Bombenfund

Essen kündigt nach Bomben-Entschärfung erste Bußgelder an

Weil uneinsichtige Anwohner ihre Wohnungen nicht verlassen wollten, verzögerte sich die Entschärfung der alten Fliegerbombe in Frohnhausen.

Weil uneinsichtige Anwohner ihre Wohnungen nicht verlassen wollten, verzögerte sich die Entschärfung der alten Fliegerbombe in Frohnhausen.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Weil mehrere Anwohner in Essen-Frohnhausen den Evakuierungs-Anweisungen nicht folgen wollten, wird die Stadt jetzt Geldstrafen verhängen.

Wenn es nur die Blindgänger im Essener Erdreich wären: Aber nach dem neuerlichen Bombenfund an der Bertha-Krupp-Schule in Frohnhausen hatten Mitarbeiter von Ordnungsamt und Polizei erneut mit uneinsichtigen Anwohnern zu kämpfen. Für Ärger sorgten zwei Essener, die partout ihre Wohnungen nicht verlassen wollten. Als der Evakuierungsbereich endlich geräumt und die Bahnstrecke gesperrt war, liefen Anwohner sogar zurück in die Sperrzone, die Entschärfung musste erneut verschoben werden.

„Unsere Mitarbeiter werden in Gefahr gebracht“

„Das werden wir jetzt mit aller Härte ahnden“, kündigte Ordnungsdezernent Christian Kromberg bei der Jahrespressekonferenz der Essener Feuerwehr eine deutliche Reaktion der Stadt an. Dass einer der Anwohner auch noch mit dem Pkw versucht habe, die Absperrungen zu umfahren, werde man nicht dulden: „Da werden unsere Mitarbeiter in Gefahr gebracht.“ Kromberg betonte: „Die Verfahren sind eingeleitet, entsprechende Schreiben werden in den nächsten Tagen zugestellt, und ich bin froh, dass der Stadtrat das Strafmaß in der ordnungsbehördlichen Verordnung für diese Vergehen auf bis zu 1000 Euro Höchststrafe angehoben hat.“ Mit ein paar hundert Euro Strafe müssen die Betroffenen durchaus rechnen.

Verzögerungen sind extrem ärgerlich

Die Vorgaben der zuständigen Bezirksregierung zur sofortigen Evakuierung und Entschärfung der Fliegerbomben seien eindeutig: „Wir haben da als Kommune keinen Spielraum.“ Um so wichtiger sei die zügige Umsetzung, um die Behinderungen in Grenzen zu halten, die Sperrung von Zugstrecken und Autobahnen auf ein Minimum zu beschränken: „Es ist extrem ärgerlich, wenn wir dann der Bahn oder der Autobahnmeisterei melden müssen: Es verzögert sich, weil da einer seine Wohnung nicht verlassen will“, so Kromberg.

„Wir werden jeden aus der Wohnung holen“

Kromberg machte klar: „Wir werden jeden aus seiner Wohnung holen, der der Evakuierung nicht folgen will. Wenn Gespräche nicht helfen, dann eben mit Zwang, so ärgerlich das für alle Beteiligten ist.“ Da werde es keine Ausnahme geben. Der Ordnungsdezernent lobte in diesem Zusammenhang aber auch das vorbildliche Verhalten der Essener: „Wir reden hier über einen Promillebereich von Uneinsichtigen. Die allermeisten Essener folgen unseren Anweisungen. Viele treffen sich in den Versorgezentren, die wir einrichten. Ich habe mich mehrfach selber überzeugt, wie gut sich dort um die evakuierten Menschen gekümmert wird. Manchmal gibt es sogar Fernseher. Da ist oft richtig gute Stimmung.“

Bereits sieben Bombenfunde in diesem Jahr

Die werden ganz offensichtlich auch die Einsatzkräfte in diesem Jahr brauchen: Zählten Stadt und Feuerwehr im Jahr 2016 beispielsweise acht Bombenfunde und 2017 neun, mussten die Feuerwerker in diesem Jahr nach den Worten von Christian Kromberg bereits in sieben Fällen in Essen anrücken: „Und dabei sind wir noch im April.“

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