Corona

Essen: Mundschutz belastet den Alltag von Pflegekräften

Wohnbereichsleiterin Susanne Radefeld (M.) und Anja Lohbeck, Einrichtungsleiterin im Otto-Hue-Haus, hier im Gespräch mit Bewohnerin Elisabeth Hirsch (97).

Wohnbereichsleiterin Susanne Radefeld (M.) und Anja Lohbeck, Einrichtungsleiterin im Otto-Hue-Haus, hier im Gespräch mit Bewohnerin Elisabeth Hirsch (97).

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Rüttenscheid/Holsterhausen.  Die Notwendigkeit einer Maske stellen Pflegekräfte aus Essener Heimen nicht in Frage. Aber das Tragen sei mit erheblichen Belastungen verbunden.

Schritt für Schritt wurden im Laufe der vergangenen Monate Einschränkungen für Seniorenheime aufgehoben, doch von Normalität könne noch keine Rede sein. Das sagen Pflegekräfte aus dem Otto-Hue-Haus in Holsterhausen und dem Rüttenscheider Seniorenzentrum St. Martin. Sie berichten von den Belastungen, die nach wie vor den Alltag prägen würden.

Manche Besucher in den Essener Heimen wollen sich nicht an Hygieneregeln halten

Valentino Andreu Lüttmann (42) arbeitet seit 13 Jahren in der Pflege und weiß zwar darum, wie froh alle Beteiligten sind, dass die Zeiten des Lockdowns der Vergangenheit angehören. Doch auch die jetzige Situation stelle eine enorme Herausforderung dar. Es gehöre nun eben dazu, dass bei allen Besuchern ein Mini-Screening erforderlich sei, mit dem die Körpertemperatur gemessen werde. Zudem müsse man die Personalien aufnehmen und die Gäste auch bitten, sich an die Corona-Vorgaben zu halten.

Der überwiegende Teil habe zwar Verständnis, den Mundschutz anzulegen und achte auf Abstandsregeln. Doch es gebe eben auch die anderen, mit denen man dann diskutiere, sagt der Mitarbeiter der Rüttenscheider Einrichtung. Von ähnlichen Erfahrungen berichtet auch Susanne Radefeld (54), in Holsterhausen tätig. Einem erheblichen Teil der Besucher stellt sie ein Lob aus, weil sie das Reglement beachten würden. Es komme aber immer wieder vor, „sehr deutlich“ auf die Einhaltung hinweisen zu müssen.

Bei Gesprächen kommen Gestik und Mimik nicht mehr zum Ausdruck

Bedauerlich empfindet es die Wohnbereichsleiterin, dass der Kontakt zu den Angehörigen seit Corona erheblich leidet. Gespräche, die man früher mal eben auf dem Flur geführt habe und die für das gesamte Miteinander wichtig und förderlich seien, „sind in der Form nicht mehr möglich“. Man müsse sich dann eigens dazu auf dem Zimmer der Heimbewohners vereinbaren. Doch dann fehle es meist an der Spontanität.

Als eine weitere Belastung empfinden es die Pflegekräfte, ständig eine Maske tragen zu müssen, hebt Angelika Brinkmann, Fachkraft in der Betreuung, hervor. Jeder wisse zwar, wie wichtig der Mundschutz sei, daran gebe es auch überhaupt keinen Zweifel, aber man könne nun mal nicht die Schwierigkeiten und Probleme verhehlen. Das Tragen des Mundschutzes sei sehr anstrengend, zudem zeigten sich auch viele Bewohner, vor allem die Demenz-Patienten, sehr irritiert. Susanne Radefeld vermisst ferner, Gestik und Mimik nicht mehr zum Ausdruck bringen zu können. Dadurch, dass das halbe Gesicht abgedeckt sei, werde die Kommunikation erheblich erschwert, gibt sie zu bedenken, auch die Unterhaltung mit Schwerhörigen gestalte sich aufwendig.

Senioren meiden zum Eigenschutz Kontakte nach außen

Aus dem steten Kontakt mit den Bewohnern haben die Pflegekräfte wiederum die Erkenntnis gewonnen, wie groß deren Sorge ist, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Die 97-jährige Elisabeth Hirsch aus dem Otto-Hue-Haus erzählt, wie stark sie und ihr Mann Kontakte einschränken würden. Erst neulich hätten sie Einladungen zu zwei Geburtstagsfeiern nicht angenommen, „weil wir einfach Sorge haben“, so die Essenerin. Deshalb würde sie auch bei kleinen Besorgungsgängen Menschenaufläufe meiden.

Bei Zusammenkünften im Haus selbst, gelten selbstverständlich, wie Anja Lohbeck, Leiterin in Holsterhausen, berichtet, die Abstandsregeln. Darauf zu achten zählt auch zu den Aufgaben der Pflegekräfte. Waren gemeinsame Klön- oder Spielnachmittage lange Zeit auch nicht möglich, starten nun beide Heime wieder damit. Darüber freuen sich Bewohner wie Mitarbeiter. Es heißt aber auch, dass Tische, Stühle oder Gegenstände anschließend desinfiziert werden müssen. Diese Aufgabe heiße es vielfach am Tag zu erfüllen, sagt Valentino Andreu-Lüttmann. Auch wenn es in Corona-Zeiten selbstverständlich sei und man sich auch daran gewöhnt habe, es bedeute doch auch zusätzlichen Zeitaufwand.

Dass in manchen Städten die Corona-Zahlen wieder steigen, erfüllt alle Beteiligten mit Sorge. Es bedeutet aber gleichzeitig auch, beim Gesundheitsschutz nicht locker zu lassen.

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