunstdrucker keinen Moment gezögert. „Für mich schließt sich hier ein Kreis“, lächelt der Mittsechziger, während er verschiedene Farbtöpfe öffnet, kleine Kupferplatten bereitlegt und mit seinen kräftigen Händen sacht über die mächtige Presse streicht.

Schon als Kind mit dem Kunstdruck in Berührung gekommen

So massiv und doch beweglich. „Die Maschine ist viel gereist“, sagt Kätelhön, der schon als Kind mit dem Kunstdruck in Berührung kommt. Seine Eltern machen die Werkstatt in Wamel am Möhnesee, die Hermann Kätelhön nach seinem Weggang aus Essen gegründet hat, zu einem blühenden Unternehmen. Und wie der Großvater, der in den 1920ern mit Bildhauern wie Will Lammert und dem heute weltberühmten Fotografen Albert Renger-Patzsch auf der Margarethenhöhe arbeitet, führen auch Martin Kätelhöns Eltern ein offenes Haus. Das Wohnzimmer wird zum Treffpunkt für internationale Künstler. „Und Hermann Kätelhön schwebte über allem als großer Meister“, erinnert sich sein Enkel.

Geprägt wurde der Sohn in Köln von Joseph Beuys und Wolf Vostell

Diese Jugend mit dem Geruch von Farbe und dem Gefühl kreativer Lebendigkeit prägt Kätelhöns Leben: „Kunst war immer der Leitfaden“.Trotzdem übernimmt Martin Kätelhön als Erstgeborener nicht die elterliche Druckerei, sondern macht eine Buchdruckerlehrer und zieht nach Köln, um „ein eigenes Leben in der Kunst zu führen“, wie er sagt. Beim „Neumarkt der Künste“ Anfang der 1970er trifft er schließlich alle, die ihn prägen, von Joseph Beuys bis Wolf Vostell. Diese Welt fasziniert ihn, er arbeitet selber immer wieder an künstlerischen Projekten und gründet irgendwann seine eigene Kunstdruckerei.

Für Malerfürst Markus Lüpertz ist Kätelhöhn seit Jahrzehnten der auserwählte Mann für Radierungen und Holzschnitte. Auch documenta- und Biennale-Künstlerin Rosemarie Trockel vertraut seit vielen Jahren auf Kätelhöns Erfahrung und „Komplizenschaft“. Dieses gemeinsame Herantasten an das bestmögliche Ergebnis sei das A und O beim oft langwierigen Arbeitsprozess, sagt Kätelhöhn, „ohne einen guten Drucker ist die beste Radierung nichts“.

Die Liebe zu Papier und Kupfer verbinden Großvater und Enkel

Geduld und Hingabe stehen dabei für ihn im Vordergrund, nicht die Technik an sich, sagt Kätelhön. Diese Liebe zu Papier und Kupfer, vor allem auch die Lust, „Arbeiten bis ins Detail zu formulieren“, verbinden Enkel und Großvater. Während Hermann Kätelhön die Kokereien bei Nacht 1920 in feuerspeiende Ungetüme verwandelt, lässt sein Enkel Martin heute mit Lüpertz’ „Herkules“ den Mythos lebendig werden. Jedes Werk steht dabei für sich als Original-Druckgraphik. Diese Bezeichnung ist ihm wichtig. Kunstdruck ist für ihn nicht eine Technik zum Zwecke der Vervielfachung, sondern „ein Handwerk, das die Kunst feiert“.

Wie diese Handwerk funktioniert, das erleben Besucher des Atelierhaueses am Sonntag, 16. Juni, von 14 bis 18 Uhr, wenn Martin Kätelhön den Druckprozess an der Original-Presse seines Großvaters wie vor 100 Jahren vorführt.

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