Kriminalität

Essener Behörden wollen Intensivtäter von der Straße holen

Sie unterzeichneten den Kooperationsvertrag im Rathaus (v.l.): Polizeipräsident Frank Richter, OB Thomas Kufen und Walther Müggenburg, Leitender Oberstaatsanwalt. Im Hintergrund: Sozialdezernent Peter Renzel und Jugendamts-Leiter Ulrich Engelen. Foto: Vahlensiek

Sie unterzeichneten den Kooperationsvertrag im Rathaus (v.l.): Polizeipräsident Frank Richter, OB Thomas Kufen und Walther Müggenburg, Leitender Oberstaatsanwalt. Im Hintergrund: Sozialdezernent Peter Renzel und Jugendamts-Leiter Ulrich Engelen. Foto: Vahlensiek

Essen.   Neues Haus des Jugendrechts startet mit Beginn des kommenden Jahres. Stadt, Polizei und Staatsanwaltschaft unterzeichneten Kooperationsvertrag.

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Essens neues Haus des Jugendrechts wird mit Beginn des kommenden Jahres seine Arbeit aufnehmen. Die Polizei, die Staatsanwaltschaft und die Stadt werden in einem Bürohaus an der Alfredstraße 68-72 künftig enger unter einem Dach zusammenarbeiten, um jugendlichen Intensivtätern effektiver begegnen zu können.

Der schnelle Vollzug des Strafrechts ist dabei genauso das Ziel, wie jungen Menschen, die auf die schiefe Bahn geraten sind, wieder eine Perspektive zu geben, betonte Oberbürgermeister Thomas Kufen am Dienstag bei der Unterzeichnung eines entsprechenden Kooperationsvertrages mit Polizeipräsident Frank Richter und Walther Müggenburg, Leiter der Essener Staatsanwaltschaft.

Die komplette Jugendgerichtshilfe des Jugendamts mit gut einem Dutzend Mitarbeitern, die Ermittlungsgruppe Jugend der Polizei mit zwölf Beamten und zwei Staatsanwälte werden künftig Tür an Tür arbeiten, um Verfahren und Entscheidungen zu beschleunigen.

Die ganze Härte der Strafverfolgung

Offensichtlich versprechen sich die Beteiligten viel von der neuen Einrichtung. Gelingt es tatsächlich, das delinquente Verhalten der jugendlichen Intensivtäter zu reduzieren, würde sich das spürbar auf die Gesamtkriminalität im Essener Stadtgebiet auswirken. Denn die 90 bis 120 jungen Kriminellen, die Jahr für Jahr bis zu einem Alter von in der Regel 21 Jahren unter der Betreuung der polizeilichen Ermittlungsgruppe Jugend stehen, „begehen 70 bis 80 Prozent aller Straftaten in ihrer Altersgruppe“, gab der Polizeipräsident zu bedenken. Ziel sei es deshalb, die Wiederholungstäter rechtzeitig von der schiefen Bahn zu holen, oder die Delikte zu unterbinden, indem Unverbesserliche die ganze Härte der Strafverfolgung trifft – bis hin zum Freiheitsentzug.

Alle Verfahrensbeteiligten werden zu sogenannten Fallkonferenzen zusammenkommen, in denen sie beraten, wie mit jedem einzelnen ihrer „Kunden“ umzugehen ist. „Wir haben nicht den Weichspülgang eingelegt“, sagte Frank Richter mit Blick auf die künftig noch engere Zusammenarbeit mit der Jugendhilfe der Stadt, die vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Es ist längst kein exklusives Experten-Wissen mehr: Gerade jugendliche Straftäter, das zeigen die Erfahrungen, brauchen nach einem Fehltritt möglichst fix einen Schuss vor den Bug, um sie noch rechtzeitig wieder auf Kurs bringen zu können. Der Schlüssel zum Erfolg sind deshalb deutlich beschleunigte Verfahren, die durch die engere Zusammenarbeit und den schnelleren Austausch unter einem Dach im Haus des Jugendrechts möglich werden sollen.

Polizei kennt 539 tatverdächtige Kinder

Denn zieht zwischen einer Straftat und einem Gerichtstermin so viel Zeit ins Land, dass der Täter kaum noch weiß, warum er eigentlich auf der Anklagebank sitzt – dann haben die Behörden eindeutig etwas falsch gemacht.

Von den 22 755 Tatverdächtigen, die im vergangenen Jahr in Essen ermittelt werden konnten, waren laut einer Statistik der Polizei 539 Kinder, 1968 Jugendliche und 2361 Heranwachsende.

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