Honig

Essener Imker weiten das Projekt „Stadtteilhonig“ aus

Werner Küching ist Vorsitzender des Kreisimkerverbandes. In seiner Bienenanlage in Kettwig hat er 40 Völker, die in der Umgebung fleißig Honig sammeln.

Foto: Socrates Tassos

Werner Küching ist Vorsitzender des Kreisimkerverbandes. In seiner Bienenanlage in Kettwig hat er 40 Völker, die in der Umgebung fleißig Honig sammeln. Foto: Socrates Tassos

Essen.   Imker wollen stärker herausstellen, aus welchem Stadtteil ihr Produkt kommt. Der Norden Essens ist für Bienen viel ergiebiger, als man glaubt.

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Mit rund 2000 Bienenvölkern ist Essen in Sachen Honig durchaus gut aufgestellt. Der Nektar für den Honig stammt von Balkonen, begrünten Innenhöfen, Dächern, Kleingärten oder Parks. Passend zum Jahr der Grünen Hauptstadt zeigt eine detaillierte Karte die Verteilung der Völker im Stadtgebiet.

Parallel dazu weitet der Kreisimkerverband sein Projekt „Stadtteilhonig“ aus und lädt auch Imker ohne Verbandsbindung ein, mitzumachen. „Ziel ist, möglichst viele verschiedene Honigsorten anzubieten, die jeweils typisch für das Umfeld sind und sich durch Namen und Wappen den einzelnen Stadtteilen zuordnen lassen. Die Leute mögen den Bezug zur Region, wollen wissen, wo ihr Honig herkommt“, erklärt Werner Küching (70), Vorsitzender des Kreisimkerverbandes Essen-Mülheim.

Imker im Norden hatten anfangs Bedenken

Der Kettwiger selbst produziert seit zehn Jahren den Kettwiger Gartenhonig als Erinnerung an die dortige Gartenstadt. Inzwischen gibt es auch Stadtteilhonig aus Karnap, Katernberg, Kray, Leithe, Frohnhausen, Borbeck, Rellinghausen, Steele und Überruhr.

„Als ich bei unserer Verbandssitzung von meiner Idee mit dem Stadtteilhonig erzählt habe, waren viele skeptisch. Inzwischen hat die Idee immer mehr Freunde gefunden“, erinnert sich Küching. Gerade die Imker aus dem Essener Norden hätten anfangs Bedenken gehabt, ob jemand Honig aus ihren Stadtteilen kaufen wolle.

„Inzwischen hat sich gezeigt, dass gerade der Altenessener Parkhonig aus der Nähe des Kaiser-Wilhelm-Parks besonders gut ankommt“, so Küching. Der Norden sei in Sachen Honigproduktion viel ergiebiger als man gemeinhin glaube. Bienen fänden dort auf alten Industriebrachen wieder viel Nahrung, während im Süden der Stadt immer mehr Flächen bebaut würden.

150 Imker sind im Verband organisiert

In Essen gibt es 150 im Verband organisierte Imker und vielleicht noch mal 50 ohne Verbandsbindung, schätzt der Kettwiger Imker. 30 Prozent der Mitglieder seien inzwischen Frauen, Tendenz steigend. Fast alle Essener Imker engagierten sich hobbymäßig oder nebenberuflich. „Die meisten haben fünf bis höchstens zehn Völker. So ab 25 sollte man aber schon ein Gewerbe anmelden, wenn man den Honig verkaufen möchte“, meint Werner Küching, der selbst 40 Völker besitzt.

Das Etikettieren der Gläser sei Pflicht, selbst wenn man seinen Honig nur verschenke. „Das Stadtteilwappen auf dem Etikett soll die lokale Herstellung betonen. Wir arbeiten dabei mit dem Stadtverband der Bürger- und Verkehrsvereine zusammen, der uns für wenig Geld die Nutzung der offiziellen Wappen erlaubt“, sagt Küching. Wer also beim Projekt Stadtteilhonig mitmachen wolle, müsse mit dem Kreisimkerverband Rücksprache halten.

Honig aus Stadtteilen ist geschmacklich sehr unterschiedlich

Ausgerechnet im Jahr der Grünen Hauptstadt droht wegen des kühlen Wetters im Frühjahr eine schlechte Honigernte – aber noch ist der Sommer ja nicht zu Ende. Geschmacklich sei der Honig aus den verschiedenen Stadtteilen übrigens sehr unterschiedlich, abhängig von den Pflanzen, die den Bienen als Nektarquelle dienten. „Selbst der Honig von zwei benachbarten Völkern kann durchaus verschieden schmecken“, sagt der Kettwiger.

Sogenannte Pfadfinderbienen meldeten schmackhafte und reichhaltige Nahrungsquellen in ihrem Stock, und das ganze Volk schwärme dahin aus, während das Nachbarvolk vielleicht in die entgegengesetzte Richtung fliege. „Herauszuschmecken, welche Pflanzen die Bienen besucht haben, ist auch für erfahrene Imker schwierig. Ich würde mir vielleicht zutrauen, Linde von Raps zu unterscheiden“, erklärt Werner Küching.

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