Verkehrskontrollen

Essen Motorshow: Die Polizei legt 78 frisierte Autos still

460 Fahrzeuge rund um die Motorshow kontrollierte die Polizei.

460 Fahrzeuge rund um die Motorshow kontrollierte die Polizei.

Foto: Stephan Witte / KDF-Television & Picture

Essen.  Tagelang kontrollierte die Polizei Autos rund um das PS-Festival in Essen. 460 Wagen wurden genauestens überprüft und heftige Verstöße geahndet.

Die Essen Motorshow hat den Zündschlüssel für dieses Jahr abgezogen, und rund um Rüttenscheid ist wieder relative Ruhe eingekehrt: So mag es den Anwohnern nach der vergangenen Woche zumindest vorkommen, als sich die Alfred- und die Norbertstraße Tag für Tag einmal mehr zur Piste der PS-Protzer aus ganz Deutschland, den Niederlanden und auch Belgien verwandelte. Es war ein Röhren aus allen Rohren. Dabei kamen sie längst nicht all jene in der Messe an, die sich auf den Weg nach Essen gemacht hatten. Ihre Autos fanden sich am Ende nicht auf einem der Besucherparkplätze wieder, sondern stillgelegt auf einem Abschleppwagen, um sie von einem Sachverständigen beurteilen zu lassen.

Insgesamt 78 illegal frisierte Karossen haben die „Arbeitsgruppe Tuning“ aus Tiefer-, Schneller-, Lauter-Spezialisten der Düsseldorfer Autobahnpolizei und die Beamten der Essener Behörde bei ihren mehrtägigen Kontrollen während der Messetage gemeinsam aus dem Verkehr gezogen und sichergestellt. Auf der Autobahn, auf den Zufahrtsstraßen und an den Parkhauseingängen hatten sich die Ordnungshüter positioniert und 460 Fahrzeuge mit durchschnittlich elf Beamten pro Schicht genau unter die Lupe genommen.

Ein regelrechtes Autowrack war auf öffentlichen Straßen unterwegs

Was sie entdeckten, war zum Teil nicht nur haarsträubend, sondern auch lebensgefährlich. Einen besonders krassen Fall entdeckten die Tuning-Spezialisten unter der Führung von Kontrollstellenleiter Nico Rohm (47) im Kofferraum eines Autos: Ein durchgerostetes Dämpfer-Domlager war mit einem dünnen Blech ummantelt und nur durch schlichte Nieten mit dem Rest der korrodierten Karosserie verbunden – und das an einem tragenden Teil. Der Wagen - eigentlich ein Wrack - war auf öffentlichen Straßen unterwegs. „Vor allem unprofessionelle Umbauten, die zur wesentlichen Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit führen, wie Mängel an den Reifen, der Bremsanlage und der Beleuchtung, gehörten auch dieses Jahr wieder zur ernüchternden Bilanz der Kontrollen“, berichtete die zuständige Polizei Düsseldorf am Montag.

64 Fahrwerke waren manipuliert, etwa tiefergelegt. In 34 Fällen wich die Bereifung nicht nur vom erlaubten Maß, sondern auch von den Vorschriften ab. Zwei Autos wurden mit nicht zugelassenen Lenkrädern gesteuert. Bei 28 Autos fiel der Geräuschpegel komplett aus dem Rahmen, weil ihre Halter an Abgasanlagen geschraubt oder Luftfilter manipuliert hatten. Dazu kamen zwei Drogenverdachtsfälle als auch Fahrer, die ohne Fahrerlaubnis Gas gegeben hatten.

Ein Messebesucher heftete sich an das Heck eines Einsatzfahrzeugs

Ein Messebesucher schien es besonders eilig zu haben: Er heftete sich nicht nur an das Heck eines Einsatzfahrzeugs, das sich unter Blaulicht seinen Weg durch den stockenden Verkehr bahnte. Er zeigte den Beamten, die ihn auf sein Fehlverhalten aufmerksam machten, auch noch den Mittelfinger.

Von den Unverbesserlichen auf den Straßen einmal abgesehen, stoßen die Tuning-Kontrollen inzwischen auf eine wachsende Akzeptanz, weiß Nico Rohm, der mittlerweile Expertenstatus in der Szene genießt. Die Qualität der Kontrollen sorge für zunehmenden Respekt, ist die Behörde überzeugt. „Manche Autofahrer sind aber nach wie vor uneinsichtig“, sagt der 47-Jährige. Die fahren nach wilden An- und Umbauten an ihren Wagen auch ohne Abnahme einer Prüfstelle durch die Gegend und gefährden damit nicht nur sich, sondern auch andere. Auf der Messe werde unwissenden Kunden allerdings Fahrzeugtechnik auch mit dem falschen Versprechen verkauft, dass sie mit den Vorschriften und der Betriebszulassung kompatibel sei – frei nach dem Motto: „Hauptsache der Rubel rollt“, so Rohm: Da spiele die Verkehrssicherheit dann keine Rolle mehr.

Am Ende sei der Käufer der Geleimte. So ein Beweissicherungsverfahren samt erloschener Betriebserlaubnis könne schon mal mit einer vierstelligen Summe zu Buche schlagen und die teuer erworbenen Teile sind am Ende zusätzlich für den Schrott.

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