Fußball

Essener Physiotherapeut begleitet Nationalmannschaft

Bei der (nicht all-)täglichen Arbeit im Trainingslager: Carsten Hinz kümmert sich um den Gladbacher Mahmoud Dahoud.

Bei der (nicht all-)täglichen Arbeit im Trainingslager: Carsten Hinz kümmert sich um den Gladbacher Mahmoud Dahoud.

Essen.   Der Physiotherapeut Carsten Hinz reiste mit der deutschen Nationalmannschaft ins EM-Trainingslager. Ein gutes Omen für einen EM-Sieg, wie der Essener findet.

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Zum Fußballsport gehören nicht nur ein paar Rituale, sondern auch eine gesunde Portion Aberglaube. Das gilt auch für den Essener Carsten Hinz, der sein halbes Leben selbst gespielt hat und jetzt als Physiotherapeut eine Woche lang die deutsche Nationalmannschaft ins Trainingslager für die Europameisterschaft ins Schweizerische Ascona begleitet hat. „Ich war schon 2014 bei der Vorbereitung auf die WM in Brasilien dabei. Da haben wir den Titel geholt. Vielleicht klappt das ja in Frankreich wieder“, hofft der 40-Jährige, der seit vielen Jahren für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) arbeitet.

Carsten Hinz wollte eigentlich selbst einmal Fußball-Profi werden. Und er war lange auf einem guten Weg. In jungen Jahren wurde er mit der deutschen U16-Nationalmannschaft Europameister, holte danach mit der A-Jugend von Borussia Dortmund den deutschen Meistertitel. „Da hat man Träume, Hoffnungen und Erwartungen“, erinnert er sich der gebürtige Gelsenkirchener an die sportlich so erfolgreiche Jugend, die ihn ausgerechnet nach Dortmund verschlug.

Kroos und Schürrle sind alte Bekannte

Nur kam es danach nicht zur geplanten Karriere in der Bundesliga. Beim BVB gelang ihm der Durchbruch nicht, er landete in der Regionalliga und erkannte schnell, dass es für ihn nicht weiter aufwärts gehen würde. „Ich war einfach zu langsam. Der letzte Schritt fehlte. Das musste ich mir eingestehen“, sagt Carsten Hinz.

Er wurde Physiotherapeut, bildete sich ständig weiter und hielt gleichzeitig den Kontakt zum Deutschen Fußball-Bund, wo er über seinen ehemaligen Trainer Michael Skibbe Zutritt fand.

Hinz, Mitinhaber der Physio life Training & Therapie-Praxis in Bergerhausen, begann bei der deutschen U15-Nationalmannschaft und lernte Muskeln und Waden künftiger Stars kennen. Inzwischen ist der Essener bei der DFB-U20 angekommen. Die trat beim Trainingslager im Schweizerischen Ascona als flexibler Sparringspartner gegen das A-Nationalteam an. So konnte sich der Weltmeister auf hohem Niveau und weitgehend unbeobachtet auf die Taktik der EM-Gruppengegner einstellen.

Carsten Hinz hat alte Bekannte im A-Team: Toni Kroos zum Beispiel oder Andre Schürrle und die Ersatz-Torleute Marc ter Stegen und Bernd Leno, die er in der Schweiz traf. „Wir kennen uns gut aus den Jugendteams. Ich habe sie da immer wieder betreut und behandelt. Tolle Jungs.“

Spieler sind unglaublich austrainiert und athletisch

Nächster Kandidat aus dem U 20-Team für die A-Mannschaft ist der Gladbacher Mahmoud Dahoud, um den sich Carsten Hinz in Ascona mit einem malerischen Blick auf den Lago Maggiore kümmern konnte. „Genießen kann ich den Blick aber nicht wirklich. Denn ich bin ja zum Arbeiten hier.“ Und dabei ist im Training ständig die ganze Aufmerksamkeit gefordert, auch wenn ein Spiel läuft und auf den ersten Blick nichts zu tun ist. „Wir müssen ständig schauen, was passiert. Nicht erst, wenn etwas passiert ist.“ Carsten Hinz erklärt: „Es geht um den Verletzungsmechanismus. Sie müssen sehen, wie eine Verletzung entsteht. Welche Aktionen es vorher gab. Dann kann man besser einschätzen, was es denn sein könnte.“ Dem Physiotherapeuten hilft es dabei natürlich, dass er die Abläufe auf dem Rasen auch noch aus seiner Zeit als Aktiver sehr gut kennt.

Für den ehemaligen Fast-Profi aus Essen ist neben der Arbeit etwas ganz besonders interessant: „Das fachliche Zuschauen als Fußball-Liebhaber, wenn wir dazu die Möglichkeit haben.“ Er erklärt: „Erst mal sind die Spieler heute unglaublich austrainiert und athletisch. Dazu diese Dynamik und die Technik. Und dann das Tempo im Spiel. Das ist schon ein Wahnsinn. Wenn ich die Jungs wie Manuel Neuer, Thomas Müller oder Mats Hummels nach einer Pause wiedersehe, haben die immer noch was drauf gelegt.“ So wie auch jetzt wieder in Ascona, wo die Weltmeister den Grundstein für den EM-Titel in Frankreich legen wollen. „Der Anfang ist gemacht“, sagt Carsten Hinz hoffnungsvoll.

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