Stadtgestaltung

Essener Architekt will Licht-Skulptur auf dem Berliner Platz

So soll die Licht-Skulptur des Essener Architekten Holger Gravius aussehen - wenn sie denn jemals Realität wird.

So soll die Licht-Skulptur des Essener Architekten Holger Gravius aussehen - wenn sie denn jemals Realität wird.

Foto: Architekturbüro KenChiku

Essen.  Traum oder Alptraum? Ein Essener Architekt will eine 15 Meter hohe beleuchtete Landmarke aus Stahl auf die Verkehrsinsel Berliner Platz stellen.

Es dürfte der größte Kreisverkehr in Essen sein, eine Fläche, die dank ihrer Ausdehnung und Leere schon mehrfach gestalterische Phantasien geweckt hat. Der Essener Architekt Holger Gravius hat die lange Reihe von möglichen Bauten und Kunstwerken für die Verkehrsinsel Berliner Platz jetzt um eine 15 Meter hohe beleuchtete Installation ergänzt und stellt diese derzeit in Internet-Netzwerken zur Diskussion.

Das „Times Square“-Gefühl soll weiter verstärkt werden

„Mir schwebt ein Ort vor, der Identität stiftet, der eine Bedeutung hat und an den sich auch Ortsfremde sofort erinnern“, schreibt Gravius in einer Projektbeschreibung. Schon bislang wird der Berliner Platz von manchem wegen seiner Leuchtreklamen, der beleuchteten Gebäude und der Funke-Mediawall in einem Atemzug mit dem Times Square in New York und dem Picadilly Circus in London genannt, was zugegeben, reichlich kühne Vergleiche sind. Auch Gravius bemüht dieses Bild, will es durch seine Licht-Skulptur noch verstärken und zugleich ein Beispiel schaffen „für die positive Gestaltung eines Kreisverkehrs in einer Großstadt“.

Die asymmetrische Konstruktion soll aus einzelnen Stahlhohlprofilen bestehen und die Form eines Parabolkegels haben. Darüber bereitet sich ein Netz aus Edelstahlseilen, auf das Gravius Photovoltaik-Module montieren will. Mit der tagsüber gesammelten Energie soll die Konstruktion dann abends und nachts leuchten, und zwar gesteuert durch den Verkehr, der die Insel umtost: „Je mehr Verkehr, desto heller das Licht“. Die Konstruktion sende Signale: „Sie erzählt eine Geschichte von dem, was jede Stadt ausmacht: Leben“, meint der Architekt poetisch.

Erste Reaktionen fallen skeptisch bis spöttisch aus

Die ersten Reaktionen auf Gravius’ Idee fallen erwartbar eher skeptisch bis spöttisch aus. „Wie wäre es denn mal mit Bäumen? Die fehlen sowieso in der Stadt“, meint einer und ein anderen Diskutant greift zum Rundumschlag, dabei Gravius’ Wort vom „Highlight“ aufgreifend: „Glücklicherweise fragt ja niemand nach einem ,Highlight’ auf dem Berliner Platz. Zwischen dem architektonischen Elend der Cinemaxxtürme und des Limbecker Platzes, wäre auch selbst durch eine noch so gelungene Intervention ja nichts mehr zu retten.“

Fakt ist allerdings: Dass der Kreisverkehr allein den Berliner Platz stadtplanerisch noch nicht zu einer runden Sache macht, ist eine alte, bislang folgenlose Erkenntnis. Schon 2002, kurz vor dem Umbau der Verkehrsfläche, hatte die Landesentwicklungsgesellschaft LEG die kühne, manche meinten auch: absurde Idee geboren, ein kreisrundes Loch von 50 Metern Durchmesser in den Asphalt zu schneiden. Licht und Luft für die schon damals als arg funzelig kritisierte erste U-Bahn-Verteilerebene hätte das gebracht und womöglich Auftrieb für eine Gastromeile mit Kneipen, Restaurants und Diskotheken.

Über die vielen bisherigen Ideen wuchs erstmal Gras

Der Plan verschwand am Ende in der Schublade, daran änderte auch eine Variante mit gläserner Kuppel nichts. Und weil auch sonst im weiten Politiker-Rund niemand eine zündende Idee hatte, ließ man über die ganze Chose buchstäblich erst einmal Gras wachsen.

Dabei ist es, wenn man mal von allerlei schmückendem pflanzlichen Beiwerk absieht, in zehn Jahren geblieben: Eine sechs Meter hohe, mit Fiberglas umhüllte Buddy Holly-Statue aus Stahlrohr und Polyester-Schaum, die für das gleichnamige Musical im Colosseum nebenan warb, bot zwar für ein paar Monate einen kleinen Farbklecks. Doch auf eine großstädtische planerische Geste, einen echter Hingucker konnte man sich nicht einigen.

Auch die Spitzer-Spirale vom Kennedyplatz sollte hier schon Exil bekommen

Die bei vielen ungeliebte Spitzer-Spirale vom Rand des Kennedyplatzes hierhin zu verfrachten scheiterte schon am Veto des Künstlers. Und ein ausgelobter Gestaltungswettbewerb förderte 2009 so dürftige Ergebnisse zutage, dass man auf einen großen Bahnhof für die beiden vergebenen zweiten Preise lieber verzichtete. Statt des vorgeschlagene überdimensionalen Ankers, der in die U-Bahn-Passage hinabgereicht hätte, oder einer langweiligen Weltkugel blieb die Fläche leer.

Nun darf man gespannt sein, wie es dem Parabolkegel ergeht.

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