Krebskranke Kinder

Essen: Über 30 Jahre Engagement für krebskranke Kinder

| Lesedauer: 6 Minuten
Peter Hennig hat in drei Jahrzehnten die Elterninitiative krebskranker Kinder geprägt. Nun hat er den Vorsitz an Birgit Langwieler (l.) übergeben, Lara Krieger ist neue Geschäftsführerin.

Peter Hennig hat in drei Jahrzehnten die Elterninitiative krebskranker Kinder geprägt. Nun hat er den Vorsitz an Birgit Langwieler (l.) übergeben, Lara Krieger ist neue Geschäftsführerin.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen-Holsterhausen.  Wechsel an der Spitze der Essener Elterninitiative krebskranker Kinder nach drei Jahrzehnten. Was den langjährigen Vorsitzenden weiterhin bewegt.

  • Wechsel an der Spitze der Elterninitiative krebskranker Kinder: Nach drei Jahrzehnten hat Peter Hennig den Vorsitz abgegeben.
  • Der inzwischen 70-Jährige hat durch sein Engagement Auf- und Ausbau des Vereins gestaltet. Die Initiative kümmert sich um Eltern, deren Kinder in der Essener Uniklinik behandelt werden.
  • Der langjährige Vorsitzende spricht zum Abschied über Herausforderungen, berührende, aber auch heitere Momente während seines Wirkens.

Über drei Jahrzehnte lenkte Peter Hennig die Geschicke der Elterninitiative krebskranker Kinder. Unter seiner Leitung wurde sie zu einer festen Größe für betroffene Familien, deren Kinder in der Essener Uniklinik behandelt werden. Nun hat er, inzwischen 70 Jahre alt, Abschied von dem Ehrenamt genommen. Kein leichter Schritt, wie der langjährige Vorsitzende sagt, der im Rückblick gern auf berührende und auch heitere Momente zu sprechen kommt und beim Blick nach vorn sich seinen kritischen Geist bewahrt.

Neues Amt als Dank an die Initiative angenommen

Den Weg zu der Initiative fand Peter Hennig, als sein eigener Sohn im dritten Lebensjahr an Knochenkrebs erkrankte und es keine Rettung gab. Hilflos habe er sich gefühlt, sagt der gebürtige Oberhausener, und seine Frau ebenso. Mut und Kraft habe ihm das Elterncafé verschafft, das damals, 1984, die noch junge Elterninitiative organisiert habe. Die vertrauensvolle Atmosphäre habe ihm gut getan und bis heute wissen Eltern das wöchentliche Angebot zu schätzen, das während der vielen Jahre den wohl wichtigsten Baustein im Programm der Initiative darstellt. Als der Essener eines Tages gefragt wird, ob er nicht im Vorstand mitwirken wolle, brauchte Hennig keine Bedenkzeit. „Ich wollte von Anfang an dem Verein etwas zurückgeben, als Dank, als Anerkennung“.

Spricht er von damals, meint er eine Zeit, als Eltern, die nachts nahe bei ihren Kindern auf einer der Krebsstationen bleiben wollten, Feldbetten auf den Zimmern aufschlugen. Die Initiative mochte allerdings auch solche Zustände nicht hinnehmen und gründete eine Elternwohnung mit sieben Unterkünften. Die Kapazitäten waren schon bald ausgeschöpft, zumal auch die Klinik selbst die Behandlung krebskranker Kinder und Jugendlicher stetig ausweitete, das Knochenmark-Transplantationszentrum und auch das Protonenzentrum bilden die entsprechenden Meilensteine. Im gleichen Zug sei auch die Initiative gewachsen, sagt Hennig, die heute an der Kaulbach- und Steinhausenstraße die Zimmerzahl vervielfacht hat: 35 sind es mittlerweile. Damit die Klinker für den Neubau aufeinandergesetzt werden konnten, hieß es für Peter Hennig samt Vorstand Klinken putzen, in der Politik, in der Wirtschaft, bei Vereinen und Organisationen. Bei Festen und Feiern hat der Essener auch immer ein paar Vereinsflyer im Jackett.

Belastende und berührende Momente im Elternhaus

Bestand in den Anfangsjahren eher die Aufgabe darin, den Verein und das Engagement bekannt zu machen, komme es heute darauf an, den Umfang der Hilfen ins Bewusstsein zu rufen. Dabei hat Peter Hennig auch sofort die Zahl von 14.000 in den Sinn. So viele Übernachtungen zählte die Initiative in den Elternhäusern im vergangenen Jahr. Nun haben die Mütter und Väter, deren Kind in der Klinik behandelt wird und die in größerer Entfernung zu Essen wohnen, aber nicht nur ein Dach über dem Kopf. Ihm sei es auch aus eigener Erfahrung ganz wichtig, dass sich Mitarbeiter um die Eltern kümmern, sagt Hennig. Ob ehren- oder hauptamtlich, alle sind geschult, um auf die Eltern zuzugehen und Gespräche mit ihnen zu führen. Zweifelsfrei gebe es viele belastende Momente, über die man sich auch im Kreis von Mitarbeitern und Helfern austausche.

Das Elternhaus sei aber auch immer ein Spiegelbild des Alltags. Ob Karneval oder Halloween, ob Nikolaus oder Weihnachten: Das alles werde gefeiert und die Beteiligten lassen Sorgen und Ängste zumindest befristet hinter sich. Peter Hennig hat viel Zeit genommen, um Kontakt mit Kindern und Eltern zu haben und zu bewahren. Gerührt war er häufig, wenn Familien bei einer Nachuntersuchung vorbeischauten und das Kind wieder gesund war. Lachen und Späße machen greife dann schnell um sich, erzählt er, wobei ihm auch die Bilder von den jungen Menschen in den Sinn kommen, die den Kampf gegen den Krebs nicht gewonnen haben. Gerade dann sei die Elterninitiative gefordert, die Familien zu begleiten, aber natürlich nur, wenn das auch gewünscht sei. Er und seine Frau, die noch zwei weitere Söhne haben, heute 28 und 37 Jahre alt, gehörten zu den Eltern, die sich erst einmal eine Zeit zurückzogen.

Uniklinik ist oftmals die letzte Hoffnung für Familien

Wenn der langjährige Vorsitzende, der früher bei der Telekom beschäftigt war, auf das Elternhaus schaut, beeindruckt ihn noch weiterer Wandel. Während der Bekanntheitsgrad der Klinik stieg, kamen immer mehr Familien aus dem Ausland nach Essen. Oftmals sei das Vertrauen in Gesundheitssysteme des eigenen Landes, gerade in Osteuropa, derart lädiert, dass auf der Uniklinik alle Hoffnung ruhe. Er habe es häufig erlebt, dass die Menschen finanziell alles unternehmen, um Reise und Aufenthalt zu finanzieren. Die Unterbringung im Elternhaus finanziert die Initiative aus den Spendeneinnahmen. Einmal seien auch Eltern aus dem Irak und dem Iran gleichzeitig zu Gast gewesen und das während eines Krieges der beiden Staaten. Doch angesichts der Krankheit der Kinder fanden die Familien zusammen, so Hennig.

Nach einvernehmlichen Lösungen suchen, das liegt auch dem Essener sehr am Herzen. Wobei er allerdings auch eine härtere Gangart einlegt, um Ziele zu verfolgen. Als es einst um den „erforderlichen Ausbau der Krebsstationen für Kinder“ ging, schaltete er Politik und Ministerien ein und hatte Erfolg. Beim aktuellen Neubau der Kinderklinik hat er auch schon Wünsche und Anregungen vermerkt. Um das weitere Prozedere kümmert sich nun seine Nachfolgerin Birgit Langwieler. Sie bringt reichlich Erfahrung mit, gehört sie dem Vorstand doch seit über zwei Jahrzehnten an.

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