Elektroschrott-Recycling

Essener Firma bekämpft Elend auf E-Schrotthalde in Ghana

Die Studentinnen Madeline Zülck und Daniela Wieland mit Nana Yaw Konadu (2. v.l.) aus Ghana und Hans Werner Müller, Geschäftsführer der Firma Elorec. Die Bergeborbecker Firma bekam Besuch von der Regierungsdelegation aus Ghana, die sich über Möglichkeiten Elektroschrott zu recyceln informiert. Studenten der Uni Bochum unterstützen das Projekt.

Die Studentinnen Madeline Zülck und Daniela Wieland mit Nana Yaw Konadu (2. v.l.) aus Ghana und Hans Werner Müller, Geschäftsführer der Firma Elorec. Die Bergeborbecker Firma bekam Besuch von der Regierungsdelegation aus Ghana, die sich über Möglichkeiten Elektroschrott zu recyceln informiert. Studenten der Uni Bochum unterstützen das Projekt.

Foto: Julia Tillmann / Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Recycling von Elektroschrott auf Deponien im afrikanischen Ghana stürzt Tausende von Menschen ins Elend. Eine Essener Firma tut etwas dagegen.

Jede Idee fängt einmal klein an, doch diese könnte Großes bewirken. Der in Bergeborbeck beheimatete Entsorgungsfachbetrieb Elorec hat am Freitag hohen Besuch empfangen. Abu-Bakar-Saddique Boniface, ein Minister aus Ghana, besuchte das mittelständische Unternehmen. Ihr gemeinsames Ziel: Die saubere Entsorgung von Monitoren, ausgedienten Computern und Kabeln. Damit soll den schlimmen Zuständen in dem afrikanischen Land in Zukunft entgegengewirkt werden. Seit knapp einem Jahr liefert Elorec bereits Elektroschrott nach Accra, der ghanaischen Hauptstadt.

Eine der größten Elektroschrottdeponien der Welt

In Accra durchsuchen täglich Kinder und Jugendliche die Müllberge nach Elektroteilen, die sie zu Geld machen können. Dazu verbrennen sie auf einer der größten Elektroschrottdeponien der Welt Kupferkabel. Was nicht ungefährlich ist: Sie verletzen sich oder starben gar dabei. Die verheerenden Umstände sind auch ein Grund für die hohe Flüchtlingsquote im Land.

Deshalb hat das studentische Projekt „Agbocycle“ der Ruhr-Universität Bochum bereits vor drei Jahren begonnen, nach Lösungen zu forschen. Nachdem die Studierenden in Ghana waren, planen sie nun ein Modell, das die Arbeiter in die Lage versetzt, den Elektroschrott in geeigneten Räumlichkeiten auseinanderzunehmen. Die getrennten Materialien würden dann von den Partnern in Deutschland aufgekauft und weiterverarbeitet.

Studenten stoßen auf viele verschlossene Türen

Auf der Suche nach Firmen, die sich engagieren möchten, liefen die Studenten jedoch vor viele verschlossene Türen – bis sie sich an Elorec und den Geschäftsführer Hans-Werner Müller wandten. „Ich wollte sofort helfen“, erinnert er sich an den ersten Kontakt zu den Studierenden. „Ich war begeistert von der Idee, nachhaltig etwas zu verändern. Wir planen, Wissen und Material weiterzugeben, um im besten Fall einen neuen ökonomischen Zweig in Ghana aufzubauen. Dann könnten die Menschen dort neue Produkte bauen und verkaufen.“

Die Firma Elorec ist nicht nur zertifizierter Entsorgungsbetrieb für Elektroschrott, Metallschrott und Altbatterien, sondern auch noch eine genehmigte Erstbehandlungsanlage. Dadurch ist das Unternehmen in der Lage, angeliefertes Material zu prüfen, zu verwerten und weiterzugeben – legal, auch nach Afrika.

Viele Gespräche und Kontakte nach Afrika später wurde der erste Container geschickt. Die ghanaische Regierung wurde daraufhin auf die Unternehmungen aufmerksam und suchte das Gespräch. Um die neue Beziehung zu vertiefen, stattete Minister Boniface nun der Firma einen Besuch ab – und zeigte sich begeistert. „Wir wollen Frieden in unserem Land und eine Infrastruktur schaffen, die den Flüchtlingsstrom und das Sterben der Menschen stoppt“, erklärte er. „Viele Flüchtlinge haben Deutschland als Ziel. Es wäre faszinierend, wenn die Lösung dafür auch aus Deutschland käme.“

Gespräche mit Firmen und Politikern

Dazu vernetzen sich beide Partner weiter, es laufen Gespräche mit größeren Firmen und der Politik in beiden Ländern. Die Ideen sind da, die Visionen groß. „Vieles ist noch nicht spruchreif“, betont Geschäftsführer Müller. „Aber wenn wir die Menschen in Ghana ausbilden und ihnen sichere Arbeitsplätze bieten könnten, wäre das schon eine große Leistung.“

Bisher verschifft das Unternehmen Monitore, Platinen, und anderes geprüftes Material in Containern nach Ghana. „Momentan versuchen wir noch, den Bedarf festzustellen. Was brauchen und nutzen die Menschen in Ghana an Technik? Gibt es Ersatzteile für Geräte? Was macht am meisten Sinn?“, erklärt Müller das Vorgehen. „Außerdem müssen die Menschen dort erst noch lernen, dass Nachschub kommt. Der erste Container wurde praktisch überrannt, weil die Leute nicht glauben konnte, dass noch mehr gutes und verwertbares Material kommt.“

Insgesamt 500 mögliche neue Arbeitsplätze in Accra kalkulieren die Verantwortlichen zu diesem Zeitpunkt. Das finanzielle Risiko geht der Geschäftsführer ein, er glaubt fest an die Idee eines Recyclingkreises in Accra.

Ein Kreis, der vielen Menschen neue Perspektiven schenken könnte.

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