Sicherheit

Essen prüft Einsatz von Super-Kameras gegen Kriminelle

Die Stadt Essen denkt über eine neue Videotechnik für die Viehofer Straße nach, die derzeit im Rahmen eines Pilotprojektes in Mannheim getestet wird.

Die Stadt Essen denkt über eine neue Videotechnik für die Viehofer Straße nach, die derzeit im Rahmen eines Pilotprojektes in Mannheim getestet wird.

Foto: Arno Burgi

Essen.   Die Stadt denkt über eine Videobeobachtung mit künstlicher Intelligenz für die City nach. Die Kameras sollen verdächtige Bewegungen analysieren.

Bei ihren Planungen für Kameras gegen Kriminalität auf der Viehofer Straße in der City schreibt die Stadt Essen inzwischen an einem zweiten Drehbuch: Alternativ zu einer herkömmlichen Videobeobachtung nach dem Vorbild der Polizei am Rheinischen Platz hat die Kommune ein hochmodernes computergesteuertes System in den Fokus genommen, das derzeit in Mannheim getestet wird.

Wie Ordnungsdezernent Christian Kromberg am Donnerstag berichtete, wird sich eine städtische Delegation zeitnah aufmachen, um sich die europaweit einzigartigen Super-Kameras in der baden-württembergischen Kommune vorführen zu lassen. Oberbürgermeister Thomas Kufen, der nach Beschwerden von Geschäftsleuten und Anwohnern der Viehofer Straße den Auftrag erteilte, die Machbarkeit einer Videobeobachtung für die Viehofer Straße zu prüfen, soll schon jetzt angetan sein von den Möglichkeiten der neuen Technik.

System erkennt unnatürliche Bewegung von Menschen

Denn die wie eine künstliche Intelligenz arbeitende Software der Geräte ist in der Lage, anhand von wiederkehrenden Berechnungen, sogenannten Algorithmen, unnatürliche Bewegungen von Menschen im öffentlichen Raum zu erkennen. Wird zum Beispiel ein Passant angerempelt, fällt er zu Boden, rennt jemand auffällig schnell durch die Einkaufsstraße oder kommt es zu ungewöhnlichen Zusammenrottungen, schlägt das System automatisch Alarm. Auf einem Monitor einer Behörde erscheint dann eine Warnung, ein Mitarbeiter kann sich die aufgezeichnete Szene schnell anschauen und im Bedarfsfall gezielt Einsatzkräfte zum Ort des Geschehens schicken.

Der Vorteil gegenüber der Videobeobachtung am Rheinischen Platz, bei der Polizeibeamte über Stunden ständig Monitore im Blick haben müssen, um angemessen reagieren zu können, liegt für Kromberg auf der Hand: Bei der vom Karlsruher Fraunhofer-Institut entwickelten Zukunfts-Technik übernimmt ein Computer einen Großteil dieser Arbeit, sagt der Ordnungsdezernent: „Der Mensch entscheidet dann nur noch, ob ein Eingreifen notwendig ist oder nicht.“ Das spart Personal und am Ende Geld. Um eine Größenordnung zu nennen: Mannheim will über 70 öffentliche Plätze und Straßen videoüberwachen. Kostenpunkt: rund 1,6 Millionen Euro.

Möglichkeiten des Polizeigesetzes werden geprüft

Sollte sich das System, das Gesichter automatisch pixeln soll, in Baden-Württemberg bewähren, sind vor einer Installation in Essen allerdings zwei zentrale Fragen zu klären, so Kromberg: „Ist das rechtlich machbar in Nordrhein-Westfalen und wie weit wollen wir gehen?“ Von einer politischen Entscheidung ist diese Stadt noch weit entfernt.

Nach den Vorstellungen des Oberbürgermeisters soll die rund 700 Meter lange Fußgängerzone der Viehofer Straße bis hin zum Flachsmarkt mit Kameratechnik ausgestattet werden. Bislang reicht das Behörden-Auge nur bis zum Pferdemarkt. Ob das neue Polizeigesetz mehr Beobachtung an dieser Stelle erlaubt, wird derzeit geprüft.

Offen ist, ob am Ende Beamte der Landesbehörde oder Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts die Regie übernehmen werden.

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