Coronavirus

Essen: Wieder Corona-Fälle im Altenheim, Angehörige in Sorge

Im Caritas-Stift Lambertus sind Corona-Fälle aufgetreten. Sieben Betroffene stehen unter Quarantäne.

Im Caritas-Stift Lambertus sind Corona-Fälle aufgetreten. Sieben Betroffene stehen unter Quarantäne.

Foto: Ulrich von Born / WAZ FotoPool

Essen.  Erneut sind in einem Essener Seniorenheim Corona-Fälle aufgetreten. Sieben Betroffene stehen unter Quarantäne. Angehörige sind in Sorge.

Es ist eine Nachricht, die bei Mitarbeitern, Bewohnern und Angehörigen gleichermaßen für Unruhe sorgt: Im Caritas-Stift Lambertus in Rellinghausen gibt es mehrere Fälle von Corona-Infektionen. Die Stadt hatte dieser Tage bereits angekündigt, die Risikogruppe der Hochbetagten noch stärker in den Blick zu nehmen und weitere Schutzmaßnahmen zu prüfen. Zumal allein in dieser Woche drei Essener im Alter von 82 bis 92 Jahren nach einer Corona-Erkrankung verstorben sind.

Gleichzeitig sind viele Heimbewohner und ihre Familien schon durch das seit Wochenanfang allgemein geltende Besuchsverbot stark belastet. „Für die alten Menschen ist das schwierig bis dramatisch“, sagt Caritas-Direktor Björn Enno Hermans.

Sieben Bewohner des Seniorenstifts sind in Quarantäne

Träger des Lambertus Stifts ist die CSE, die gemeinsame Gesellschaft von Caritas und Sozialdienst katholischer Frauen. Wie die Stadt mitteilt, hatte sich die Heimleitung bei der Bürger-Hotline gemeldet, „weil Bewohner und Pfleger über Fieber klagten“. Daraufhin seien die Betroffenen beprobt worden.

Am späten Mittwochabend hätten dann erste Ergebnisse vorgelegen, nach denen sechs Bewohner und eine Pflegekraft positiv auf das Coronavirus getestet waren. „Alle sieben befinden sich in Quarantäne“, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Nun laufe eine Umfeld-Analyse.

Derzeit würden noch weitere der insgesamt 84 Heimbewohner beprobt, wie Tanja Rutkowski erklärt, die den Fachbereich Pflege bei der CSE leitet. Der Zustand der Corona-Patienten sei stabil, es gebe bisher keinen schweren Verlauf. Nur eine Betroffene sei – allerdings wegen einer anderen Erkrankung – in eine Klinik eingewiesen worden.

Besucher und Pflegekräfte trugen schon seit knapp zwei Wochen Schutzmasken

Caritas-Direktor Hermans weist darauf hin, dass man in der Einrichtung schon seit dem 14. März einer Empfehlung der Stadt gefolgt sei: „Seither arbeiteten dort alle Pflegekräfte mit Mund-Nasen-Schutz. Und auch die Angehörigen, die zu diesem Zeitpunkt noch maximal für eine Stunde pro Tag zu Besuch kommen konnten, waren verpflichtet, den Atemschutz zu tragen.“ Man könne daher vermutlich davon ausgehen, dass zumindest einer der jetzt Erkrankten bereits vor diesem Stichtag infiziert war.

In der vergangenen Woche waren bereits im Alfried-Krupp-Pflegeheim in Frohnhausen neun Corona-Fälle aufgetreten. Was den Krisenstab „in Atem gehalten“ habe, wie Stadtdirektor Peter Renzel erklärte. Zwar ist lange bekannt ist, dass das Coronavirus für alte Menschen besonders gefährlich ist. Trotzdem seien die Regelungen in den einzelnen Seniorenheimen erst nach und nach verschärft worden, sagt Caritasdirektor Hermans.

Zum einen weil man wohl zunächst auf Hygienemaßnahmen und Schutzmasken vertraute. Zum anderen, weil das zuletzt beschlossene Besuchsverbot für die Senioren wie Angehörige sehr belastend sei. „Gerade für dementiell veränderte Bewohner ist das kaum begreiflich.“

Wie zermürbend das ist, berichtet etwa eine 60-Jährige, die ihre 94 Jahre alte Mutter im Pflegeheim eines anderen Trägers schon seit zwei Wochen nicht besuchen darf. „Ich telefoniere zweimal am Tag mit meiner Mutter, aber das ist nicht das gleiche: Sie fragt immer, wann ich zu Besuch komme oder mit ihr auf den Friedhof gehe. Das bereitet mir schlaflose Nächte.“ Sie habe die alte Dame sonst täglich besucht und überlege in dieser Situation, sie ganz zu sich zu holen. „Das Virus ist schon in zwei Altenheimen in Essen aufgetreten. Da bekomme ich auch Angst um meine Mutter.“

„Diese Risikogruppe kann das gesamte Gesundheitssystem an seinen Rand bringen“

Eine Angst, die auch die Träger der Einrichtungen kennen. Da seien einmal die Fragen von Angehörigen, sagt Björn Enno Hermans. „Zum anderen handelt es sich genau um die Risikogruppe, die das gesamte Gesundheitssystem jetzt an seinen Rand bringen kann.“ Darum seien Mitarbeiter, Bewohner und ihre Familien in großer Sorge; „und sie sehen ein, dass die Heime abgeschottet werden müssen“.

Dazu kämen bei der CSE weitere Sicherheitsmaßnahmen, wie viel Abstand beim gemeinsamen Mittagstisch oder die Aufforderung an die Bewohner, ihre Zeit möglichst im eigenen Zimmer zu verbringen und nur allein im Garten spazieren zu gehen, ergänzt Tanja Rutkowski. „Manche können das nicht verstehen, aber unser Personal begleitet sie wunderbar.“

Zudem trügen die Pflegekräfte nun nicht nur die Atemschutzmaske, sondern „komplette Schutzkleidung“ mit Kittel, Haube, Handschuhen und Schutzbrille. „Auch wenn das für manche Bewohner erstmal erschreckend aussieht.“

Besuchsverbot ist hart – nun sollen Senioren mit Angehörigen Videotelefonate führen

Man sorge sich auch um die seelische Gesundheit der Senioren. So wollen Mitarbeiter aus der Jugendhilfe jetzt virtuelle Kontakte zwischen den alten Menschen und ihren Lieben ermöglichen und zum Beispiel Laptops und Tablets für Videotelefonate bereitstellen. Mit etwa Hilfestellung könnten die Bewohner und ihre Familien demnächst skypen oder sich kleine Clips aufs Smartphone schicken. „Dann sehen sie sich wenigstens mal“, sagt Björn Enno Hermans. „Es weiß ja niemand, wie lange die Situation noch andauert.“

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