Gastronomie

Essen-Rüttenscheid: Wirte geben Parkplätze wieder frei

Baki Salihu von der Rü-Imbisserie gehört zu den Wirten, die in den nächsten Tagen Tische und Stühle abbauen wollen, damit dort wieder Autos parken können.

Baki Salihu von der Rü-Imbisserie gehört zu den Wirten, die in den nächsten Tagen Tische und Stühle abbauen wollen, damit dort wieder Autos parken können.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid.  Viele Gastronomen in Essen-Rüttenscheid bewirten ihre Gäste auf Parkplätzen vor ihrer Tür. Einige Betreiber bauen die Tische jetzt vorzeitig ab.

Das Bild der Rüttenscheider Gastromeile hat sich in den vergangenen Monaten stark gewandelt. Entlang der Rü sitzen deutlich mehr Gäste draußen als es früher der Fall war. Denn viele Wirte machen von der Sonderregel Gebrauch, Parkplätze vor ihrer Tür als Biergarten zu nutzen, zumindest provisorisch. Nun lässt sich aber derzeit beobachten, dass nach und einige Gastronomen die Paletten wieder wegnehmen, Tische und Bänke reinholen, obwohl die Stadt grundsätzlich die Handhabe bis Jahresfrist erlaubt.

Gastronom hat sich bei umliegenden Händlern rückversichert

Für Baki Salihu, der vor drei Jahren die Rü-Imbisserie eröffnet hat, spielt die Jahreszeit die entscheidende Rolle. Da wolle wohl nur noch eine geringe Zahl an Gästen draußen sitzen. Zwischenzeitlich habe er noch überlegt, ein Zelt aufzustellen, doch das würde die Stadt wohl nicht genehmigen. Der Einsatz von Heizpilzen würde sich wahrscheinlich auch nicht rechnen.

Wenn er aber nun die Flächen nicht mehr brauche, dann sollten sie auch den Autofahrern zurückgegeben werden, so der 40-Jährige. Ohnehin habe er nicht komplett die genehmigten Plätze in Anspruch genommen, sondern nur gut zwei Drittel. Nebenan sei ein Textilhandel, der auf Parkplätze für die Kunden angewiesen sei. Mit dem Betreiber und auch weiteren Geschäftsleuten im Umfeld habe er gesprochen, bevor er den Antrag bei der Stadt gestellt habe und sie alle seien mit dem Tausch einverstanden gewesen. Zufrieden zeigt sich Salihu, wenn er auf die Bilanzen schaut: Die Belegungsquote der Außengastro habe bei 60 bis 70 Prozent gelegen. Daher wünscht er sich, dass die Stadt das Angebot auch im nächsten Jahr aufrechterhält.

Parkplätze sollten nicht unnötig blockiert werden

Mercedes Zelin, die das Burgerheart seit zweieinhalb Jahren betreibt, möchte ebenfalls im nächsten Frühjahr wieder Parkplätze nutzen, zwei an der Zahl. Jetzt aber gebe sie sie frei, damit sie nicht unnötig blockiert würden. Die Gastronomin reiht sich ein in den Kreis derer, die sehr froh sind, dass die Stadt die Möglichkeit geschaffen hat. Es zeige sich doch ganz deutlich, wie sehr auch gerade in Corona-Zeiten die Leute gern unter freiem Himmel sitzen würden, wenn sie ein Lokal aufsuchen. Auf diese Weise werde die Attraktivität des Stadtteils gesteigert, das komme allen Beteiligten zugute. Dass die Händler durch die Corona-Krise stark getroffen seien, dürfe man allerdings nicht aus den Augen verlieren. Wenn Parkplätze nicht mehr gebraucht würden, sollten sie auch wieder zur Verfügung gestellt werden.

Diese Ansicht vertritt auch Shayan Faghfouri, Geschäftsführer von Bliss – Restaurant und Bar. Derzeit prüfe er, ob es sich eine Fortsetzung rechne. Zu berücksichtigen seien die Gebühren für die Nutzung und auch die Kosten, die man für eine Überdachung oder eine Beheizung einbeziehen müsse.

Rüttenscheid brauche eine gesunde Mischung an Kneipen und Restaurants einerseits und Geschäften andererseits, sagt Karl Burgath, Inhaber von Gin & Jagger. Da müsse auch der Handel zu seinem Recht kommen. Er nutze von den seit September genehmigten Parkplätzen nur knapp die Hälfte. Seine Entscheidung lasse sich aber nicht verallgemeinern, denn in der Sommerzeit nutze er rund 60 Außenplätze, die hin zum Christinenpark liegen würden. Bei Wirten, die solche Kapazitäten nicht hätten, sähe die Situation völlig anders aus.

Appell des Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Rüttenscheid

Rolf Krane, Vorsitzender der Interessengemeinschaft Rüttenscheid (IGR), hat sich derweil an die Gastronomen gewandt und erinnert daran, dass es eines jahrelangen Kampfes bedurfte, Außengastronomie auch im Winter zu ermöglichen und er mit für die Regelung eingetreten sei. Nun ruft Krane zur Solidarität mit den Kaufleuten auf. Gerade, wenn die bereits bestehende Außengastro nicht voll ausgelastet sei, sollten die entsprechenden Wirte doch überdenken, ob sie wirklich eine Nutzung der Parkplätze aufrecht erhalten wollen.

Seitdem der Rat der Stadt den Weg frei gemacht hat und Gastronomen ihre Tische auf Parkplätze stellen dürfen, ist darüber Streit entbrannt. Händler berichten von massiven Umsatzeinbußen, weil Kunden nicht mehr genug Parkplätze finden würden. Wirte wiederum haben ebenso Existenzängste, mehr Fläche draußen sei angesichts der Abstandsregeln, die es einzuhalten gelte, eine ganz entscheidende Option.

[In unserem lokalen Newsletter berichten wir jeden Abend aus Essen. Den Essen-Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen.]

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben