KUNST

Essener Film wird bei Festivals in Cannes und London gezeigt

Bei der Arbeit: Philipp Peißen (l.)mit seinem Darsteller Christian Freund. Foto:Philipp Peißen

Bei der Arbeit: Philipp Peißen (l.)mit seinem Darsteller Christian Freund. Foto:Philipp Peißen

London.   Philipp Peißen hat einen Kurzfilm über die Begegnung mit dem Tod im besonderen „Super 8“-Format gedreht. Der wird in Cannes und London gezeigt.

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In der Kunst, wo das Ungewöhnliche zur Gewohnheit wird, hat der Essener Filmemacher Philipp Peißen etwas ganz und gar Ungewöhnliches erlebt: Bevor er seinen Film „Threshold“ selbst das erste Mal gesehen hatte, wurde der bereits ausgezeichnet. „Das war irre und eine große Ehre für mein Team und für mich“, freut sich der 37-Jährige. An diesem Wochenende stellt er sein prämiertes Werk beim traditionsreichen „Londoner Straight 8 Festival“ in London vor.

Film im besonderen „Super 8“-Format gedreht

Die Besonderheit des Films von Philipp Peißen liegt in der Filmtechnik: „Threshold“ wurde im „Super 8“-Format gedreht. Der Film ist genau drei Minuten und 20 Sekunden lang, weil nicht mehr Film auf eine Kassette passt. Schnitte, mit denen sonst Szenen nachträglich zu einem Film zusammengesetzt werden, sind im „Super 8“-Format nur in geringer Zahl und direkt in der Kamera möglich. „Das war eine Herausforderung“, betont Philipp Peißen. Jede Einstellung wird deshalb stundenlang vorbereitet und kann nur einmal gedreht werden.

Die komplexe Handlung macht die Produktion noch schwieriger: Der Film erzählt die Geschichte eines Mannes, der die letzte Schwelle seines Lebens überschreitet und sich auf die Suche nach dem Tod begibt. An zehn Tagen wurde gedreht: „Auf der Schurenbachhalde, auf dem Südwestfriedhof in Fulerum, in der Theaterschule Essen-Süd, auf der Halde Haniel in Bottrop und in meinem Keller in Holsterhausen“, sagt Peißen.

Film wurde erst in London entwickelt

Die unentwickelte Kassette mit dem Film schickte der Essener, der als Kameramann und Cutter Image-, Messe- und Werbefilme bearbeitet, dann an das Film-Labor des traditionsreichen „Londoner Straight 8 Festival“. Der internationale Kurzfilm-Wettbewerb hat sich auf das besondere Film-Format spezialisiert. In London wurde der letzte Schritt der Produktion übernommen und die Kassette entwickelt. Außerdem wurde der „blind“, weil ohne Film erstellte Soundtrack, der per Datei mitgeliefert worden was, erstmals zum entwickelten Film eingespielt.

„Cannes war unglaublich spannend“

Bei der Jury in London kam „Threshold“ aus Essen denkbar gut an. Er war einer von nur acht Filmen (und der einzige Beitrag aus Deutschland), der in dieser Kategorie für die 70. Filmfestspiele in Cannes nominiert wurde. Dort sah auch Philipp Peißen seinen Film erstmals. Sein Fazit: „Die Blende war nicht optimal gewählt. Ein paar weitere Kleinigkeiten passten nicht“, sagt der Essener über seinen Film. Und über Cannes: „Es war unglaublich spannend, das Film-Festival vor Ort und ganz nah mitzuerleben“, schwärmt der Essener von seinen Auftritt im europäischen Mekka der Filmkünstler. Peißen hatte bislang mit dem klassischen Videoformat gearbeitet und sich erst vor einem Jahr eine „Super 8“-Kamera aus den 1980er-Jahren samt Begleitausrüstung gekauft. „Ich lerne noch, aber Cannes hat mir einen Schub gegeben. Und aus London will ich jetzt weitere Erfahrungen mitbringen.“

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