Bauprojekte

Essen: Streit um Wohnbauten an der Rüttenscheider Brücke

An der Rüttenscheider Brücke und damit in Nähe des Girardethauses sollen die Wohngebäude entstehen.

An der Rüttenscheider Brücke und damit in Nähe des Girardethauses sollen die Wohngebäude entstehen.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Politiker haben sich einen Schlagabtausch über das geplante Bauvorhaben an der Rüttenscheider Brücke in Essen geliefert.

Von zum Teil heftigen Windböen war die Politrunde zur Zukunft von Rüttenscheid im Wassergarten des Grugaparks begleitet und ihnen kam eine gewisse Symbolkraft zu. Die Pläne zur Bebauung des Geländes P2 an der Rüttenscheider Straße sorgen nach wie vor für viel Wirbel und waren an dem Abend das vorherrschende Thema.

Grüne lehnen Projekt für Essen-Rüttenscheid rigoros ab

Eingeladen zu der Diskussion mit Kandidaten für Bezirksvertretung und Rat hatten die beiden Initiativen „Rettet Rüttenscheid“ und „Grüne Lungen für Essen“. Die Baupläne seien deshalb so brisant, weil es sich um eine noch verbliebene, große Freifläche in Rüttenscheid handele, erklärte Moderatorin Estelle Fritz zum Auftakt.

Während Rolf Fliß (Grüne) einmal mehr die Position untermauerte, dass seine Partei das Vorhaben ablehne, äußerte sich die Ortsvereins-Vorsitzende der SPD, Julia Klewin kritisch zu der bisherigen Einbindung der Bürger in dem gesamten Genehmigungsverfahren. Man müsse die Menschen „ordentlich beteiligen“, forderte die Sozialdemokratin. Das sei bislang nicht geschehen.

Planer haben Geschosszahl von sieben auf fünf gesenkt

Eva Großimlinghaus (CDU) konterte, es sei doch bereits gelungen, die Geschosszahl von sieben auf fünf zu reduzieren und gab zu bedenken, dass auch bei dem vorgesehenen Wohnkomplex eine Freifläche bleiben werde. Das Areal, so wie es sich jetzt darbiete, sei zudem „keine schöne Fläche“. Als bedenklich bewertete die Christdemokratin die Situation des Radweges, der auch verbessert werden müsse. Nach Ansicht von Falk Grünebaum (FDP) könne man wohl kaum einem Eigentümer sein ihm zustehendes Baurecht verwehren. Froh sei er aber schon, dass das Gebäude jetzt deutlich niedriger ausfalle als ursprünglich vorgesehen.

Ob denn die Grünen ihre ablehnende Haltung auch in möglichen Koalitionsverhandlungen durchsetzen würden, wollte einer der Besucher von Rolf Fliß wissen. Es komme natürlich darauf an, ob es überhaupt die Gelegenheit gebe, meinte der Ratsherr und sicherlich würde P2 im Fall der Fälle mit auf der Agenda stehen. Für Daniel Kerekes (Linke) blieb der Grünen-Politiker damit aber zu vage, er vermisse eine klare Position.

Kritik an der Entscheidung des Rates

An die kritische Haltung der Bezirksvertretung zum Henri-Dunant-Viertel erinnerte Holger Ackermann, Sprecher der Initiative Henri2020. Seinerzeit hab man eine deutlich kleinere Lösung gefordert, doch als sich schließlich der Rat dem Bauprojekt angenommen habe, habe der den Bedenken so gut wie keine Beachtung geschenkt. Ackermann wollte nun von den Kandidaten wissen, wie es sich vermeiden lasse, eine Bezirksvertretung derart zu übergehen. Wenn auch in Nuancen leicht unterschiedlich meinten die Kandidaten, dass die Stimmen aus den Stadtteilen auch entsprechend berücksichtigt werden müssten.

Neue Wohnungen als Herausforderung für die Infrastruktur

Mit einer Vielzahl an Vorschlägen warteten die Bewerber auf, um einen Ausgleich zu der fortschreitenden Wohnbebauung in Rüttenscheid zu schaffen. Von verstärkter Dach- und Fassadenbegrünung (SPD), dem Anpflanzen zusätzlicher großer Bäume (FDP) oder auch von Flächenentsiegelung (Linke) war hier die Rede. Dass die 1100 bis 1200 neuen Wohnungen das Gefüge der Infrastruktur erheblich belasten, führte zu der Frage, wie der Stadtteil darauf reagieren soll.

Unter anderem müsse der öffentliche Nahverkehr entsprechend angepasst werden, so Eva Großimlinghaus. Eine zusätzliche Grundschule sei dringend notwendig, so Barbara Hofmann (SPD). Ihr Verstoß zog allerdings die Kritik auf sich, dass es dafür wohl kaum noch ein freies Baugrundstück gebe. P2 wäre vor Jahren dazu noch in Betracht gekommen - als die Stadt das Gelände noch besessen habe. Das ändere aber nichts an der Notwendigkeit der Schule, betonte Hofmann.

Weitere Nachrichten aus Rüttenscheid lesen Sie hier.

Leserkommentare (9) Kommentar schreiben