Parken

Parkraum: Essener Umweltschützer und Händler sind uneins

Sitzecke statt Parkplatz: Stefan Kohlmann (2.vl.) hat die Aktion des Fachgeschäfts für Stadtwandel initiiert und wird von Thomas Hanster (r.), Susanne Güttler und Mohammadreza Shirkhoda unterstützt.

Sitzecke statt Parkplatz: Stefan Kohlmann (2.vl.) hat die Aktion des Fachgeschäfts für Stadtwandel initiiert und wird von Thomas Hanster (r.), Susanne Güttler und Mohammadreza Shirkhoda unterstützt.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen.  Sitzecke statt Parkplatz: Mit der Aktion wollen Umweltschützer in Essen-Holsterhausen die Verkehrswende voranbringen. Händler üben Kritik.

Dass die Autofahrer auf der Gemarkenstraße mit einem Parkplatz weniger auskommen müssen, wäre nicht zwingend eine Nachricht wert. Die Umstände wiederum lassen aufhorchen. Das Fachgeschäft für Stadtwandel hat am Straßenrand vor der eigenen Haustür eine Sitzecke, Blumenkästen inklusive, geschaffen und damit eine Diskussion über Parkraum im Allgemeinen und speziell auf Holsterhausen zugeschnitten angestoßen.

Akteure in Essen-Holsterhausen wollen Attraktivität des Stadtteils steigern

In Innenstädten und vor allem in Einkaufsmeilen müsse dringender denn je Fragen nach Sinn und Zweck der Flächen gestellt werden, die für Autos reserviert seien, so Stefan Kohlmann. Der 35-jährige Initiator der Aktion hat hier eine klare Position: Ein solch öffentlicher Raum solle doch möglichst vielen Menschen zugänglich sein, vor allem in Zeiten der Verkehrswende. Ein Parklet, wie es im Fachjargon heißt, trage doch dazu bei, die Attraktivität eines Stadtteils zu steigern.

In seinen Erläuterungen kommt Kohlmann auch schnell auf Begriffe wie „lebenswerte und menschengerechte Stadt“ zu sprechen. Um die Sorge des Einzelhandels, dass eine Verringerung an Parkplätzen auf Kosten von Umsatz und Kundenfrequenz gehen könne, wisse er, sagt der Pädagoge. Doch es gebe ausreichend Beispiele von Innenstädten, in denen der Handel nicht gelitten habe, obwohl dort der Autoverkehr deutlich eingeschränkt worden sei. Daher sei auch der Umbau der Gemarkenstraße in eine Fahrradstraße ein wichtiger Schritt, damit umweltfreundliche Verkehrsmittel Vorrang bekämen.

Initiatoren berichten über vorwiegend positives Echo aus der Bevölkerung

Die Reaktionen auf das Parklet seien bislang überwiegend positiv ausgefallen, berichten sowohl Stefan Kohlmann als auch Thomas Hanster vom Fachgeschäft für Stadtwandel. Das habe sich in Gesprächen mit Passanten als auch in den sozialen Netzwerken gezeigt. Maximal zehn Prozent der Äußerungen würden eine negative Bewertung beinhalten.

Für Harald Hagen, Sprecher der Initiative „Wir sind Holsterhausen“ bereichert die Sitzecke die Gemarkenstraße. Sie trage zu deren Belebung bei und schaffe eine gemütliche Atmosphäre. Das gelinge auch mit der Ausweitung von Außengastronomie. Mittlerweile stünden zusätzliche Plätze zur Verfügung, Mehreren Betrieben, darunter der Gaststätte Kalthoff, hätte die Stadt genehmigt, ihre Flächen zu vergrößern.

Händler sorgen sich um ihre Zukunft und fordern Erhalt von Parkplätzen

Unter den Händlern stößt das Parklet auf ein geteiltes Echo. Während Irle Hoffmann, die ein neues Geschäft für Hundefutter eröffnet hat, von einer „schönen Idee“ des Fachgeschäfts spricht, mahnt beispielsweise Julia Schmidt, Geschäftsführerin der gleichnamigen Fleischerei, zur Vorsicht bei der Streichung von Parkplätzen. Gerade die inhabergeführten Geschäfte seien auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen und das dauerhaft. In Holsterhausen, aber auch in anderen Stadtteilen brauche man ausreichend Abstellflächen, die recht nah zu den Läden liegen, betont Schmidt. Bedenken sollte man auch, dass viele ältere Menschen im Stadtteil leben, die beim Einkauf keine langen Wege mehr zurücklegen könnten.

Kaufleute sind verunsichert und fragen nach den Folgen der Fahrradstraße

In Holsterhausen mangele es schon jetzt ganz erheblich an Parkplätzen, sagt Klaus Mischnik, Inhaber des Schmuckkästchens. Noch weitere dürften deshalb nicht gestrichen werden, sonst würde die Attraktivität des Standorts leiden. Grundsätzlich sehe er durchaus ökologische Belange, aber der Handel müsse auch fortbestehen können. Eine Händlerin, die ihren Namen nicht so gerne in der Zeitung lesen möchte,gibt zu bedenken, dass doch gerade erst die Fahrradstraße geschaffen worden sei, deren Folgen für die Kaufleute noch niemand kenne. Da gebe es dann gleich ein zweites Projekt, von dem ein problematisches Signal ausgehe. Man lebe nun mal in einer mobilen Gesellschaft und die Menschen seien auf Autos angewiesen.

Das unterstreicht auch Evelyn Reiter vom Süßwarengeschäft Brüsseler Markt. Der Großteil der Kunde nutze ausschließlich den Pkw. Da einer Einkaufsmeile der Ruf schade, schlecht erreichbar zu sein, lohne es sich, um jeden Parkplatz zu kämpfen.

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