Polizei

Essener Ermittler wollen Straftaten künftig voraussagen

Essens Polizisten sollen bald in die Zukunft sehen können. Zwei der insgesamt 32 neuen Kräfte, die das Land jetzt bewilligt hat, sind für das so genannte „Predictive Policing“ vorgesehen. 

Essens Polizisten sollen bald in die Zukunft sehen können. Zwei der insgesamt 32 neuen Kräfte, die das Land jetzt bewilligt hat, sind für das so genannte „Predictive Policing“ vorgesehen. 

Foto: picture alliance / dpa

Essen.   Die Essener Polizei bekommt 32 neue Mitarbeiter. Zwei werden im so genannten „Predictive Policing“ eingesetzt. Die allermeisten entlasten den operativen Dienst.

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Wo könnte sich etwas Kriminelles zusammenbrauen, wo ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass eine Straftat passieren könnte, in welches Quartier also wird der Streifenwagen geschickt, bevor ein Alarm eingeht? Essens Ordnungshüter wollen bald in die Zukunft schauen. Der Polizist wird zum Propheten, wenn die Behörde mit Hilfe spezieller Computerprogramme künftig angeblich recht verlässliche Prognosen über die drohende Gefahr von Einbrüchen oder Autodiebstählen bekommt.

Zahlreiche Daten effektiv zu Erkenntnissen verdichten

Wie die Kölner und Duisburger Kollegen wollen sich die Essener Ordnungshüter die Hilfe des so genannten „Predictive Policing“ (voraussagende Polizeiarbeit) ins Haus holen – samt Experten, die zahlreiche Daten zusammenführen und mit der Technik möglichst effektiv zu Erkenntnissen verdichten, die Taten dann nicht nur vorhersehbar, sondern auch schneller aufklärbar machen sollen.

Dass für diese fortschrittliche wie allerdings auch umstrittene Polizeiarbeit künftig zwei Stellen vorgesehen sind, verdankt die Behörde an der Büscherstraße einer Personalaufstockung, die endlich amtlich ist: Nachdem Essen zur Schwerpunktbehörde erklärt worden ist, hat das Innenministerium jetzt insgesamt 32 neue zusätzliche Angestellte bewilligt, die gelernte Polizisten von Verwaltungsaufgaben befreien können. Dies haben Polizeipräsident Frank Richter und Heiko Müller als Vorsitzender der Essener Kreisgruppe der Gewerkschaft der Polizei (GdP) gegenüber dieser Zeitung bestätigt. Die Stellen sind allerdings zunächst bis zum Jahr 2022 befristet.

„Ich erwarte mir davon eine deutliche Entlastung“, sagt der Behördenleiter. Und gleichzeitig den Effekt, künftig wieder mehr Beamte auf die Straße bringen zu können. Wie die neuen Kräfte möglichst gewinnbringend zu verteilen sind, soll am kommenden Montag entschieden werden.

Hohe Arbeitsbelastung

Neben den zwei Mitarbeitern für das neue Prognose-Projekt werden voraussichtlich weitere zwei in der Informations- und Kommunikationstechnik eingesetzt. Bleiben also unterm Strich 28 Kräfte, die den operativen Dienst etwa bei der Anzeigenaufnahme oder -bearbeitung entlasten können. Zudem wird die Essener Behörde von aufgestockten Dienststunden der Bereitschaftspolizei profitieren können. Das erlaube es, die ein oder andere zusätzliche Schwerpunktaktion zu fahren, sagt Richter: „Ich freue mich sehr darüber, dass klar geworden ist, welch hohe Arbeitsbelastung wir in Essen haben.“

Das hat Richter auch immer wieder Ortspolitikern deutlich gemacht, denen die Besetzung der Wachen in den Stadtteilen und die so genannten Einsatzreaktionszeit, die bemisst wie viel Minuten zwischen einem Notruf und dem Eintreffen der Beamten am Ort des Geschehens vergehen, immer wieder am Herzen liegen.

In diesen Gesprächen machte der Polizeipräsident deutlich, dass Essen nach wie vor zu den sichersten Großstädten in Deutschland gehöre, bis zu 93 Prozent der Plan-Kräfte im Wach- und Wechseldienst, also dem „Kerngeschäft“ der Polizei, tatsächlich ihren Dienst versehen und somit die Quote der Ausfälle durch Krankheiten oder Schwangerschaften vergleichsweise niedrig sei. Zudem würden in Essen mehr Bezirksdienstbeamte eingesetzt als andernorts und die Einsatzreaktionszeit von durchschnittlich sechs Minuten sei ein „objektiver Spitzenwert“ – selbst wenn der Bürger das oft anders empfinden mag.

Was „Predictive Policing“ bedeutet:

Spezielle Computerprogramme sollen möglichst genau die Wahrscheinlichkeit errechnen, mit der an einem bestimmten Ort an einem bestimmten Tag zu einer bestimmten Uhrzeit eine Straftat passiert. Eingespeist werden neben kleinräumigen Sozial- zum Beispiel auch Versorgungsnetz-Daten eines Quartiers.

Wird in einem Stadtteil besipielsweise viel Wasser und Strom verbraucht, sind viele Bürger zu Hause, die soziale Kontrolle ist höher, die Gefahr eines Delikts niedriger.

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