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Essener Gymnasium besucht Partnerschule in Tel Aviv

Gruppenbild am Meeresstrand: Schüler und Lehrer des Essener Unesco-Aufbau-Gymnasiums und der Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv.

Gruppenbild am Meeresstrand: Schüler und Lehrer des Essener Unesco-Aufbau-Gymnasiums und der Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv.

Essen.  Wenn das Essener Unesco-Gymnasium nach Israel reist, gibt es besondere Herausforderungen: Ein Schüler durfte beinahe nicht einreisen.

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Sie waren schon gelandet, da drohte der Schüleraustausch für Johnson Asiedu Blay noch zu scheitern: „Ohne Visum könne ich nicht nach Israel einreisen.“ Der 21-Jährige ist in Liberia geboren, wuchs in Ghana auf und kam vor fünf Jahren – allein – nach Essen. Offiziell gilt er als staatenlos, für die Schulfahrt nach Tel Aviv hatte ihm die deutschen Behörden Reisedokumente ausgestellt. „Aber am Flughafen in Tel Aviv mussten wir dann ein Visum für ihn besorgen“, sagt Lehrer Klaus Kirstein vom Unesco-Aufbau-Gymnasium im Südostviertel.

Diese Episode erzählt einiges über die besondere Schülerschaft seiner Schule: Lange vor dem aktuellen Flüchtlingszuzug war die Unesco-Schule multikulturell geprägt, nahm auch jene auf, die mit der neuen Sprache und alten Erinnerungen zu kämpfen hatten. Mit der Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv habe man einen Zwilling gefunden, „der sich zufällig in einem anderen Land befindet“, so hat es die Schulleiterin im März 2016 gesagt, als beide Schulen eine Partnerschaft beschlossen.

Die Israelis nahmen die Essener warmherzig auf

Im November reisten nun zunächst sechs Schüler des Unesco-Gymnasiums nach Tel Aviv. „Davor hatte ich schon mit einigen israelischen Schülern per WhatsApp Kontakt – auf Englisch“, erzählt Johnson. „An der Bialik Rogozin-Schule habe ich dann Jugendliche aus Liberia, Elfenbeinküste und Ghana kennengelernt und wir konnten uns in afrikanischen Sprachen unterhalten – das war völlig unerwartet, und ich fand es toll!“

Es sei eben wie an ihrer Schule in Essen, sagt Manuel Muflizović (20): „Während bei uns die gebürtigen Deutschen in der Minderheit sind, wird Bialik Rogozin kaum von jüdischen Israelis besucht.“ Diejenigen, die ihnen Israel vorstellten, stammten selbst aus aller Welt. Sie zeigten den Essenern die Stadt, ihre Graffiti-Kultur und das arabisch geprägte Jaffa. Außerdem gab es Ausflüge in einen Kibbuz und nach Jerusalem, wo die deutsche Gruppe auch die Gedenkstätte Yad Vashem besuchte und einen Holocaust-Überlebenden traf.

Besonders beeindruckt hat die Schüler, dass sie am Gedenktag für den 1995 ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin ins Programm eingebunden wurden. Johnson sprach zum Thema Diskriminierung, Manuel zum Umgang mit Homosexualität. „An unserer Schule kommen alle Nationalitäten gut mit einander klar, leider ist die Toleranz gegenüber Homosexuellen in einigen Kulturen nicht so ausgeprägt.“ Seit seinem Coming-out habe er keinen Kontakt mehr zu seinem Vater, einem muslimischen Bosnier; aber auch am Unesco-Gymnasium sei es nicht immer leicht für ihn gewesen. „Die Gruppe in Tel Aviv hat mich offen aufgenommen.“

Von der Offenheit und Warmherzigkeit der Gastgeber schwärmt auch Johnson. Die Schule sei trubelig und laut gewesen wie in Afrika und vom Humus träume er noch – so gut habe das Kirchererbenmus geschmeckt. Nur der Tagesablauf sei etwas zu eng getaktet gewesen, da habe die Zeit gefehlt, mal alleine loszuziehen, sagt Manuel. Johnson grinst: „Ich bin in Clubs gegangen.“ Wenn sie die Abi-Prüfungen hinter sich haben, wollen beide gern privat nach Tel Aviv reisen. Und wenn die Israelis im Frühjahr zum Besuch nach Essen kommen, werden sie nicht nur als Gäste empfangen – sondern als Freunde.

Eine Filmdokumentation führte zur Schulpartnerschaft

Als sie den Film „Strangers No More“ über die Bialik-Rogozin-Schule in Tel Aviv sah, dachte eine Lehrerin des Essener Unesco-Gymnasiums: „Das ist ja wie bei uns“ – und nahm Kontakt zu den Israelis auf.
Ende 2015 reisten Lehrer aus Essen nach Israel, beim Gegenbesuch im März 2016 wurde die Schulpartnerschaft besiegelt.
Im April 2017 will der Autor Norbert Kron sein Buch über die Bialik-Rogozin-Schule und die Schulpartnerschaft mit der Unesco-Schule vorstellen.

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