Eigentumswohnungen

Essen: Streit um Öko-Garten im Zeichen des Klimawandels

Michael Thomas möchte auch die Gemeinschaftsflächen der Eigentümergemeinschaft in Essen-Bedingrade ökologisch gestalten, so wie seinen Garten. Doch das gefällt nicht jedem Nachbarn.

Michael Thomas möchte auch die Gemeinschaftsflächen der Eigentümergemeinschaft in Essen-Bedingrade ökologisch gestalten, so wie seinen Garten. Doch das gefällt nicht jedem Nachbarn.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Bedingrade.  Wie ökologisch darf und muss ein Ziergarten sein? Müssen in einer Eigentümergemeinschaft die Mitbewohner dem Wunsch eines Einzelnen folgen?

Der Klimawandel ist nicht nur ein weltweites Problem – er kann auch das Klima unter Nachbarn beeinflussen. Sowohl positiv als auch negativ. Michael Thomas (53) aus Bedingrade kann darüber viel erzählen.

Die Häuser an der Bandstraße gehörten einst dem Wohnungsunternehmen Vonovia, bis sie die Wohnungen an die Bewohner verkaufte. Seitdem sind die Bochumer nur noch Verwalter – das Sagen hat nun die Eigentümergemeinschaft.

Keine gemeinsame Strategie in Essener Eigentümergemeinschaft

Und die muss sich mehrheitlich auf eine Strategie einigen. Die Pflege des gemeinsamen Grüns ist ein beliebtes Thema, um sich in die Haare zu bekommen. Die drei letzten Dürre-Sommer heizten die Stimmung offenbar noch weiter auf.

Michael Thomas, der in der Freizeit Bass spielt und Vorsitzender eines Jazzclubs ist, kann davon ein Lied singen – mit allen Zwischentönen. „Ich gieße mit einigen Nachbarn seit Jahren die Gemeinschaftsflächen und merke, dass das überhaupt nicht wertgeschätzt wird“, berichtet er. Zumal er Gemeinschaftsflächen auf eigene Faust hin umgestaltet hat und zum Beispiel ein Bienenhaus darauf gestellt und Totholzhaufen angelegt hat.

Mit Erfolg, wie er sagt: „Die kleinen ökologischen Nischen haben sich bezahlt gemacht.“ Er könne vom gebänderten Pinselkäfer, vom mittleren Weinschwärmer und von Stieglitzen schwärmen, die die Sonnenblumen regelmäßig plünderten.

Vonovia verwaltet die Wohnungen und verhält sich neutral

Er weiß allerdings auch, dass die Mehrheit der 15 Eigentümer etwas anderes beschlossen hat. „Ich bin sehr weit gegangen“, gesteht Michael Thomas, „und habe die unökologischen Gärten meiner Nachbarn angeprangert. Dazu habe ich einfach ohne Beschluss Beete angelegt und Nistkästen aufgehängt.“

Das ging manchem Nachbarn wohl dermaßen gegen den Strich, dass er Blumen herausriss und das Bienenhaus demolierte.

Unterstützung hatte sich der Garten-Rebell von der Wohnungsverwaltung, also der Vonovia, gewünscht. Zumal sich diese auf ihren eigenen Flächen vom Naturschutzbund Nabu in ökologischen Fragen beraten lässt.

Doch auch von Vonovia ist der Bedingrader jetzt enttäuscht.

Pressesprecher Matthias Wulff: „Als Verwalter kümmert sich die Immobilien Treuhand darum, Beschlussanträge im Rahmen der Eigentümerversammlungen zur Diskussion zu stellen. Hierbei sind die Verwalter zur Neutralität verpflichtet.“ Es müsse Raum für unterschiedliche Meinungen und Ansichten geben.

Auch das nimmt Michael Thomas nicht ohne Widerspruch hin. Er entgegnet Vonovia: „Das entbindet Sie trotzdem nicht von der moralischen Verantwortung, nicht wenigstens versucht zu haben, etwas dahingehend anzustoßen! Wir alle werden wohl bald die Ergebnisse unseres Scheiterns erkennen.“

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