Bauskandal

Essener Baustelle für neue Schule wird zum Millionengrab

Nach den jüngsten Asbest-Funden auf der Baustelle der Heinemann-Gesamtschule steht fest, dass der gesamte Bauschutt abtransportiert werden muss. 

Nach den jüngsten Asbest-Funden auf der Baustelle der Heinemann-Gesamtschule steht fest, dass der gesamte Bauschutt abtransportiert werden muss. 

Foto: Socrates Tassos

Essen.   Die Asbest-Funde auf dem Baugelände der Gustav-Heinemann-Gesamtschule reißen ein Loch in den Stadthaushalt. Kripo geht Strafanzeige nach.

Die Kosten für die Asbest-Entsorgung auf dem Baugrundstück der Gustav-Heinemann-Gesamtschule in Schonnebeck steigen in ungeahnte Höhen. Die Stadt geht jetzt davon aus, dass für die Herrichtung eines weiteren Baufeldes neben der neuen Schule und für den Abtransport des giftigen Bodenaushubs 14 Millionen Euro (statt 2,75 Millionen) berappt werden müssen. Inzwischen ermittelt die Kripo.

Bereits im Vorjahr machte die Baustelle Schlagzeilen, weil man dort in einer früheren Bauschutt-Ablagerung an der Straße Schonnebeckhöfe auf weiteren krebserregenden Asbest stieß und die Menge des belasteten Bodens von 500 auf 5000 Tonnen nach oben korrigieren musste.

Essener Anwohnerin stellt Strafanzeige

Jetzt aber könnte der Fall das Ausmaß eines Umwelt-Krimis annehmen. Nicht nur, dass nunmehr 25.000 Tonnen asbesthaltige Erde weggeschafft werden müssen. Ausgerechnet im größten, 12.000 Kubikmeter umfassenden Bodenaushub mit der Bezeichnung „Miete 10“, der eigentlich als unbedenklich galt und für die Wiederverfüllung vor Ort unweit des Schulneubaus gedacht war, stellten Gutachter bei Stichproben asbesthaltige Materialien fest, darunter Spritzasbest, „der sich in der Hand zerbröseln lässt“, berichtete der städtische Projektleiter Torben Affeldt den erstaunten Vertretern im Bauausschuss. Und vermutet dahinter den „unsachgemäßen Umgang bei der Separation des Deponats“.

Über den Stand der Dinge hat die Stadt vor wenigen Tagen nicht nur die Bezirksregierung informiert, die auf eine möglichst schnelle Entsorgung der problematischen Abfälle drängt, sondern auch die Kriminalpolizei. Die geht dem Verdacht des unerlaubten Umgangs mit Abfällen nach. Die Strafanzeige stellte dabei nicht die Stadt, sondern eine besorgte Anwohnerin.

Allein die Beseitigung von „Miete 10“ wird mit 7,5 Millionen Euro zusätzlich zu Buche schlagen. Das aktuelle Defizit beziffert das Baudezernat mit elf Millionen Euro, die jetzt für den Haushalt 2019 zusätzlich angemeldet worden sind. Von einem beauftragten Fachingenieurbüro und einem Altlastengutachter hat sich die Stadt getrennt. Zwar werden Regressansprüche geprüft, doch der Ausgang ist offen.

Entwarnung: Kein Asbest-Staub in der Nachbarschaft

„Ich finde, das ist alles erschreckend“, bilanziert Andreas Demny, Vizechef im Amt für Straßen und Verkehr. Und auch Rolf Fliß, Vorsitzender des Bauausschusses, muss schlucken: „14 Millionen Mehrkosten – davon hätte man eine neue Grundschule kaufen können. Hätten wir das gleich anfangs gewusst, hätte es eine neue Debatte über den Standort für die Schule gegeben.“

Jetzt aber ist der Rohbau fertig. Befürchtungen, dass der durch den Asbestschutt kontaminiert worden sei, haben sich nicht bestätigt. Messungen ergaben keinerlei Spuren von Asbestfasern oder giftigem Staub. Auch nicht in der Nachbarschaft. „Es hat keine gesundheitliche Gefährdung für die Anwohner gegeben“, sagt Baudezernentin Simone Raskob. Am Termin für die Eröffnung der Schule Ende 2020 hält sie fest. Vorausgesetzt, sie findet rechtzeitig eine Deponie für den Asbest-Schutt. Das weiß sie erst im Frühjahr nächsten Jahres.

>>PARAGRAF 326 StGB: UNERLAUBTER UMGANG MIT ABFÄLLEN

„Wer unbefugt Abfälle ... die für den Menschen krebserzeugend, fortpflanzungsgefährdend oder erbgutverändernd sind, ...außerhalb einer dafür zugelassenen Anlage oder unter wesentlicher Abweichung von einem vorgeschriebenen oder zugelassenen Verfahren sammelt, befördert, behandelt, verwertet, lagert, ablagert,... beseitigt, ...oder sonst bewirtschaftet, wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“


„...(5) Handelt der Täter fahrlässig, so ist die Strafe...bis zu drei Jahren oder Geldstrafe.“

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