Kommentar

Essener Innenstadt verliert die Abstimmung mit den Füßen

Frank Stenglein über ein neue Innenstadt

Frank Stenglein über ein neue Innenstadt

Essen.  Der Kampf um eine bessere Aufenthaltsqualität wurde spät begonnen und halbherzig geführt. Ein Problem: die zu große Anzahl randständiger Gruppen.

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Man kann darüber streiten, ob ein Ranking wie das von BNP Paribas die Realität auf Punkt und Komma genau darstellt. Unstrittig ist, dass die Essener Innenstadt sich früher mit Konkurrenten wie Düsseldorf und Dortmund auf Augenhöhe befand und davon schon lange keine Rede mehr sein kann. Mit den Einkaufszentren allein ist das nicht zu erklären. Dann müssten alle Innenstädte gleichermaßen leiden, was eben nicht der Fall ist.

Nein, die Tendenz der Erhebung ist leider korrekt. Das weiß und spürt jeder, der die Innenstadt lange als Flaneur oder Kunde kennt. Die inhabergeführten Fachgeschäfte sind überall rar geworden, das ist keine Essener Spezialität. Sehr wohl aber ist hausgemacht, dass Aufenthaltsqualität bei uns erst spät als wichtiger Faktor erkannt wurde.

Das Image war da schon unter Druck, für manchen Kunden auch bereits rettungslos im Eimer. Das ist in dieser Schärfe ungerecht, aber es ist ein Fakt. Und wenn ein Image einmal eingerastet ist, kann man es schwer wieder umdrehen.

Innenstadt-Abstinenz ist für viele mittlerweile eine Selbstverständlichkeit - ein gefährlicher Trend

Was neben mangelnder Sauberkeit immer wieder als Kritik genannt wird, ist die (zu) große Anzahl randständiger Gruppen. Die Trinkerszene wurde nach unsäglichen Mühen zumindest etwas abgedrängt. Die Profi-Bettelei ist aber weiterhin präsent. Wer dann noch, etwa an der Marktkirche, auf lagernde Szenegänger trifft, ist je nach Tagesform bedient. Man mag einwenden, dass die Stadt hier machtlos ist. Kann sein. An der Abstimmung mit den Füßen ändert es nichts.

Für zu viele bürgerliche Naturen ist Innenstadt-Abstinenz mittlerweile eine pure Selbstverständlichkeit, die keiner weiteren Begründung bedarf. Eine gefährliche Entwicklung. Sie zu stoppen, dazu bedarf es mehr als jenes Gesundbeten, das in Essen für Politik gehalten wird.

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