Europäische Bürgerbewegung

Essener Bürger gehen für die europäische Idee auf die Straße

Rund 200 Anhänger der „Pulse of Europe“-Bewegung trafen sich vor einer Woche auf dem Willy-Brandt-Platz.

Foto: PoE

Rund 200 Anhänger der „Pulse of Europe“-Bewegung trafen sich vor einer Woche auf dem Willy-Brandt-Platz. Foto: PoE

Essen.   Die „Pulse of Europe“-Bewegung hat auch in Essen Anhänger gefunden. Woche für Woche treffen sie sich auf dem Willy-Brandt-Platz zur Kundgebung.

Dass Populisten das geeinte Europa am liebsten abschaffen würden, treibt sie auf die Straße. Dass Politiker von Holland über Frankreich bis Ungarn und Polen an der Demontage der Europäischen Union arbeiten, hat sie zu Aktivisten gemacht: Am Sonntag wollen sich wieder Anhänger des vereinten Europas auf dem Willy-Brandt-Platz versammeln. Vor einer Woche waren es trotz des Regens immerhin etwa 200 Essener, die sich unter der blauen EU-Fahne versammelten, deutlich mehr als beim Auftakt zwei Wochen zuvor. „Pulse of Europe“ nennt sich die europaweite Bürgerbewegung, die Ende 2016 in Frankfurt ihren Anfang nahm und sich inzwischen auf 40 Städte in der ganzen Union ausgebreitet hat – von Amsterdam über Paris bis ins englische Bath.

Oliver Franz ist einer aus der „schweigenden Mehrheit“, wie er sagt, einer,

der für Europa aktiv geworden ist, „weil ich es satt hatte, mich nur im Freundeskreis – praktisch im Hinterzimmer – über die Vorzüge eines vereinten Europas zu freuen, die Straße aber den populistischen Parteien mit ihren lauten Parolen zu überlassen, die von diesem Europa nichts übrig lassen werden.“ Das jedoch, da ist der Aktivist aus Stadtwald sicher, würde den Wohlstand in ganz Europa zerstören, den Menschen die Freiheit nehmen und letztendlich auch den Frieden kosten: „Das will ich nicht, und deshalb gehe ich auf die Straße.“

Notwendigkeit von Reformen

Natürlich sehen auch die Europa-Anhänger die Notwendigkeit von Reformen, „hier treffen sich Menschen mit völlig unterschiedlichen politischen Überzeugungen und entsprechend vielschichtig sind auch die Positionen“, betont Oliver Franz, „darüber diskutieren wir engagiert“, aber an einem vereinten Europa führe für alle kein Weg vorbei.

Diese Botschaft scheint bei den Essenern anzukommen: „Natürlich bekommen wir bei unseren Kundgebungen auch mal einen Vogel gezeigt. Und aktuell schimpfen viele über das Verhalten der EU gegenüber der Türkei, vor allem gegenüber Herrn Erdogan. Aber wir erhalten überwiegend Zustimmung, viele sehen die Vorteile der Union.“

Und die gehen weit darüber hinaus, mit einer Währung in Spanien, Frankreich, den Benelux-Ländern bezahlen oder ohne Grenzkontrollen durch Europa reisen zu können. Bereits bei der Frage, in Wien, Paris oder Nimwegen studieren oder arbeiten zu dürfen, zeigten sich die Vorteile der EU, sind die Aktivisten überzeugt. Die Brexit-Probleme der Engländer zeigten dies nur zu deutlich.

Für Europa kämpfen

„Pulse of Europe“ will in Essen bis Mai dieses Jahres Woche für Woche in der Innenstadt präsent sein, am offenen Mikrofon mit Bürger über Europa diskutieren – und für die europäische Idee werben: „Wir wollen für Europa kämpfen und der Anti-Europa-Stimmung etwas entgegen setzen“, sagt Oliver Franz. Mit Sorge blickt man deshalb in diesen Tagen nach Holland und Frankreich. Ob die „schweigende Mehrheit“ bei den Wahlen Wilders oder le Pen aufhalten wird? Wetten darauf möchte Franz lieber nicht abgeben: „Als Zeichen für Europa? Das wäre schön.“

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