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Essen: Zunahme der Gewalt gegen Frauen in Corona-Zeiten

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„Gewalt kommt nicht in die Tüte": Die Bäckerei Peter, hier die Filiale in Rüttenscheid, verteilte Brötchentüten mit der Aufschrift der Aktion, die von zahlreichen Beratungsstellen für Frauen getragen wird.

„Gewalt kommt nicht in die Tüte": Die Bäckerei Peter, hier die Filiale in Rüttenscheid, verteilte Brötchentüten mit der Aufschrift der Aktion, die von zahlreichen Beratungsstellen für Frauen getragen wird.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Beratungsstellen in Essen berichten über eine deutliche Zunahme von Gewalt gegen Frauen. Warum es eine erheblich höhere Zahl von Opfern gibt.

Im Corona-Jahr 2020 hat es offenbar auch in Essen eine Zunahme der Gewalt gegen Frauen gegeben. So stieg die Zahl der Frauen, die sich nach häuslicher Gewalt bei der Frauenberatung „Frauen helfen Frauen“ meldeten, um 30 Prozent. „Diese Entwicklung begann mit dem ersten Lockdown und setzt sich in diesem Jahr leider fort“, sagt Sozialpädagogin Cordula Hißmann von der Frauenberatung.

Zwei Frauen starben mutmaßlich durch die Gewalt des Partners

Die Betroffenen seien meist Opfer von Ehemann oder Lebensgefährte geworden, zum Teil auch von Vater oder Bruder. In der beengten häuslichen Situation, der Doppelbelastung durch Homeschooling und Homeoffice oder der Sorge um den Job sei der Stresslevel in den Familien gestiegen – und damit häufig auch das Aggressionspotenzial der Täter. „Der Schweregrad vieler Taten ist höher“, sagt Cordula Hißmann. In Essen habe es im vergangenen Jahr auch zwei Femizide gegeben: Die beiden Frauen starben mutmaßlich durch die Gewalt des Partners.

Ein deutlichen Anstieg von häuslicher Gewalt geht auch aus den Zahlen der Polizei hervor. Danach lag die Opferzahl im Jahr 2018 bei insgesamt 911, darunter 705 Frauen und 206 Männer, 2019 insgesamt 947, davon 713 Frauen und 234 Männer. Im Corona-Jahr 2020 waren es dann über Tausend. Von 1082 Opfern waren 808 Frauen und 274 Männer. Zur den Fällen von häuslicher Gewalt zählen schwere Körperverletzung, Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Nachstellungen und Freiheitsberaubungen.

Heimische Bäckereien beteiligen sich an Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“

Mit der Aktion „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ wolle man betroffene Mädchen und Frauen auf Beratungsangebote aufmerksam machen: Die Kontaktdaten der Anlaufstellen stehen auf Brötchentüten. An der Aktion beteiligen sich die Bäckereien Peter, Troll und Horsthemke. So könne man ihnen im besten Fall Wege aus der Situation zeigen und weitere Gewalttaten verhindern. Im vergangenen Jahr hat die Frauenberatung Essen rund 400 Frauen beraten, in diesem Jahr zeichne sich eine ähnliche Zahl von Beratungsfällen ab. Und Cordula Hißmann betont: „Es haben sich schon Frauen gemeldet, die uns auf der Tüte gefunden haben.“

Anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt am Donnerstag an Frauen (25. November) haben zudem die Caritas-SkF-Essen gGmbH (cse) und der Sozialdienst katholischer Frauen Essen-Mitte (SkF) 300 Luftballons aufsteigen lassen, um auf das Thema aufmerksam zu machen.

Das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ ist unter 08000/116016 zu erreichen. Weitere Kontaktadressen und Beratungsstellen sind zu finden unter frauenportal.essen.de

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