Galeria Kaufhof

Essen: Nach Kaufhof-Aus plant Eigentümer attraktiven Umbau

Die Tage der Galeria-Kaufhof-Fassade am Willy-Brandt-Platz mit der markanten „Hortenkachel“ sind gezählt. Wenn das Warenhaus Ende Oktober schließt, wird die Fassade abgenommen.

Die Tage der Galeria-Kaufhof-Fassade am Willy-Brandt-Platz mit der markanten „Hortenkachel“ sind gezählt. Wenn das Warenhaus Ende Oktober schließt, wird die Fassade abgenommen.

Foto: Kerstin Kokoska / FUNKE Foto Services

Essen.  Die Koerfer-Gruppe, Eigentümerin des Geschäftshauses am Willy-Brandt-Platz in Essen, plant nach dem Galeria-Kaufhof-Aus einen attraktiven Umbau.

Die Koerfer-Gruppe tritt Befürchtungen aus Politik und Bürgerschaft entgegen, in dem riesigen Gebäude am Willy-Brandt-Platz in Essen könnten nach dem Auszug von Galeria Kaufhof die Lichter ausgehen. Das Gegenteil sei der Fall, versichert Daniel Schild, Geschäftsführer des Kölner Immobilienunternehmens. „Wir planen ein attraktives Haus mit einem tollen Entree für Essen.“ Die markante Fassade mit der berühmten „Hortenkachel“ werde definitiv verschwinden. Der Rückbau soll am 1. November beginnen.

„Das Unter- und das Erdgeschoss werden wir gut vermieten können“

Als den Kölnern vor zwei Wochen die Kündigung von Karstadt-Kaufhof für das prominent gelegene Warenhaus (ca. 30.000 Quadratmeter Mietfläche) am Willy-Brandt-Platz zum 31. Oktober auf den Tisch flatterte, hatten sie keinen Grund in Panik auszubrechen. Denn schon letztes Jahr, als sie mit Karstadt-Kaufhof einen neuen Zehn-Jahres-Vertrag aushandelten, war ein Scheitern und damit ein Aus des Warenhauses ins Kalkül gezogen worden. Die Pläne, die für diesen Fall geschmiedet worden waren, lagen bei Koerfer seitdem in der Schublade. Erste Gespräche mit neuen Mietern seien schon geführt worden, verrät Schild. Und fügt hinzu: „Das Untergeschoss und das Erdgeschoss werden wir gut neu vermieten können.

Auf der Berliner Allee in Düsseldorf haben die Koerfer-Manager vor drei Jahren bewiesen, dass sie ein altes Kaufhof-Warenhaus aus der Horten-Zeit in eine schicke und moderne Einkaufsadresse verwandeln können. „Crown“ heißt das Objekt, in dem der Bottroper Edeka-Händler Zurheide als Ankermieter auf zwei Etagen (10.000 Quadratmeter) einen riesigen und durch Gastro-Inseln aufgelockerten Gourmet-Supermarkt eröffnet hat. „Wir beobachten, dass große Lebensmittelhändler wieder in die Innenstädte zurückkehren“, sagt der Geschäftsführer der Koerfer-Gruppe. Gleichzeitig bestehe in der Nähe des Essener Hauptbahnhofs ein Bedarf an Nahversorgung. Damit sei nicht gesagt, dass das Düsseldorfer Beispiel 1:1 auf Essen übertragen werde.

Einen Abriss will die Koerfer-Gruppe vermeiden, ausgeschlossen ist er aber nicht

Die oberen Etagen des Essener Warenhauses an den Einzelhandel zu vermieten, sei eher schwierig. Je nach Mieterbesatz und Nutzung müssten die Fünf-Meter-Geschosse abgetragen und durch niedrigere Deckenhöhen ersetzt werden. Um das Gebäude-Innere insbesondere im rückwärtigen Bereich aufzuhellen, sollen zusätzlich Lichthöfe geschaffen werden. Einen vollständigen Abriss des 1977 errichteten Gebäudes strebe die Koerfer-Gruppe angesichts der aktuell hohen Baupreise und -kosten nicht an, er sei aber nicht auszuschließen.

Als das Horten-Warenhaus am 24. November 1977 morgens um 8 Uhr seine Pforten öffnete, wurde es regelrecht überrannt. Zwischenzeitlich mussten sogar die vier Eingänge geschlossen werden. Horten bot auf 13.000 Quadratmeter Verkaufsfläche ein Sortiment von 100.000 Artikeln an: von Lebensmitteln über Stereo-Kassettenrekorder, Ledersofas bis hin zu Gitarren. Das neue Gebäude war in der Rekordzeit von nur einem Jahr errichtet worden. Die Baukosten lagen bei 50 Millionen D-Mark.

Mit dem Umbau soll auch der Willy-Brandt-Platz an Aufenthaltsqualität gewinnen

In den mehr als vier Jahrzehnten davor befand sich an derselben Adresse das Deutsche Familien Kaufhaus, abgekürzt DeFaKa, das allerdings nur etwa halb so groß war. Der Kaufmann Helmut Horten hatte die DeFaKa-Kette in den 1950er und 60er Jahren übernommen. Die Essener Filiale war die letzte in Deutschland.

Bei den weiteren Planungen und Verhandlungen am Willy-Brandt-Platz wolle sich die Koerfer-Gruppe eng mit der Stadt Essen (Wirtschaftsförderung und Essen Marketing) abstimmen, sagt Daniel Schild. Ziel des Warenhaus-Umbaus sei es auch, den Willy-Brandt-Platz aufzuwerten und eine Aufenthaltsqualität zu schaffen. „Die Menschen sollen sich freuen, in die Stadt zu kommen.“

Leserkommentare (10) Kommentar schreiben