Unfallprävention

Essener Behörden appellieren: Runter vom Gas an Haltestellen

An Haltestellen mit dem roten Dreieck schalten Busfahrer das Warnblinklicht ein. Das bedeutet: Autofahrer dürfen nicht oder nur äußerst langsam überholen und der Gegenverkehr muss ebenfalls Schrittgeschwindigkeit fahren. Foto:Tillmann

An Haltestellen mit dem roten Dreieck schalten Busfahrer das Warnblinklicht ein. Das bedeutet: Autofahrer dürfen nicht oder nur äußerst langsam überholen und der Gegenverkehr muss ebenfalls Schrittgeschwindigkeit fahren. Foto:Tillmann

essen.   Polizei, Ruhrbahn, Stadt und Verkehrswacht weisen zum Schulstart auf eine Vorschrift hin, die viel zu wenige Autofahrer zu kennen scheinen.

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Hätte Polizeidirektor Wolfgang Packmohr am Dienstagmittag nicht Gnade vor Recht ergehen lassen – vielen Autofahrern auf der Stauderstraße in Essen-Altenessen wären Bußgelder und Punkte in Flensburg sicher gewesen. Gleich reihenweise verstießen sie unter den Augen des Chefs der Verkehrsdirektion der Essener Polizei an der Bushaltestelle Stankeitstraße gegen eine Vorschrift der Straßenverkehrsordnung, die offenbar nur wenigen Verkehrsteilnehmern präsent ist. Eine Unkenntnis, die nicht nur Geld, sondern auch Menschenleben kosten kann.

Insbesondere Schulkinder und ältere Menschen gelten als gefährdet an den Haltestellen, auf deren Hinweisschildern sich ein kleines rotes Symbol, eine Art Warndreieck, befindet. Das signalisiert dem heranfahrenden Busfahrer: Achtung, gefährlicher Halt!

Was zur Folge hat: Der Fahrer schaltet noch vor der Haltestelle das Warnblinklicht an und ab sofort dürfen die anderen Verkehrsteilnehmer nicht mehr überholen und müssen mit Schrittgeschwindigkeit fahren. Steht der Bus, ist beim Überholen darauf zu achten, dass die Tachonadel nicht mehr anzeigt als sieben Stundenkilometer.

Die Geschwindigkeit ist der Situation anzupassen

Es darf allerdings auch weniger sein, denn die Geschwindigkeit ist der Situation anzupassen. Ausreichend große Abstände sind zudem zu beachten. Und durchweg gilt: Eine Behinderung oder gar Gefährdung der Fahrgäste ist auszuschließen.

In der Stadt Essen sind nach Auskunft der Ruhrbahn 33 Stopps als „gefährliche Haltestellen“ deklariert, für sie gelten diese verschärften Regeln. Dass ein Großteil der Autofahrer diese Regelung nicht kennt, war nicht nur die Erkenntnis des gemeinsamen Ortstermins von Polizei, Stadt, Ruhrbahn und Verkehrswacht an der Stankeitstraße, sondern auch das Ergebnis von gezielten Kontrollaktionen der Vergangenheit: Jedesmal wurden gleich dutzende Verstöße geahndet.

Die Situation hat sich offenbar nicht verbessert, wie die aktuelle Aufklärungsaktion in Altenessen zeigte. Vom Paragrafen 20 der Straßenverkehrsordnung (Öffentliche Verkehrsmittel und Schulbusse), der bis ins Detail das Verhalten an solch riskanten Haltestellen vorgibt, hatten die meisten noch nichts gehört.

Polizei will durch Aufklärung Unfälle verhindern

Das kann Karl-Heinz Webels, Vorsitzender der Essener Verkehrswacht, nur bestätigen. Auch von den hunderten Senioren, die regelmäßig an dem Fahrsicherheitstraining des Vereins teilnehmen, „kennen viele die Regelungen nicht“, sagt Webels.

Grund genug also, noch einmal auf diese bereits einige Jahre alten Bestimmungen hinzuweisen, ist nicht nur Polizeidirektor Wolfgang Packmohr überzeugt: „Wir möchten noch einmal auf die Bedeutung des Warnblinklichts aufmerksam machen und so Unfälle verhindern.“

Im vergangenen Jahr verunglückten 20 Kinder in Essen auf ihrem Schulweg.

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