Demonstration

Essener Ostermarschierer – lebenslang auf Friedensmission

Ausflug mit Kindern, Kirchenvertretern und Kommunisten - So zog der Ostermarsch vor 30 Jahren durch Essen.

Ausflug mit Kindern, Kirchenvertretern und Kommunisten - So zog der Ostermarsch vor 30 Jahren durch Essen.

Foto: Essen

Essen.   Vor 30 Jahren war das Essener Friedensforum Teil einer Massenbewegung. Heute sind hier nur noch eine Handvoll Pazifisten aktiv. Monika Jennis (71) und Bernhard Trautvetter (59) etwa, sie sind auch beim Ostermarsch am kommenden Sonntag dabei. Der startet auf dem Willy-Brandt-Platz.

Sie waren mal Teil einer großen Bewegung – und sind heute die Letzten ihrer Art; doch das bekümmert die Aktivisten vom Essener Friedens-Forum nicht. „Wir halten die Glut am Glimmen“, sagt Bernhard Trautvetter. Wenn sich am Wochenende bundesweit die Ostermärsche in Bewegung setzen, wird der 59-Jährige wieder dabei sein. Genau wie Monika Jennis (71), die regelmäßig Veranstaltungen für das Friedens-Forum organisiert.

Während die Bautechnikerin eine Spätberufene ist, stieß Trautvetter in den 1980er Jahren zur Friedensbewegung, die damals bei Demonstrationen Hunderttausende mobilisierte. Zu Hause sei er nicht mit dem Pazifismus groß geworden, sagt Trautvetter. „Es waren nicht die Gene, es war der Zeitgeist.“ Als Lehrer war er in der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft für Friedenspädagogik verantwortlich, in seiner Wohnung entwarf er mit Freunden Plakate gegen den Nato-Doppelbeschluss.

Friedens-Forum statt Partei

Schon viel früher seien die Ostermarschierer in Essen unterwegs gewesen, „Kampf dem Atomtod“, war ihre Parole vor 50 Jahren, weiß Trautvetter. In den 80ern wurde das alljährliche Ritual dann zum Massenphänomen. Er erinnere sich an einen Marsch, „da hielt irgendwo an der Altendorfer Straße eine Straßenbahnfahrerin, um gebrechliche Teilnehmer einsteigen zu lassen“. Gelebte Solidarität.

In dieser idealistischen Stimmung vor 30 Jahren entstand das Essener Friedens-Forum. „Es ist bis heute etwas Besonderes, weil es eine gewachsene Nähe zu einander gibt“, meint Trautvetter. Von Menschen, die sich als links verstehen, sich aber zumeist keiner Partei anschließen mögen.

Eine Gegenöffentlichkeit schaffen

„Parteipolitik mag ich nicht mittragen; hier habe ich meine politische Heimat gefunden“, sagt Monika Jennis. Sie wolle aufklären, eine Gegenöffentlichkeit schaffen; etwa durch die enge Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. Das Forum sei auch mit SPD, Linken und Grünen im Gespräch — und oft genug auch im Widerspruch, ob es um Afghanistan gehe oder um die Krim-Krise.

Sie wollen sich nicht vereinnahmen lassen, selbst wenn sie Ostern an der Seite der DKP marschieren; getragen werde der Ostermarsch auch von Kirchen und Gewerkschaftern, von Pax Christi oder Attac. Dass nicht mehr Tausende auf die Straße gehen, sondern wenige Hundert, stört sie nicht. „Der Ostermarsch kommt nicht wegen hoher Teilnehmerzahlen in die Nachrichten, sondern schon wegen seiner Beständigkeit“, so Trautvetter.

Sie haben auch schon mal einen Flashmob organisiert; es sei ihnen ja nicht entgangen, dass für Jugendliche auch der Fun-Faktor zähle. „Wir gucken, wie wir sie gewinnen können, aber es schreckt vielleicht ab, wenn ein junger Mensch auf uns alte Knacker trifft.“

Lang vorbei, dass sie politischer Mainstream waren, heute spotten Bekannte von Jennis: „Meine Güte, Moni, Du bist eine Traumtänzerin, Euren Frieden bekommt Ihr nie!“ Sie lacht: „Mag ja sein, aber ich lege lieber den Finger in die Wunde als shoppen zu gehen.“

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