Gemeinde Haarzopf

Essener Gemeinde vergibt wieder Karten für Festgottesdienste

Drei Glocken sorgen im Turm an der Raadter Straße in Essen-Haarzopf jetzt wieder für das Geläut.

Drei Glocken sorgen im Turm an der Raadter Straße in Essen-Haarzopf jetzt wieder für das Geläut.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

Essen-Haarzopf.  Die Glocken der ev. Kirche Haarzopf werden ab dem zweiten Advent wieder läuten. Und für die Weihnachtsgottesdienste gibt es erneut Karten.

Nach sieben Jahren Stille werden die Glocken der evangelischen Kirche Essen-Haarzopf ab dem zweiten Advent wieder läuten. Mit einem feierlichen Gottesdienst am Sonntag, 8. Dezember, um 10.30 Uhr an der Raadter Straße wird die Einweihung des renovierten Glockenturms gefeiert. Parallel dazu gibt die Gemeinde bereits seit dem ersten Advent wieder kostenlose Karten für fünf Weihnachtsgottesdienste aus. So sollen Getümmel und Ärger vermieden werden.

Ansturm bei den Weihnachtsgottesdiensten soll geregelt werden

Die Karten waren im vergangenen Jahr erstmals ausgegeben worden, um den großen Ansturm der Gläubigen an den Feiertagen zu reglementieren. Die Aktion hatte bei der Premiere 2018 für viel Aufregung und teils auch Unverständnis gesorgt. „Seitens der Gemeindeglieder waren die Reaktionen nicht so negativ und im Nachhinein gab es viele positive Rückmeldungen“, so Pfarrerin Elisabeth Müller.

Positive Reaktionen sind auch angesichts des wieder funktionierenden Geläuts der Kirche zu erwarten. „Die Glocken werden jetzt wieder zu den Gottesdiensten und zu Beerdigungen erklingen. Der Stundenschlag zur vollen und halben Stunde funktioniert schon und auch die Sonntage werden wieder samstags um 19 Uhr eingeläutet“, sagt Pfarrerin Elisabeth Müller. Einige Gemeindeglieder hätten ihr schon voller Freude berichtet, dass sie jetzt endlich wieder ein richtiges Sonntagsgefühl hätten. Eine besondere Glocke erklinge zum Vaterunser.

Die Kirche war einsturzgefährdet

Im Zuge einer geplanten Innenrenovierung der Kirche habe sich 2013 herausgestellt, dass das 100 Jahre Gebäude akut einsturzgefährdet sei. Aus Vorsicht habe man ab diesem Zeitpunkt auf das Läuten verzichtet, so Müller. Während der langen Sanierungsphase sei klar geworden, dass auch der Glockenturm so nicht mehr genutzt werden konnte. „Da haben wir noch gedacht, dass das nicht so dramatisch werden würde. Die Kosten wurden damals auf 60.000 Euro geschätzt“, sagt Elisabeth Müller. Der Schock sei dann später gekommen: Die Arbeiten hätten sich als sehr aufwändig herausgestellt, hätten sich wiederholt verzögert und am Ende 204.000 Euro gekostet. „Der laufende Haushalt ist gedeckt, aber Rücklagen haben wir keine mehr“, so die Pfarrerin.

Dennoch werde die Wiedereinweihung des Glockenturms am 8. Dezember mit einem kleinen Imbiss und Sekt gefeiert. „An dem Tag findet ja auch der Haarzopfer Weihnachtsmarkt statt, so dass die Besucher beides miteinander verbinden können“, so Müller. Um 16 Uhr seien alle zum offenen Singen eingeladen.

Nur für die Christmette sind keine Karten erforderlich

Auch am zweiten Advent könne man sich Karten für die fünf Weihnachtsgottesdienste der Gemeinde sichern. Etliche Karten seien schon am ersten Adventssonntag weggegangen. Die Karten gebe es für die jeweils zwei Gottesdienste mit Krippenspiel im Gemeindezentrum Fulerum und zwei mit dem Konfirmanden-Krippenspiel in der Kirche Haarzopf sowie für die Christvesper um 18 Uhr in der Kirche. „Keine Karten sind erforderlich für die Christmette am Heiligabend um 23 Uhr in Fulerum“, so Müller.

Die Haarzopfer Gemeinde habe die Vergabe von kostenlosen Karten von der Gemeinde in Kleinmachnow in Brandenburg übernommen. „Ich bin dort vor etwa zwei Jahren anlässlich der Beerdigung meines Schwiegervaters auf die Idee gekommen. Er war dort sehr bekannt, weil er das Logo ,Schwerter zu Pflugscharen’ entworfen hat.“ Das war ein Symbol der DDR-Friedensbewegung. Zu der Beerdigung wie auch zu Weihnachten habe man viele Menschen erwartet – was Feuerwehr und Rettungsdiensten große Sorgen bereitet habe. Dort habe die Methode mit den Eintrittskarten zur Entspannung der Lage beigetragen. Auch in Westfalen seien Eintrittskarten für besondere Gottesdienste durchaus gebräuchlich.

Zu den Weihnachtsgottesdiensten werden 1300 Leute erwartet

Die Karten für die Haarzopfer Weihnachtsgottesdienste seien nach den Krippenspielproben, nach den Gottesdiensten, im Kindergarten, im Gemeindebüro und bei den Seniorenadventsnachmittagen erhältlich. „Insgesamt erwarten wir zu den sechs Weihnachtsgottesdiensten rund 1300 Besucher“, so die Pfarrerin.

Während in den Vorjahren oft von weihnachtlicher Stimmung keine mehr Rede mehr gewesen sei und sogar die als Ordner eingesetzten Jugendlichen auf üble Weise beschimpft worden seien, sei 2018 alles entspannt verlaufen. Viele waren froh, durch die vorher besorgten Karten nicht mehr eine Stunde vor Beginn des Gottesdienstes da sein zu müssen, um einen Sitzplatz zu ergattern. „Eine alte Frau, die ihre Karte verlegt hatte und ganz verzweifelt war, haben wir sie natürlich trotzdem reingelassen“, sagt Elisabeth Müller. Weihnachten in Haarzopf sei im letzten Jahr nicht nur besonders friedlich abgelaufen. Es habe auch die größte Kollekte zugunsten der Aktion „Brot für die Welt“ gegeben, die die Gemeinde jemals habe verzeichnen können.

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