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Corona-Politik: Scharfe Kritik aus Essener Gesamtschule

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Schulleiterin Julia Gajewski wünscht sich für das neue Schuljahr ein verbindliches Konzept für den Unterricht unter Corona-Bedingungen.

Schulleiterin Julia Gajewski wünscht sich für das neue Schuljahr ein verbindliches Konzept für den Unterricht unter Corona-Bedingungen.

Foto: Olaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Essen-Altendorf.  Die Gesamtschule Bockmühle aus Altendorf hat sich an einer Protestaktion beteiligt. Warum die Schulleiterin besorgt in die Sommerferien geht.

Ein turbulentes Schuljahr geht an der Gesamtschule Bockmühle zu Ende – ein von der Corona-Pandemie geprägtes Jahr, in dem es in Altendorf eines der kältesteten Klassenzimmer des Landes gab. Nur neun Grad zeigte das Thermometer in einer Klasse der Gesamtschule im vergangenen Winter an. Zum Beweis machte die Schulgemeinschaft ein Foto, reichte es als Zeichen des Protests beim Wettbewerb „Die kälteste Klasse in NRW“ ein und landete auf dem zweiten Platz. Den Titel holte eine Schule aus Bochum mit minus 0,3 Grad Celsius.

Zum Wettbewerb aufgerufen hatten die Landeselternkonferenz und die Landeselternschaft der integrierten Schulen. „Wir haben den Aufruf bei uns an der Schule veröffentlicht“, sagt Julia Gajewski, Leiterin der Gesamtschule Bockmühle. Mit der Teilnahme wollte die Schulgemeinschaft auf die Bedingungen aufmerksam machen, unter denen der Präsenzunterricht in den kalten Monaten stattfand: Masken gehörten zum Schulalltag und regelmäßig mussten die Fenster weit aufgerissen werden, um für eine ausreichende Durchlüftung der Klassenzimmer zu sorgen. Die Außentemperaturen spielten dabei keine Rolle, was für Bilder sorgte, die sich vor der Corona-Pandemie niemand hatte vorstellen können.

Erinnerung an Corona-Winter in der Gesamtschule Bockmühle

„Manche Kinder hatten wirklich Decken mitgebracht“, erinnert sich Gajewski. Winterjacke, Schal und Mütze trugen die meisten ohnehin auch in den Innenräumen. „Ich bin selbst mit einer warmen Fleecejacke in die Klassen gegangen“, sagt die Schulleiterin. Einerseits scheint die Erinnerung an diese kalten Tage so kurz vor den Sommerferien in weiter Ferne zu liegen, andererseits wachsen bereits die Sorgen vor den Bedingungen im kommenden Schuljahr.

Nach zwei Jahren mit viel Ungewissheit, Distanzunterricht und immer neuen Regelungen, die oftmals von einem auf den anderen Tag griffen, macht sich Frust breit. „Es ändert sich nichts“, kritisiert Gajewski. Noch immer gebe es seitens der Landesregierung kein schlüssiges Konzept, wie der Unterricht unter Corona-Bedingungen im kommenden Herbst und Winter organisiert werden könne – zumal die künftige Besetzung des Schulministeriums noch gar nicht geklärt ist.

Die Schulleiterin macht sich auch deshalb Sorgen, weil ihre Schule in einem sozialen Brennpunkt liegt. Die Arbeit dort sei ohnehin schon schwierig, Corona sei noch oben drauf gekommen. „Den Kindern fehlt der soziale Anschluss.“ Daher sei auch die Bereitschaft zur Teilnahme am Wettbewerb als eine Form des Protestes hoch gewesen.

Eltern fordern für das neue Schuljahr mehr Verbindlichkeit

„Wir laufen seit zwei Jahren planlos durch die Corona-Zeit und es scheint im dritten Jahr nicht besser zu werden“, beklagt auch Elmar Schmitz, Schulpflegschaftsvorsitzender an der Gesamtschule Bockmühle. „Schulen sollten zur kritischen Infrastruktur gezählt werden und auf keinen Fall mehr geschlossen werden.“ Mit Blick auf das neue Schuljahr fordert er von der Landesregierung ein Konzept, wie die Schulen besser durch die nächsten Infektionswellen kommen können als bisher.

Ein verbindlicher Plan müsse her, der die Erfahrungen der vergangenen Schuljahre einbeziehe. Notfalls seien geteilte Lerngruppen wieder denkbar, auch wenn das angesichts der Personalsituation an den Schulen bedeuten würde, dass die Kinder nur jeden zweiten Tag vor Ort unterrichtet würden. Eine Rückkehr in den Distanzunterricht jedenfalls sehen Schulleiterin und Schulpflegschaftsvorsitzender nicht als Option. Darunter würden Kinder aus ohnehin benachteiligtem Umfeld doppelt leiden.

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