Religion

Essener Ehepaar schmückt seinen Balkon zum Ramadan festlich

Das Ehepaar Khoder hat seinen Balkon an der Preisstraße in Bochold aufwendig geschmückt. Passanten halten es für Weihnachtsdeko, aber es ist Ramadan-Schmuck.

Foto: Marcel Krombusch

Das Ehepaar Khoder hat seinen Balkon an der Preisstraße in Bochold aufwendig geschmückt. Passanten halten es für Weihnachtsdeko, aber es ist Ramadan-Schmuck.

Essen.   Das Ehepaar Mariam und Mahmud Khoder aus Essen-Borbeck hat seinen Balkon in der Preisstraße festlich geschmückt. Es ist eine Ramadandekoration.

Alle Jahre wieder schmückt Familie Khoder ihren Balkon. Nicht etwa mit Weihnachtsdekoration, wie einige Passanten auf dem ersten Blick vermuten, sondern mit Ramadanschmuck. Eine islamische Tradition ist in Deutschland angekommen.

Kurz vor Sonnenuntergang leuchten in der Borbecker Preisstraße nicht nur die Straßenlaternen. Mariam Khoder (60) drückt auf eine Taste und schon erstrahlt ihr Balkon in voller Pracht. Zu sehen sind unzählige Lichterketten, beleuchtete Herzen und vieles weitere mehr.

Anlass ist der Fastenmonat Ramadan

Der Grund für diese Dekoration ist Ramadan, den Muslime weltweit bis Mitte Juni vollziehen. In anderen islamisch geprägten Ländern ist es üblich, dass ganze Straßenzüge während des Fastenmonats festlich verziert werden. Hierzulande ist es eher eine Ausnahme, wie die gebürtige Libanesin Mariam Khoder berichtet.

Vor 18 Jahren haben sich Mariam und Mahmud das Ja-Wort gegeben und in Borbeck eine Heimat gefunden. Er ist seit einem Badeunfall in Beirut vor vierzig Jahren querschnittsgelähmt und kann sich nur mithilfe eines Elektrorollstuhls vorwärts bewegen. Mariams linkes Bein ist auf der linken Seite infolge einer Kinderlähmung taub, so dass sie ihr Gewicht auf die rechte Körperhälfte verlagern muss. Zusammen bewältigen sie die Hürden des Alltags – Einkaufen gehen oder einfach mal vor die Haustür zu kommen.

Dekoration ist Herzensangelegenheit

Die Ramadan-Dekoration ist für beide eine Herzensangelegenheit, obwohl es sie viel Zeit, Kraft und Geld kostet. „So wie andere Weihnachten feiern und glücklich dabei sind, möchten wir auch den Kindern in der Gegend eine Freude machen. Erst dadurch kommen die Ramadangefühle auf. Und manchmal singe ich den Kindern Ramadanlieder vor“, sagt Mariam – und lächelt freundlich.

Die Frage nach der Stromrechnung schmunzelt Mahmud weg, ohne sie zu beantworten. Seine Ehefrau beginnt bereits zwei bis drei Wochen vor dem Fastenmonat den Schmuck nach und nach anzubringen, um sich nicht zu überfordern.

Seit ihrer Kindheit im Libanon dekoriert sie die Wohnung von innen und außen. Und so handhabt sie es bereits seit 18 Jahren. Jedes Mal aufs Neue, wenn Ramadan wieder vor der Tür steht. „Mein Ziel ist, dass die Dekoration von Jahr zu Jahr schöner wird. Vielleicht motiviere ich ja auch andere Nachbarn, sich an diesem Brauch zu beteiligen. Bisher bin ich die einzige im Bezirk, die diese Tradition pflegt.“

Nachbarn machen große Augen

Amüsiert berichtet Mahmud Khoder von einer Begegnung mit einem Nachbarn, der meinte, es sei doch im Frühling noch viel zu früh für Weihnachtsschmuck. Als Mahmud entgegnete, dass es sich um Ramadandekoration handele, habe sein Gegenüber große Augen gemacht.

Mittlerweile wisse in der Preisstraße jeder, was es mit dem Schmuck auf sich habe. Die Reaktionen seien überwiegend positiv, so das Ehepaar. Manchmal kämen sogar Leute um Fotos zu machen. Nur wenige werfen dem Ehepaar vor, sie würde mit dem Schmuck prahlen, aber davon lassen sie sich nicht beirren.

Fastenbrechen mit einer Dattel

Mit dem Sonnenuntergang bricht das Ehepaar sein Fasten traditionell mit einer Dattel, so wie es Prophet praktiziert haben soll. Mahmud Khoder betont: „Ramadan ist nicht nur der Verzicht auf Nahrung, sondern hilft dabei den Charakter zu vervollkommnen und die Beziehung zwischen dem Menschen und Gott zu intensivieren“. Trotz des hohen Alters bereitetet das Fasten dem Ehepaar keine zu große Mühe. „Wir fasten schon seit unserer Kindheit.“

Nach dem gemeinsamen Mahl verrichten beide viele Gebete und rezitieren Verse aus dem Koran. Vor Tagesanbruch nehmen sie noch ein Frühstück zu sich. Ehe Mariam zu Bett geht, schaltet sie die Ramadandekoration ab. Es ist ungefähr halb vier früh in Borbeck. Ein neuer Fastentag beginnt.

>>>Der Fastenmonat Ramadan

Ramadan, der neunte Monat des islamischen Mondkalenders, ist vor allem für das Fasten bekannt. Das Fasten, das Glaubensbekenntnis, tägliche Gebete, Almosenabgabe und die Pilgerfahrt nach Mekka sind die fünf Säulen des Islams. Das Fasten im Ramadan beginnt vor Anbruch der Morgendämmerung und dauert bis nach Sonnenuntergang.

Der Gedanke der Enthaltsamkeit, nicht nur von Nahrung und Wasser, sondern von allen weltlichen Dingen, prägt diese Zeit. Unter bestimmten Umständen sind Muslime vom Fasten befreit. Das gilt etwa für Kinder, Kranke oder Hochbetagte. Aber auch Reisende und Frauen während Menstruation, Schwangerschaft und Stillzeit sind befreit.

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