Corona

Essen: Nostalgie-Kino soll Senioren wieder Freude bereiten

Vor 14 Jahren hat Reinhard Figge mit seiner Frau Gisela das Nostalgie-Kino an der Auferstehungskirche im Essener Südostviertel ins Leben gerufen.

Vor 14 Jahren hat Reinhard Figge mit seiner Frau Gisela das Nostalgie-Kino an der Auferstehungskirche im Essener Südostviertel ins Leben gerufen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essener Südostviertel.  Seit 14 Jahren lädt Reinhard Figge (89) einmal im Monat zum Filmnachmittag ein. Nach der Corona-Pause geht es jetzt mit weniger Zuschauern weiter.

Seit 14 Jahren ist das Nostalgie-Kino an der evangelischen Auferstehungskirche im Essener Südostviertel eine Institution. Einmal im Monat zeigt Reinhard Figge (89) alte Filme. Coronabedingt fiel die Veranstaltung ein halbes Jahr lang aus. Jetzt ist die Reihe wieder gestartet.

Der Neustart im Oktober unter Corona-Bedingungen sei reibungslos verlaufen, allerdings seien nur 20 Zuschauer gekommen, so Reinhard Figge. „Das ist in Zeiten der sich steigernden Corona-Ängste durchaus verständlich. In den bisherigen normalen Zeiten waren es meist 100 Besucher“, so Reinhard Figge. Trotzdem ist der Filmfan überzeugt, dass es richtig ist, wieder ins Nostalgie-Kino einzuladen und gerade älteren Menschen in den schwierigen Corona-Zeiten ein paar interessante Stunden zu bereiten.

Auch für 20 zufriedene Besucher kann sich eine Vorstellung lohnen

Unterstützt werde er dabei von der Küsterin der Gemeinde. „Wir sollten auch bei 20 zufriedenen und begeisterten Zuschauern weitermachen“, sei ihre Meinung gewesen. Es gebe ja die Hoffnung, dass irgendwann die alten Verhältnisse wiederkämen. „Natürlich haben wir zwischendurch überlegt, ob wir noch länger Pause machen sollten“, sagt Reinhard Figge.

Seit März war das Nostalgie-Kino geschlossen. Zwischenzeitlich habe er immer mal wieder Nachfragen erhalten, ob es weitergehe, sagt Reinhard Figge. Nach den geltenden Corona-Schutzbestimmungen hätten 35 Zuschauer in den Saal gepasst, in dem die Stühle mit entsprechender Entfernung platziert worden seien.

Hoffnung auf mehr Zuschauer im November

Reinhard Figge hofft, dass sich der Neustart der Reihe herumspricht und dann beim nächsten Termin im November wieder mehr Zuschauer das Angebot wahrnehmen. Zu normalen Zeiten seien je nach Film und Termin zwischen 80 und 100 Filmfans in den Gemeindesaal der Auferstehungskirche gekommen. „Nur zur Dezember-Vorstellung sind seltsamerweise meist weniger Besucher erschienen“, erinnert sich Reinhard Figge.

Aus einem Fundus von 500 bis 600 Kinofilmen sucht der 89-Jährige eigentlich immer einen Streifen aus, den er noch nicht gezeigt hat. Nur bei Filmen zum Beispiel mit Heinz Rühmann oder Hans Albers, die erfahrungsgemäß beim Publikum sehr beliebt seien, macht Figge schon mal eine Ausnahme und zeigt einen Film ein zweites Mal – vielleicht nach zehn Jahren.

Kaffeetrinken vor dem Film muss wegen Corona ausfallen

Früher hatte der Kino-Nachmittag immer mit Kaffee, Kuchen und einer gemütlichen Plauderstunde begonnen. Das müsse wegen Corona jetzt ausfallen. „Vielleicht sind deshalb auch einige weggeblieben. Sonst hatten wir immer rund 70 Gäste allein beim Kaffeetrinken“, schätzt Reinhard Figge. Denn der Film-Nachmittag habe durchaus eine soziale Komponente und diene der Kontaktpflege. Vielleicht sei das Kaffeetrinken ja mit einem entsprechenden Konzept im Dezember wieder möglich.

Reinhard Figge, der früher als Studiendirektor am Erich-Brost-Berufskolleg tätig war, ist überzeugter Cineast. Sein Vater sei großer Filmfan gewesen und habe ihn früh mit ins Kino genommen. So habe sich die Leidenschaft für Filme bei ihm entwickelt, erinnert sich Figge. Am liebsten zeige er deutsche oder amerikanische Filme der 1930- bis 1960er Jahre. Seine Film-Sammlung habe er im Laufe der Jahre immer wieder vergrößert, auch durch Tauschaktionen in der ganzen Welt. Er begeistere sich besonders für amerikanische Musikfilme der 1930er- bis 1950er-Jahre.

Zu jedem Film gibt es eine kurze Einführung

Die Filmnachmittage bereitet der 89-Jährige sorgfältig vor, schaut den jeweiligen Film noch einmal an, um die technische, aber auch die künstlerische Qualität zu prüfen. Man wolle den Gästen ja etwas Gutes bieten, das natürlich auch unterhaltsam sein solle. Zu jedem Film bereite er eine kurze Einführung über die Entstehungsgeschichte und andere interessante Details vor, um den Zuschauern Hintergrundwissen zu vermitteln.

Zum Programm gehört auch immer die Wochenschau vom Uraufführungsdatum. Das Programm der nächsten Monate habe er schon frühzeitig im Kopf, lese sich das Wissen für die Vorschau-Flugblätter in Filmbüchern an, berichtet Figge. Bei der Auswahl der Filme achte er auch auf die Jahreszeiten. Seine Frau Gisela teile seine Film-Leidenschaft und habe oft Kuchen für das Kaffeetrinken gebacken.

Auch wenn gerade alles anders ist: Den Senioren im Stadtteil eine Freude zu bereiten und Erinnerungen zu wecken, ist für Reinhard Figge Ansporn genug, auch unter schwierigen Umständen weiterzumachen.

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