Essener Stadtteile (2)

Essen-Schönebeck: Warum Schönebecker ihren Stadtteil lieben

Umgeben von viel Grün: Schönebeck im Nordwesten der Stadt gilt als beliebter Wohnort, wenngleich Geschäfte im Ortskern fehlen.

Umgeben von viel Grün: Schönebeck im Nordwesten der Stadt gilt als beliebter Wohnort, wenngleich Geschäfte im Ortskern fehlen.

Foto: FUNKE Foto Services

Essen.   Bevorzugte Lage am Hang, umgeben von naturgeschützten Tälern: Schönebeck ist beschaulich. Die industrielle Vergangenheit erschließt sich nicht sofort.

Sehr gute Straßennamen haben sie hier in Schönebeck. „Brausewindhang“. Wer wollte nicht an einer Straße wohnen, die „Brausewindhang“ heißt. Wolfgang Sykorra wohnt hier seit 1974 und sagt, dass der Name den luftigen Verhältnissen tatsächlich alle Ehre macht. Das liegt an der Hanglage, der Blick schweift übers Winkhauser Tal in Richtung Mülheim. „Das hier ist der Teil von Schönebeck“, sagt Sykorra, „den ich immer Postkartenidylle nenne.“

Felder, Wiesen, Bäume, so weit das Auge reicht, Fachwerkhäuser vereinzelt, und auf einem Straßenbeet haben Bürger bunte Blumen gepflanzt. Irgendwo da hinten, auf Mülheimer Stadtgebiet, wohnt der Komödiant Helge Schneider, und Sykorra erzählt von seinem Engagement gegen immer neue Baupläne für das Winkhauser Tal: „Die A 31, eine Mülldeponie als Zwischenlager, Gewerbe, Fabriken – hier sollte schon vieles hin.“ Erst nach der Jahrtausendwende wurde das Tal unter Naturschutz gestellt.

Zwischen Schönebecker Schlucht, Kamptal und Winkhauser Tal

Vor genau 100 Jahren kam der Großraum Borbeck zur Großstadt Essen, wurde eingemeindet, Schönebeck war dabei, und in den Statuten stand schon damals, dass die Talmulden möglichst von Bebauung freizuhalten seien. „Das war sehr weise vorausschauend“, sagt Sykorra, und tatsächlich: Was Schönebeck einzigartig macht, ist seine Lage zwischen Siepentälern, der Schönebecker Schlucht, dem Kamptal, und eben, nach Mülheim hin, dem Winkhauser Tal. Das macht Schönebeck attraktiv. „Makler werben mit ,Schön, Schöner, Schönebeck’“, berichtet Sykorra. Und weil wir hier, vom Süden aus gesehen, jenseits der A 40 sind: Mit den üblichen Klischees, den Norden der Stadt betreffend, kommt man in Schönebeck einfach nicht weit.

„Die Leute lieben die Beschaulichkeit, die Ruhe, die Nähe zur Natur.“ Bloß Geschäfte, die gibt es in Schönebeck kaum noch, bis zur Aktienstraße muss man, wenn man einkaufen will. Zu Fuß sind das gut und gerne 20 Minuten. Der Dorfkern von Schönebeck besteht aus einer schlichten Dorfwiese an der katholischen Kirche, ein reich geschmückter Maibaum ist Sinnbild eines ausgeprägten Bürgersinns in diesem Stadtteil, viele sind im Schützenverein.

Sykorra, vor allem an Geschichte interessiert, kennt aber die Wurzeln von Schönebeck und vertritt die griffige These: „Ohne Schönebeck gäbe es Zollverein nicht.“

Schmucke Arbeiterkolonien Ardelhütte und Schacht-Kronprinz-Straße

Das liegt am Industriellen Franz Haniel. Weil der bekanntlich als Erster Steindecken im Boden („Mergel“) durchgestoßen bekam, wurde Bergbau auch in tieferen Erdschichten möglich – der Bergbau im Revier, so, wie wir ihn bis heute kennen. Und Haniels Pioniertat ereignete sich rund 400 Meter Luftlinie entfernt von Schönebeck, eine Gedenktafel an der Schönebecker Straße erinnert daran, die Tafel steht direkt vor dem ehemaligen Kloster „Barmherzige Schwestern“, heute ein Altenheim.

Überhaupt, der Bergbau: Sykorra führt durch die ehemalige Arbeiterkolonie Ardelhütte und Schacht-Kronprinz-Straße, schmucke Altbauten mit großzügigen Gärten stehen hier aufgereiht, „diese Häuser werden gerade wiederentdeckt“, berichtet Sykorra.

Heißt: Aus eigentlich schlichten Häusern einfacher Leute werden jetzt gefragte Immobilien. Die Preise steigen. Schön, schöner, Schönebeck.

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