Energiekrise

Konditorei in Essen leidet: Zehn Kilo Butter kosten 85 Euro

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Mechthild Reimann von der Essener Konditorei Pauelsen leidet unter der Inflation und auch unter einer Baustelle vor dem Eingang.

Mechthild Reimann von der Essener Konditorei Pauelsen leidet unter der Inflation und auch unter einer Baustelle vor dem Eingang.

Foto: Bastian Haumann / FUNKE Foto Services

Essen-Stoppenberg.  Erst die Corona-Pandemie, dann Inflation und jetzt eine Baustelle vor der Tür. Die Essener Konditorei Pauelsen liefert erschreckende Zahlen.

Die Konditorei Pauelsen gehört zu einer der letzten echten Konditoreien in Essen. Verschiedene Torten, selbst hergestellte Pralinen und gepolsterte Stühle und geblümte Bänke auf Teppichboden für eine Pause mit Kaffee und Gebäck. Seit einigen Wochen wird die Kaffeehaus-Idylle jedoch durch eine Baustelle vor der Tür gestört.

Nicht nur der Lärm, sondern vor allem die fehlenden Parkplätze machen nicht nur den Gästen, sondern auch der Betreiberin zu schaffen. Hinzu kommen die gestiegenen Preise für Energie und Rohstoffe in den vergangenen Wochen und die Coronakrise, die noch im Nacken sitzt.

Hochsaison für Konditorei: Muttertag und Kommunion

Siegfried Brandenburg ist Stammgast bei Pauelsen. Der Schonnebecker bestellt sich ein Kännchen Kaffee, ein Ei und zwei halbe Brötchen mit selbst gemachter Marmelade. Handarbeit steht in der Konditorei an oberster Stelle. Hinter dem Verkaufsraum befindet sich die Backstube. Dort stellen acht Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen täglich rund zehn Torten her.

„Eigentlich ist jetzt Hochsaison“, sagt Geschäftsführerin Mechthild Reimann: Kommunion, Muttertag und Hochzeitsplanungen. Eine Kundin kommt mit einem Foto vorbei, ausgedruckt aus dem Internet. Eine dreistöckige Torte soll es sein, halb weiß, halb braun. Obendrauf Braut und Bräutigam als Figuren aus Kinderriegeln. „Wird gemacht“, erklärt Reimann.

Menschen haben in der Coronazeit wieder selbst gebacken

Gebacken wird an der Gelsenkirchener Straße schon seit 1977. Doch die Zeiten haben sich verändert – Bäckereien sprießten an jeder Ecke aus dem Boden, Discounter bieten Tiefkühl-Torten zum Schnäppchenpreis an und der Onlinehandel liefert seinen Beitrag. Obwohl: „Richtig gute Sahnetorten kann man nicht verschicken“, erklärt Reimann, die in der Coronazeit eher den Privatmann und die Privatfrau als Konkurrenz gesehen hat: „Die Leute backen jetzt wieder viel selbst.“ Torten und Gebäck wurden auch im Lockdown an der Gelsenkirchener Straße verkauft, nur die Plätze im Café blieben leer. „Corona war schlimm, aber die Baustelle schnürt uns die Kehle zu“, erklärt die 60-Jährige und deutet vor die Ladentür.

Die Steag arbeitet dort seit sechs Wochen an den Fernwärmeleitungen, die Straße war aufgerissen und alle Parkplätze seit Januar gesperrt. „Die Leute wollen aber bis vor die Theke fahren, das ist einfach so“, weiß auch Stammgast Siegfried Brandenburg. Neben der Konditorei ist unter anderem noch ein Optiker und ein Blumenladen ansässig – kleine Geschäfte des täglichen Bedarfs. Normalerweise parken die Kunden und Kundinnen direkt vor der Tür, erledigen ihre Sachen und fahren dann weiter. „Jetzt fahren sie von vorneherein woanders hin“, glaubt Brandenburg. „1000 Kunden weniger hatte ich im April“, rechnet Reimann vor. Das sei ungefähr die Hälfte.

Essen Konditorei erhöht Preise und kürzt Öffnungszeiten

Die Öffnungszeiten hat sie schon in der Coronazeit um eine Stunde verkürzt und jetzt musste sie auch die Preise erhöhen. Strom und Rohstoffe seien einfach zu teuer geworden. „Zehn Kilo Butter haben vor kurzem noch 45 Euro gekostet, jetzt sind es 85 Euro“, klagt Reimann, die Wert auf gute Qualität für Eierlikör- Schwarzwälder-Kirsch- und Käse-Sahne-Torte legt. 50 bis 60 Kilo Butter pro Woche werden bei Pauelsen benötigt. Für ein Kilogramm Vanilleschoten habe sie zuletzt 450 Euro hingelegt, mittlerweile seien es 750 Euro. „Die kleinen Läden können das nicht auffangen“, so Reimann, die jetzt erstmal auf das Ende der Baustelle vor der Tür hofft.

Steag-Sprecher Daniel Mühlenfeld verspricht, dass die Arbeiter spätestens am 22. Mai abziehen und die Parkplätze wieder freigeben. Aus Sicht von Mechthild Reimann droht schon das nächste Ungemach am Horizont: Der Anbieter Stadtmobil will direkt vor ihrer Tür zwei Carsharing-Parkplätze anbieten. „Nicht unbedingt das, was wir jetzt gebrauchen können.“

Das letzte Wort ist in dieser Sache noch nicht gesprochen. Bei einem Ortstermin mit den Verantwortlichen sollen noch Alternativstandorte geprüft werden. Reimann findet: „Dem Einzelhandel wird das Leben manchmal einfach schwer gemacht.“

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