Wirtschaft

Essener Baufirma Sprenker und Gravius feiert 70. Geburtstag

Anton Sprenker wollte mit seiner Firma, die zunächst Sprenker und Seideneck hieß, in der Nachkriegszeit (hier die 60er) die Stadt Essen wieder aufbauen.

Anton Sprenker wollte mit seiner Firma, die zunächst Sprenker und Seideneck hieß, in der Nachkriegszeit (hier die 60er) die Stadt Essen wieder aufbauen.

Essen-Dellwig.   Der Familienbetrieb Sprenker und Gravius wird in der dritten Generation geführt. Der Geschäftsführer sieht ihn für die Zukunft gut aufgestellt.

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Die Dellwiger Baufirma Sprenker und Gravius feiert ihr 70-jähriges Bestehen. „Ich bin sehr stolz darauf, dass mein Großvater diese Firma gegründet hat“, sagt Geschäftsführer Holger Gravius, der das Unternehmen bereits in der dritten Generation leitet. Anton Sprenker hatte 1948 das Borbecker Unternehmen Seideneck übernommen und beim Wiederaufbau der Stadt Essen geholfen. „Er hat Trümmergrundstücke von Schutt befreit und Häuser gebaut“, so Gravius. Seinen Schwiegersohn, den Bauingenieur Reiner Gravius, holte der Gründer 1964 in die Firma, die wenige Jahre später ihren derzeitigen Namen erhielt und inzwischen von Gründerenkel Holger Gravius geleitet wird.

„Ich bin auf Baustellen groß geworden“, doch dass der heute 49-Jährige die Familientradition fortführen würde, stand lange nicht fest. „Ich bin ein kreativer Mensch, Bauingenieur war mir zu trocken.“ Er studierte Architektur in Aachen und London und arbeitete anschließend bei Größen der Branche, darunter für Norman Foster.

Letztlich zog es Holger Gravius doch in die Baubranche, aber bevor er 2001 unter seinem Vater in den Betrieb eintrat, hatte er schon für Konkurrenten gearbeitet. „Ich habe den Beruf von der Pike auf gelernt und draußen im Dreck gestanden, wie sich das gehört.“

Geschäftsführer ist er seit 2004 und hat eine sehr schwere Zeit in der Baubranche miterlebt. „Wir hatten jetzt gut 15 Jahre lang eine Rezession. Da ging’s ums Überleben. Aber jetzt wird es wieder positiv und wir können ans Geldverdienen denken“, sagt Gravius, der viele mittelständische Firmen habe aufgeben sehen.

Auch Sprenker und Gravius habe sich „gesundgeschrumpft“. Während nach dem Zweiten Weltkrieg zeitweise noch hunderte Mitarbeiter angestellt waren, sind heute nur noch 35 Mitarbeiter beschäftigt. Dass man trotzdem große Bauprojekte verwirklichen könne, mache teils die Digitalisierung möglich. „Wir können online mit dem Handy auf jede Baustelle, per Videoschaltung.“ Die digitalen Baumodelle seien auch besser geworden. Zudem kämen nun in China ganze Häuserteile aus riesigen 3D-Druckern. „Wir beobachten das sehr aufmerksam.“

Mit Essen eng verbunden

Die Kernkompetenz von Sprenker und Gravius sei jedoch kleiner Hochbau, ob für Wohnungen, Industrie oder Gewerbe. Wichtig sei auch der Umbau von Gebäuden. „Wir sind breit aufgestellt, aber unser Fokus liegt auf Essen und dem Ruhrgebiet.“ So lege er Wert darauf, dass vom Fliesenleger über die Maler bis zum Elektriker nur Essener Meisterbetriebe auf seinen Baustellen arbeiten.

Dass Holger Gravius zwei weitere Firmen besitzt, ein Architektenbüro und eine für Baumanagement, davon profitiert auch sein Familienbetrieb. In der Branche sei es immer mehr zu Spezialisierungen gekommen, „doch dadurch geht der Überblick verloren“. Das sehe man etwa am Berliner Flughafen.

„Wir betreiben die Kehrtwende“, so Gravius. Er entwickelt Grundstücke, zeichnet den Bauplan, baut das Projekt schlüsselfertig und verkauft es. Das sei sehr erfolgreich, in fast allen Essener Stadtteilen seien seine Projekte zu finden. Bekannt sei etwa das Haus „Anthrazit“ an der Roßstraße oder das „Wolkenhaus“ in Bedingrade. Im übrigen Ruhrgebiet und im Rheinland gebe es jedoch auch viele Aufträge.

„Wir wollen auch in 50 Jahren noch aktiv sein“, sagt der Familienvater. Ob Holger Gravius’ drei Kinder den Betrieb irgendwann in vierter Generation fortführen, ist noch unklar. Aber die beiden Töchter (9 und 12 Jahre) sind bereits als Models mit Bauhelmen auf den Plakaten der Firma zu sehen.

>> Am Neubau des Rathauses beteiligt

  • Ein wichtiges Projekt in der 70-jährigen Firmengeschichte war der Neubau des Essener Rathauses (1974). Das Unternehmen war daran zusammen mit dem Baukonzern Hochtief in einer Arbeitsgemeinschaft beteiligt.
  • Stolz ist Geschäftsführer Holger Gravius aber auch auf moderne Projekte. So hat seine Firma am Depot der Zeche Zollverein mit schwarzem Beton gearbeitet.
  • Weitere Infos auf www.sprenker-gravius.de

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