Sanierung

Essener Kirchturm bekommt nach Blitzeinschlag Spitze zurück

Am Abend des 3. Januars 2014 brannte die Kirchturmspitze von St. Hubertus in Essen-Bergerhausen.

Am Abend des 3. Januars 2014 brannte die Kirchturmspitze von St. Hubertus in Essen-Bergerhausen.

Foto: KDF-TV&PICTURE / KDF-TV & Picture 2014

Essen-Bergerhausen.  2014 brannte der Kirchturm von St. Hubertus in Essen, was die Spitze kostete. Jetzt ist das Geld da, um die verlorenen Meter wieder herzustellen.

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Für die Feuerwehrleute war es ein einmaliger Einsatz und ein Knochenjob, für die Gemeindemitglieder ein dramatisches Ereignis: Am 3. Januar 2014 traf ein gewaltiger Blitz den Kirchturm von St. Hubertus. Flammen und Funken schlugen aus der Spitze in 74 Metern Höhe, während die Leiter der Wehr bei 30 Metern endete und die Einsatzkräfte sich durchs Innere hinauf kämpften. Am Ende half ein Spezialfahrzeug, retteten Ehrenamtliche Statuen und Plastiken, war der Turm fünf Meter kürzer. Rund sechs Jahre später sollen Turm und Fassade saniert werden, dafür gibt es zwei Millionen Euro vom Bund.

Schon rund drei Jahre sind Teile der Fassade und der Turm der Kirche St. Hubertus an der Töpferstraße verhüllt. Hier war nicht etwa der bekannte Christo am Werk. Ein Gerüst mit Abdeckung soll Passanten vor herabfallenden Teilen schützen. Damit könnte bald Schluss sein: Im kommenden Frühjahr soll die 1914 geweihte Kirche saniert werden. Die Maßnahmen erstrecken sich auf die zerstörte Turmspitze, aber auch auf marode Außenmauern, vor allem an der Wetterseite.

An den Abend des 3. Januar 2014 kann sich Ralph Kunze noch gut erinnern. Der Gemeinderatsvorsitzende wurde gegen 20 Uhr angerufen. „Unsere Kirche brennt“, lautete die Nachricht. Etwa zwei Stunden zuvor hatte ein heftiges Unwetter getobt, das Feuerwehren und Polizei in ganz Nordrhein-Westfalen in Atem hielt. In Bergerhausen schlug ein Blitz in die Spitze des Kirchturms von St. Hubertus ein. Experten schätzten, dass rund 80.000 Volt auf das Dachoberste mit dem Edelstahlkreuz einwirkten.

Mit Handspritzgeräten gegen den Turmbrand

Das Feuer brach nicht sofort aus, sondern schwelte etwa zwei Stunden. „Dann erst züngelten Flammen aus dem Turm und dicker Rauch wurde sichtbar“, sagt Kunze. Es folgte eine lange Nacht mit einem spektakulären Löscheinsatz, der in der Region für Schlagzeilen sorgte. Die Feuerwehr konnte aufgrund der Höhe der Dachspitze den Brand nicht über eine Drehleiter bekämpfen. „Die Leute sind da mit Handspritzgeräten und Atemschutz rauf“, erinnert sich Kunze. Auf eigene Kosten orderte die Gemeinde noch in der Brandnacht einen Hubwagen, um die Arbeit der Feuerwehr zu unterstützen.

Bis in die frühen Morgenstunden seien Gemeindemitglieder vor Ort gewesen, um freiwillig zu helfen. „Wir haben auch Kunstwerke aus der Kirche evakuiert, aus Sorge, dass die Spitze ganz abbrechen könnte.“ Auch drei anliegende Häuser waren vorsorglich evakuiert worden. Wenn der Brand etwas Gutes hatte, dann war es das daraus entstandene Gemeinschaftsgefühl. So krempelten die Katholiken nicht nur die Ärmel hoch, um Löschwasser, Schutt und Asche aus dem Turm zu entfernen. Die Gläubigen organisierten auch Türkollekten und Benefizkonzerte als Finanzierungshilfe.

PEP verzögerte die Sanierung

Im Oktober 2016 hatten Fachleute den zerstörten Turm eingerüstet. Verbrannte Hölzer wurde abgeschnitten und entfernt. Kunze zeigt Reste verkohlter Balken und eine kupferne Dachpfanne, völlig verbeult. Diese Teile stehen quasi als Mahnmal an einer Fassade im Innenhof. Von oben war immer wieder Wasser in den Turm eingedrungen, was weitere Schäden verursachte. Dass man viele Monate nicht mit den Arbeiten fortfuhr, ist dem Pfarreientwicklungsprozess (PEP) geschuldet. Der wurde, wie in allen Pfarreien des Bistums, aufgenommen, um die Zukunft der Gemeinden und ihrer Kirchen in der rund 20.000 Katholiken zählenden Pfarrei zu planen. Auf St. Hubertus will man jedenfalls nicht verzichten.

Zwei Millionen Euro für die Sanierung der Großkirche fließen aus Denkmalschutzmitteln des Bundes. Vom Bistum bekommt die Pfarrei weitere Gelder in Millionenhöhe. Auch die Gläubigen selbst haben fleißig gesammelt. „In den kommenden Wochen will der Kirchenvorstand das weitere Vorgehen beschließen“, erklärt Kunze. Ein Termin für den lange ersehnten Baubeginn steht noch nicht fest. „Der hängt von den Angeboten ab, die noch nicht alle vorliegen.“ Inwieweit auch die Ornamente am Turm wiederhergestellt werden, ist noch nicht entschieden. Das Geld soll nicht unnötig verpulvert werden. „Wir wollen keine vergoldete Kirche“, stellt Kunze klar.

Das Kreuz soll wieder auf die Spitze

Zu Beginn der Schönwetterperiode im kommenden Frühjahr hoffe man, mit der Sanierung anfangen zu können. Dann sollen mit Kirchbauten vertraute Dachdecker und Steinmetze ans Werk. Schwindelfrei müssen sie ganz sicher sein: Der Turm ragt als Landmarke weit in den Himmel über Bergerhausen. Ob die ursprüngliche Höhe von 74 Metern am Ende wieder erreicht werde, sei der Gemeinde egal, so Kunze. „Hauptsache das Kreuz ziert wieder die Spitze.“ Bis dahin hängt es weiter draußen an der Fassade.

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