Zusammenleben in Essen

Essen vergibt erstmals Integrationspreis an Ehrenamtliche

In der Ferienschule des Zukunft Bildungswerks geben Ehrenamtliche Kindern aus Flüchtlingsfamilien Deutschunterricht.

In der Ferienschule des Zukunft Bildungswerks geben Ehrenamtliche Kindern aus Flüchtlingsfamilien Deutschunterricht.

Foto: Andre Hirtz / FUNKE Foto Services

Essen.  Eine Stadt sagt Danke: Essen vergibt im Dezember erstmals einen Integrationspreis. Er würdigt diesmal Bürger, die sich um Flüchtlinge kümmern.

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Auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise in den Jahren 2015 und 2016 hätte die Stadt Essen gut ein paar Hundert zusätzliche Mitarbeiter gebrauchen können – und bekam sie auch: Zahlreiche Ehrenamtliche strömten in die Flüchtlingsunterkünfte und Zeltdörfer in ihren Stadtteilen, organisierten Deutschkurse, Sportangebote, Kleiderkammern und Kinderbetreuung. „Diese Menschen haben einen supergroßen Beitrag geleistet, und das können wir nicht genug würdigen“, sagt die Integrationsbeauftragte der Stadt, Galina Borchers. Der mit 1000 Euro dotierte Integrationspreis „Zusammenleben in Essen“, der in diesem Jahr zum ersten Mal vergeben wird, stehe daher unter dem Motto „Ehrensache! – Ehrenamt in der Flüchtlingsarbeit“.

Die zehn übers Stadtgebiet verteilten Zeltdörfer sind inzwischen abgebaut, viele Unterkünfte geschlossen, die meisten Flüchtlinge leben nun in der eigenen Wohnung. Die Zeit, als es um Unterbringung und Erste Hilfe ging, um ein Bett und warme Kleidung, sind vorbei. „Auch die Ehrenamtlichen, über die vor ein paar Jahren viel berichtet wurde, sind inzwischen aus dem Fokus geraten. Das finde ich schade“, sagt Galina Borchers. „Denn die Arbeit ist weiter da: Die eigentliche Integration beginnt ja gerade erst.“ Nun werden Menschen gebraucht, die Flüchtlingsfamilien durch Bildungssystem und Behördendschungel lotsen, bei Asylverfahren, Arztbesuch oder Kitaplatzsuche begleiten, die sie mal auf einen Kaffee einladen, sie beim Deutschlernen und Heimischwerden unterstützen.

Engagierte Bürger sollen ins Rampenlicht gesetzt werden

Darum solle der Integrationspreis noch einmal all jene ins Rampenlicht setzen, „die für ein gelingendes Zusammenleben in unserer Stadt eine große Stütze sind“, heißt es im Ausschreibungstext. Die Idee haben Integrationsrat und Oberbürgermeister Thomas Kufen gemeinsam auf den Weg gebracht. Der OB hat auch die Schirmherrschaft für den Preis übernommen, er wird ihn an 13. Dezember im Rahmen einer feierlichen Zeremonie an den oder die Gewinner überreichen. Wer am Ende ausgezeichnet wird, entscheide eine unabhängige Jury, erklärt Galina Borchers. „Alle Bewerber erhalten eine Urkunde und werden zu der Feier eingeladen.“

Kurz vor dem Bewerbungsschluss am 12. Juli liegen rund zwei Dutzend Bewerbungen vor. Keine schlechte Ausbeute, findet Galina Borchers. Sie habe an ihrem früheren Arbeitsplatz im Kreis Soest schon Erfahrungen mit einem solchen Preis gesammelt und wisse, dass dieser erst bekannt werden müsse. Der Essener Integrationspreis, der in Zukunft alle zwei Jahre vergeben wird, werde sich gewiss noch etablieren.

Noch können geeignete Bewerber vorgeschlagen werden

Bei vielen Menschen gebe es freilich eine Scheu, sich selbst für eine Auszeichnung vorzuschlagen. Zwar können auch Freunde, Verwandte oder Nachbarn engagierte Bürger vorschlagen, deren Engagement sie für preiswürdig halten: „Aber sie müssen sich ja das Okay des Vorgeschlagen holen und da zögern auch viele.“ Wer kurzfristig noch jemanden vorschlagen wolle, könne das über die Homepage der Stadt tun: „Das Formular ist ganz einfach auszufüllen.“

Infos: https://www.essen.de/rathaus/aemter/ordner_0401/interkulturelle_orientierung/integrationspreis/integrationspreis.de.html

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