Marketingpreis

Essener FitX-Gründer Fatih träumt von Start-up-Metropole

Lesedauer: 5 Minuten
Vor dem Empfangstresen von Crealize im Essener Südviertel steht eine große Batman-Figur, Jacob Fatih hat sie geschenkt bekommen.

Vor dem Empfangstresen von Crealize im Essener Südviertel steht eine große Batman-Figur, Jacob Fatih hat sie geschenkt bekommen.

Foto: Vladimir Wegener / FUNKE Foto Services

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Essen.  FitX-Gründer und Start-up-Unternehmer Jacob Fatih aus Essen wird als „Kopf des Jahres“ ausgezeichnet. Was in diesem Kopf vorgeht.

Zum „Kopf des Jahres“ hat der Marketing-Club Ruhr den Essener Jacob Fatih gekürt. Der Gründer der Fitnesskette FitX hat sich längst neuen Projekten zugewendet, in seiner Start-up-Schmiede Crealize fließen Ideen für immer neue Projekte zusammen. 18 Gründungen und Beteiligungen sind daraus schon hervorgegangen – und es soll noch viel mehr kommen. Die bisherigen Erfolge hängen in einer Galerie am Eingang zu den Büroräumen im Essener Südviertel.

Dort steht Jacob Fatih in Turnschuhen, kurzer Hose und T-Shirt zur Begrüßung bereit, neben einer lebensgroßen Batman-Figur. Auf dem Gürtel trägt sie die goldenen Initialen J.F., Jacob Fatih. Der echte Fatih lächelt, die weißen Zähne scheinen hervor und auf dem Kopf sitzt eine umgedrehte Basecap. Was vorgeht in diesem Kopf des Jahres, darüber geben unter anderem die vielen Tätowierungen Aufschluss, die sich über Hände und Arme des 46-Jährigen ziehen.

Self-Made-Milliardäre als Inspiration

Die Namen seiner beiden Söhne sind zu sehen und das FitX-Logo, am meisten bedeutet ihm ein Schriftzug auf dem rechten Unterarm. „Durch Liebe werden Dornen zu Blumen“ steht dort, eine Zeile des persischen Dichters Rumi, in der Handschrift seines Vaters. „Mein Vater war mein absolutes Vorbild“, sagt Fatih. Familie sei für ihn alles, seine Eltern hätten ihn in seinem Selbstbewusstsein gestärkt. In seiner Kindheit in Teheran habe er oft im Bücherregal seines Vaters gestöbert. „Ich habe in sehr jungen Jahren ein Buch über Self-Made-Milliardäre rausgezogen“, erzählt der gebürtige Iraner Fatih. Die Biografien beeindruckten ihn und weckten eine Leidenschaft, die er nach der Flucht nach Deutschland im Alter von 23 Jahren weiter verfolgte.

Fünf Fragen an Jacob Fatih von Crealize

„Ich sage immer, ich bin passionierter Unternehmer“, entgegnet er auf die Frage, wie sich seine vielfältige Arbeit auf den Punkt bringen lasse. Als Kind und zu Beginn seiner Karriere sei es ihm schlicht und einfach ums Geld verdienen gegangen, am besten möglichst viel davon. Das habe sich gewandelt. „Das Wichtigste ist nicht mehr Geld, sondern positive Spuren zu hinterlassen“, sagt Fatih, der etwas nach vorn gebeugt auf einem Stuhl im Meetingraum von Crealize sitzt.

Hier ist kaum etwas rechteckig oder rund, der große weiße Tisch in der Mitte mit einer Schale Trockenobst und Nüssen in der Mitte und selbst die Wasserkaraffen haben ein spezielles Design mit vielen Ecken, das zum Logo von Crealize passt. Kreieren und realisieren, dabei außerhalb der Box denken – darauf kommt es hier an. Lange Grübeln und Bedenken tragen ist nicht Fatihs Ding: „Ich war immer schon positiv eingestellt.“ Auch das ist, natürlich, Teil seiner Tattoos. Ebenso wie der Schriftzug „Demut“.

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Freiheit nimmt Fatih nicht selbstverständlich

Jeden Tag starte er mit einem Lächeln, sagt Fatih. „Ich bin immer noch enorm dankbar für alles, weil ich die andere Seite der Medaille kenne.“ Die Vorstellung, wie viel weniger Entfaltung ihm im Leben möglich gewesen wäre, hätte er nicht sein Pharmazie-Studium im Iran abgebrochen, wäre er nicht nach Deutschland geflohen – diese Vorstellung treibe ihn an, möglichst viele Chancen zu nutzen.

„Freiheit ist für mich nicht selbstverständlich“, sagt er. Er sei stolz darauf, Deutscher geworden zu sein und glücklich, ausgerechnet in Essen gelandet zu sein. Hier sei er auf viele Menschen gestoßen, die ihm vor allem in jungen Jahren weitergeholfen hätten. Jetzt will er andere junge Menschen dabei unterstützen, ihre Ideen zu verwirklichen: „Ich finde es gut, Leuten eine Bestimmung, eine Aufgabe zu geben.“ Dabei will er möglichst nahbar und offen sein, nicht überheblich. Dass er niemals so auf andere wirke, könne er nicht ausschließen. Aber er arbeite kontinuierlich an seiner Haltung. Dabei hilft ihm ein Blick auf seinen rechten Arm: Demut.

Ruhrgebiet als Metropole für Start-ups

Essen zu verlassen, das kommt für ihn nicht in Frage. Zunächst hat er in Altenessen gelebt, im Essener Norden entstand auch die erste von später mehr als 80 FitX-Filialen bundesweit. Mittlerweile wohnt er mit seiner Familie in Werden. Es habe schon mehrere Möglichkeiten gegeben, beruflich nach München oder Berlin zu wechseln. Fatih aber bleibt ganz bewusst im Pott. „Für mich wäre es eine wahnsinnige Sache noch zu erleben, wie sich das Ruhrgebiet zu einer krassen Start-up-Metropole entwickelt“, sagt er. Eine Art Silicon Valley Deutschlands oder gar Europas – Fatih denkt groß. „Das ist mein Traum.“

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