Bühne

Essen: Rathaus-Theater bringt Weltstars auf die Bühne zurück

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„Songs für Nobodies“ im Essener Rathaus-Theater: Sängerin Susanne Eisenkolb schlüpft an einem Abend in viele verschiedene Frauenrollen.

„Songs für Nobodies“ im Essener Rathaus-Theater: Sängerin Susanne Eisenkolb schlüpft an einem Abend in viele verschiedene Frauenrollen.

Foto: Rathaus Theater

Essen.  „Songs for Nobodies“ im Essener Rathaus-Theater: Wie ein Bühnenstück die Toilettenfrau und Weltstars wie Judy Garland auf eine Bühne bringt.

Mit einer deutschsprachigen Erstaufführung meldet sich das Essener Theater im Rathaus aus der erzwungenen Corona-Pause zurück: Im unterhaltsamen Bühnenstück „Songs für Nobodies“ erzählt und singt die Schauspielerin Susanne Eisenkolb in fünf Monologen die fiktiven Geschichten von fünf einfachen Frauen und deren schicksalhaften Begegnungen mit Judy Garland, Patsy Cline, Billie Holiday, Edith Piaf und Maria Callas.

Wer schon einmal einem echten Weltstar getroffen hat, wird das wahrscheinlich niemals vergessen. Und wenn dieser Star sogar Notiz von einem nimmt, gar mit einem spricht, dann kann das im besten Fall dein Leben ein Stück weit verändern. So ergeht es den fünf Frauen, die in dem Stück der australischen Dramatikerin Joanna Murray-Smith von ihren zufälligen Zusammentreffen mit den Berühmtheiten berichten.

Das Toilettentreffen in der Carnegie Hall wird zum Schlüsselerlebnis

Da ist die Toilettenfrau Bea, die am stillen New Yorker Örtchen auf Judy Garland trifft und ihr kurz vor dem legendären Konzert in der Carnegie Hall noch schnell den Saum umnäht. Glück ist das Thema ihres kurzen Gesprächs, denn Glück scheint das, wonach sich beide sehnen. Glücklich ist die Platzanweiserin Pearl, die von der Countrysängerin Patsy Cline spontan auf die Bühne geholt wird und seitdem als Backgroundsängerin arbeitet. Vom Erfolg träumt die ehrgeizige Jungjournalistin Too Junior, die Billie Holiday interviewt. Die Bibliothekarin Edie verdankt Edith Piaf ihr Leben: Frankreichs berühmteste Chansonsängerin verhalf einst ihrem von den Nazis verhafteten Vater zur Flucht.

Mit Einfühlungsvermögen, Anmut und Hingabe erweckt die vielseitige Wienerin Susanne Eisenkolb unter der Regie von Stefan Huber all diese Charaktere zum Leben und gibt ihnen eine Stimme. Da geht es um Liebe und Leid, Hoffnung und Träume, ausgelöst durch diesen kurzen Augenblick der Begegnung zwischen den Frauen von nebenan und den weltberühmten Diven. Susanne Eisenkolb gelingt es fabelhaft, diesen besonderen Moment einzufangen; ohne Pathos aber mit viel Gespür lässt sie die Zuschauer an den Schicksalen teilnehmen. Dafür braucht sie keinen Kostümwechsel oder neues Make-up – für die nuancierte Verwandlung reichen ihr Mimik und Gestik.

Musicalstar Susanne Eisenkolb beherrscht Chanson, Countrysong und Arie

Aber nicht nur die „Nobodies“ kommen in dem 2010 in Melbourne uraufgeführten Stück zu Wort – auch die fünf unvergesslichen Weltstars haben ihren Auftritt: Ob „Come Rain Or Come Shine“ von Judy Garland, „Crazy“ von Patsy Cline, das wunderbare „Non, je ne regrette rien“ von Piaf oder Billie Holidays „Ain’t Nobodys Business If I Do“ oder Callas „Vissi d’arte“ - der ausgebildete Musicalstar Eisenkolb beherrscht den Blues wie das Chanson, den Countrysong wie die Arie und lässt sich unerschrocken wie selbstbewusst auf das Risiko ein, mit den größten Sängerinnen des vergangenen Jahrhunderts verglichen zu werden.

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Begleitet wird sie dabei von einem wunderbar unaufgeregten Trio: Patricia Martin am Piano, Genevieve O’Driscoll am Kontrabass und der Folkwangstudent Jonathan Schierhorn am Schlagzeug runden die 90-minütige Vorstellung perfekt ab. Das findet auch das Publikum und quittiert den kurzweiligen wie unterhaltsamen Abend mit begeistertem Applaus.

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