Designagentur

Essener entwerfen nicht nur den Online-Shop für den BVB

Sebastian Bomm (l.) und Tim Bökerhaben vor fünf Jahren eine Designagentur für Online-Shops gegründet. In ihrem Büro darf ein BVB-Shirt mit Autogrammen nicht fehlen, schließlich ist die Borussia einer ihrer Kunden.

Sebastian Bomm (l.) und Tim Bökerhaben vor fünf Jahren eine Designagentur für Online-Shops gegründet. In ihrem Büro darf ein BVB-Shirt mit Autogrammen nicht fehlen, schließlich ist die Borussia einer ihrer Kunden.

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die Essener Designagentur Kommerz richtet Online-Shops ein. Zu ihren Kunden zählt auch Borussia Dortmund. Neuer Shopping-Trend aus den USA.

Tim Böker (30) und Sebastian Bomm (35) sind erst seit ein paar Wochen wieder aus dem Silicon Valley und aus New York zurück. Bildungsreise nennen die beiden Unternehmer aus Essen ihren Trip über den Atlantik. Was sie dabei besonders interessierte: Wie stellt sich der Handel in den USA auf das Internetzeitalter ein? „Die Amerikaner sind uns Deutschen immer einige Jahre voraus. Vor allem aber sind sie viel technologieoffener“, hat Sebastian Bomm festgestellt. Hierzulande dagegen würden immer noch viele Einzelhändler vor allem klagen und das Internet für den Niedergang ihrer Läden und der Innenstädte verantwortlich machen.

Wenn dem tatsächlich so wäre, dann würden Tim Böker und Sebastian Bomm dem sogar Vorschub leisten. Denn die beiden Unternehmer haben vor fünf Jahren die Designagentur Kommerz gegründet. Sie entwirft für Händler Online-Shops, um sie unterscheidbarer von der Konkurrenz und somit erfolgreicher zu machen. „Wir sind quasi so etwas wie Architekten und Inneneinrichter“, sagt Tim Böker. Zu ihren Kunden zählen mittlerweile namhafte Unternehmen: Für den BVB haben sie den Online-Shop gestaltet, für den Matratzenhändler Matratzen Concord, den Tiefkühllieferanten Eismann oder für das Sportmode-Label Bogner. Beim renommierten Shop-Award der Fachzeitschrift Internet World Business – so zu sagen die Oscar-Verleihung der Branche – belegten sie dieses Jahr in vier Kategorien vordere Plätze.

Für den BVB verknüpfte die Agentur den Online-Shop mit dem Fanportal

Der Erfolg von Agenturen wie der von Kommerz zeigt: Auch Verkaufen im Netz will gelernt sein. Das müssen viele Händler gerade lernen. Ein paar Bildchen ins Netz zu stellen und einen Preis drunterzuschreiben, das reicht bei der Fülle der Online-Shops längst nicht mehr aus.

Beim BVB-Shop beispielsweise hat Kommerz den klassischen Shop verknüpft mit einem Fanportal, wo sich Fans über ihre Fußball-Stars informieren können. Damit ist die Verweildauer der Nutzer auf der Seite gestiegen – eine wichtige Währung im Internet. Auf der Verkaufsseite von Matratzen Concord wiederum haben die Essener eine Preisvorschlags-Funktion eingebaut. Somit können Käufer mit dem Händler im Internet über Preise verhandeln.

Stationärer Handel und Online-Shops wachsen in Amerika zusammen

In den USA haben Sebastian Bomm und Tim Böker gesehen, wie der stationäre Handel – also klassische Läden – mit dem Online-Handel zusammenwachsen. „Eigentlich gibt es kein online und offline mehr. Der Kunde ist heute permanent online und will sich vor dem Einkauf online vorbereiten. Das müssen Händler ihm bieten“, meint Tim Bröker. In den USA sei ganz klar zu sehen, dass der Trend zum mobilen Shoppen mit dem Smartphone geht. Selbst noch im Laden wollen Kunden online bestellen können.

Zum anderen haben die beiden Beispiele dafür entdeckt, wie sich der klassische Handel umstellt und viel stärker auf Erlebnis setzt. In einem Kaufhaus in New York, so erzählt Tim Böker, gab es ein stylisches Restaurant, wo sich Leute trafen, und einen „coolen“ Friseur. Einkaufen ist heute vor allem Freizeitgestaltung und das sei auch die Chance für lebendige Innenstädte, glauben beide Unternehmer.

Bewusste Entscheidung für das Ruhrgebiet

Ihre Agentur ist deutlich gewachsen, beschäftigt heute 20 Mitarbeiter. „Wir könnten noch mehr Mitarbeiter einstellen, so viel haben wir zu tun, aber wir finden nicht so viele gute Leute“, sagt Tim Böker. Als sie das Unternehmen gegründet hatten, sind sie bewusst nicht in Start-up-Metropolen wie Berlin oder Hamburg gegangen. „Erstens sind wir Ruhrgebietler und fühlen uns hier wohl“, sagt Böker. Zum anderen würden Unternehmen in den genannten Städten über eine hohe Mitarbeiter-Fluktuation klagen. „Das ist aber nicht unser Ansatz als Arbeitgeber.“

Im kommenden Jahr haben die beiden übrigens schon die nächste Bildungsreise geplant. Dann geht es nach Asien.

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