Ermittlungen

Essener beklagt Polizeigewalt und droht - Polizei hält gegen

Ridvan Demir behauptet, dass er im Gewahrsam von Essener Polizisten verprügelt worden sein soll.

Ridvan Demir behauptet, dass er im Gewahrsam von Essener Polizisten verprügelt worden sein soll.

Foto: privat / Bartel

Essen.  Türke behauptet erst in Altenessen und später auf der Wache grundlos von mehreren Polizisten verprügelt worden zu sein - und droht selbst.

Mehrere hundert mal wurde das Video schon kommentiert und geteilt, dass der Essener „Ridvan Saado“ am Dienstagmorgen auf seiner Facebookseite hochlud. Darin beklagt Saado – der zwar der gleichnamigen libanesischen Großfamilie angehört, aber eigentlich einen türkischen Nachnamen hat, dass er Opfer von Polizeigewalt und Erniedrigungen geworden ist. Auch die Bochumer Polizei hat inzwischen Kenntnis von der fast neun Minuten langen Video-Anklage und hat aus Neutralitätsgründen die Ermittlungen aufgenommen.

Die dortige Kripo soll herausfinden, ob der junge Mann tatsächlich von Essener Polizisten grundlos drangsaliert, getreten, geschlagen und beleidigt wurde, wie er behauptet.

Polizei wird zu Schlägerei in Altenessen gerufen

Ausgangspunkt sei ein Streit zwischen Ridvan Demir – wie der 25-Jährige in Wirklichkeit heißt – und einem anderen Mann gewesen, zu dem die Essener Polizei gerufen wurde. In der Folge eines Wortgefechts zwischen dem Essener und den Beamten, sei er zu Boden gebracht und dort mehrfach von mehreren Polizisten mit ihren Knien traktiert worden sein. „Das war völlig unnötig. Ich habe zu diesem Zeitpunkt niemanden beleidigt, mich nicht gewehrt oder anderweitig ein solch brutales Vorgehen provoziert“, erklärt Demir im Gespräch mit unserer Redaktion.

Essener Polizei stellt Einsatzgrund anders da

Die Essener Polizei widerspricht: Grund für den Einsatz am Montagabend sei ein Streit zwischen dem 25-Jährigen und der Mutter seines Kindes gewesen. „Der Mann war sehr aufgebracht, drohte das Baby zu seinen Eltern in die Türkei zu bringen und hat die Kollegin im ersten Streifenwagen gleich respektlos behandelt und beleidigt“, erklärt Ulrich Faßbender, Sprecher der Essener Polizei. Mit einer „Schlampe“ rede er nicht, soll Demir gesagt haben und sich an den männlichen Polizeibeamten gewandt haben. Mit Hilfe einer zweiten Streifenwagenbesatzung sei es dann gelungen, das Baby wieder in die Obhut der Mutter zu geben und den Mann in Gewahrsam zu nehmen.

Auf der Polizeiwache sei der Altenessener herumgeschubst und mehrfach – auch rassistisch – beleidigt worden, beteuert Demir. In einer Zelle, in der er sich zwecks Leibesvisitation habe entkleiden müssen, sei die Situation dann eskaliert. „Ich habe gefragt, ob ich meine Hose wieder anziehen darf. Daraufhin hat mir der Polizist die Hose in mein Gesicht geschleudert und gleich auf mich eingeschlagen. Er hat mir die Nase gebrochen. Ich war nackt und wehrlos, weil die Polizisten in der Überzahl waren“, sagt Demir.

Zu den Geschehnissen während des Gewahrsams nimmt Polizeisprecher Faßbender mit Verweis auf die Ermittlungen der Bochumer Kollegen keine Stellung. Den Rassismus-Vorwurf weist er aber entschieden zurück.

Essener wiederholt seine Kampfansage gegen Polizisten

In seinem im Internet veröffentlichtem Video zieht Demir mit Beleidigungen über den Polizisten, der ihm die Nase gebrochen haben soll und auch über die anderen Beamten her. Im Gespräch mit unserer Redaktion erklärt der 25-Jährige das als emotionalen Ausbruch, als Ausdruck seines Frusts. Die Beschimpfungen würde er so nicht wiederholen, seine Kampfansage gegen den Beamten, der ihn in der Zelle geschlagen haben soll indes, unterstreicht Demir.

„Wenn er ein Mann ist, soll er kommen und wir kämpfen eins gegen eins. Er weiß ja schließlich, wo ich wohne. Mein Angebot ist mehr als fair“, droht der türkische Staatsbürger unverhohlen, der mit seiner Familie vor 23 Jahren als Flüchtling nach Essen kam und sich selber als Türke mit arabischen Wurzeln bezeichnet.

Polizist soll Essener Türken die Nase gebrochen haben

Ridvan Demir ist neben den Schlägen und Tritten, die er eingesteckt haben und bei denen seine Nase gebrochen worden sein soll, besonders fassungslos darüber, dass ihm die Polizisten auf der Wache klar gemacht haben sollen, dass ihm, „dem Ausländer“, keiner glauben werde. „Die haben mir provokant vorgelesen, welche Lügen sie in den Einsatzbericht geschrieben haben. Das ich mich der Untersuchung widersetzt hätte beispielsweise. Das ist alles gelogen“, sagt Demir und fragt verzweifelt und wütend: „Ich habe Deutsch gelernt, mein Abitur am Leibniz Gymnasium in Essen gemacht, warum werde ich so behandelt?“

Diese Frage soll nun die Kripo Bochum klären. Demir erklärt, dass er in den kommenden Tagen mit seinem Anwalt Anzeige bei der Staatsanwaltschaft einreichen will.

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