Pilotenausbildung

Essener Flugschule bildet Nachwuchspiloten in Simulatoren aus

Christian Käufer im Boeing 737-Simulator: Die Flugschüler der TFC Käufer verbringen während der zweijährigen Berufspilotenausbildung mehr als 180 Stunden im Simulator. Foto: Sebastian Konopka

Christian Käufer im Boeing 737-Simulator: Die Flugschüler der TFC Käufer verbringen während der zweijährigen Berufspilotenausbildung mehr als 180 Stunden im Simulator. Foto: Sebastian Konopka

Foto: WAZ FotoPool

Essen.   In Hochleistungssimulatoren bildet Christian Käufer, Geschäftsführer der Flugschule TFC Käufer in Kupferdreh, Piloten und Crews aus. Einmal im Monat darf der Chef jedoch noch "richtig" abheben. Bevor er die Flugschule öffnete, war er selbst Berufspilot.

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Liefe man nicht auf einen Schreibtisch zu – man könnte das Büro von Christian Käufer für das Spielzimmer eines flugzeugbegeisterten Jungen halten. Maßstabgetreue Miniatur-Boeings hinter Glas, limitierte Airbus-Modelle auf hüfthohen Ständern. „Jeden dieser Flugzeugtypen habe ich schon geflogen“, sagt Käufer, der vor einigen Jahren den Sitz im Cockpit gegen den Chefsessel tauschte.

Wie sehr der Geschäftsführer der Flugschule TFC Käufer in Kupferdreh der Fliegerei dennoch verbunden bleibt, zeigt sich beim Firmenrundgang. Vorbei führt der Weg an Luftaufnahmen, an Fotos der hauseigenen Fliegerstaffel auf dem Flugplatz Essen-Mülheim. Käufer öffnet eine Tür – und steht im Cockpit einer Boeing 737. Das Licht im Innern ist gedämpft, am Horizont ist ein Flughafen zu erkennen. Konzentriert schaut ein Flugschüler aufs Instrumentenbrett, auf dem dutzende Lämpchen leuchten, hat Höhenmesser und Geschwindigkeit im Blick - bis ein Warnsignal ertönt und der Trainer auf dem Copiloten-Sitz eingreift. Erneut werden Flughafen-Daten und 380 Grad-Ansichten, erneut probt der Flugschüler den Landeanflug.

Piloten für alle Eventualitäten zu rüsten, sie auf Stresssituation, auf Unwägbarkeiten vorzubereiten, ist Bestandteil der Verkehrspilotenausbildung. Käufer geht mit seinem Konzept weiter, betreibt - neben der Lufthansa - eine von zwei deutschen Flugschulen, die nach neuerem MPL-Standard ausbilden dürfen. Eine Verkehrspilotenausbildung, die neben der technischen Ausbildung die Crew-Führung und die Entscheidungsfindung im Team im Fokus hat. Die Auflagen sind streng, nur wer mit einer Fluggesellschaft zusammen arbeitet, darf nach MPL ausbilden. In Käufers Fall ist der Kooperationspartner meist Air Berlin.

Mehr als 180 Stunden verbringen die angehenden Piloten in den bis zu 1,8 Millionen Euro teuren Simulatoren. „Früher war der Ausbildungsanteil im Flugzeug höher“, sagt Käufer. Doch mit Umstellung der Ausbildung bleiben die zehn schuleigenen Flieger häufiger am Boden. „Wir haben ausgerechnet, dass wir durch die reduzierten Schulflüge im Jahr rund 150 000 Liter Treibstoff weniger brauchen.“

Weiter geht es durch den Betrieb in der ehemaligen Bundeswehr-Fachschule am Rehmannshof, die man mit einem Luftfahrtmuseum verwechseln könnte. Neben den acht in Betrieb befindlichen Simulatoren finden sich ausgemusterte Modelle. Firmengeschichte der TFC, die der ehemalige Caravellen-Flugkapitän Rolf Käufer 1981 gründete und 1995 an seine Söhne Christian und Frank übergab. Zwei Söhne - zwei Geschäftsbereiche. Während sich Christian Käufer um die Ausbildung kümmert, baut Frank Käufer Kabinen-Simulatoren. Rund 280 dieser Kabinen sind weltweit im Einsatz, die bislang größte, eine A380-Kabine, lieferte Käufer nach über 30 Monaten Entwicklungsarbeit in seinem Velberter Werk nach Toulouse.

Was Fluggesellschaften mit den Kabinen-Nachbauten wollen? „Nicht nur im Cockpit muss jeder Handgriff sitzen, sondern auch in der Kabine“, sagt Christian Käufer. Auf engem Raum arbeiten die Crews und gehen dabei um mit ängstlicher und renitenter Klientel, müssen trösten, bedienen, organisieren. „Früher hat man dazu theoretischen Unterricht gemacht“, sagt Christian Käufer. Heute trainiere man im Simulator.

Dabei liegt das Augenmerk auf der Sicherheit. Wie beruhigt man Passagiere in Notsituationen, wie räumt man binnen 90 Sekunden eine Kabine?„Wenn man freundlich sagt: Es brennt, könnten Sie bitte die Kabine verlassen, kommt man nicht weiter. Man muss klar und resolut auftreten. Das muss man proben bis es sitzt, damit man es unter Stress abrufen kann.“ Weltweit gibt es nicht viele Flugschulen, die im Umfang der TFC ausbilden. Und so landen in Kupferdreh auch immer wieder Anfragen für Führungskräfte-Seminare: „Die Arbeit im Cockpit und in der Kabine ist ein gutes Teamtraining“, sagt Käufer, „für viele ist das hier ein Aha-Effekt: Wir reden miteinander und es klappt, oder wir reden nicht miteinander und es endet im Desaster. Extreme Stresssituationen lassen sich auf so engem Raum gut darstellen.“

Ob Käufer es vermisst, die Berufspiloten-Karriere aufgegeben zu haben? „So ganz“, sagt er, „habe ich das ja nicht. Einmal im Monat fliege ich noch für eine große Fluggesellschaft.“ Dass er als „Seltenflieger“ aus der Übung kommt, steht nicht zu fürchten..

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