Ruhrtalradweg

Essen-Kettwig: Lösung für zu enge Fahrradstraße ist in Sicht

Halbseitiges Parken könnte für mehr Platz auf dem Promenadenweg in Essen-Kettwig sorgen und Gefahrensituationen mit Radlern entschärfen, so der Vorschlag der Verwaltung.

Halbseitiges Parken könnte für mehr Platz auf dem Promenadenweg in Essen-Kettwig sorgen und Gefahrensituationen mit Radlern entschärfen, so der Vorschlag der Verwaltung.

Foto: Julia Tillmann / FFS

Essen-Kettwig.  Als gefährlich und unsinnig wird die Fahrradstraße in Kettwig von allen Nutzern eingestuft: Die Stadt will nun ihren Planungsfehler nachbessern.

Als sehr gefährlich und für ziemlich unsinnig hielten im Sommer Vertreter von Fahrrad- und Fußgängerverbänden die von der Verwaltung 2019 eingerichtete und inzwischen wieder zurückgenommene Fahrradstraße am Promenadenweg in Essen-Kettwig. Nun scheint eine Lösung in Sicht, die ein einträchtiges Miteinander von Radlern, Fußgängern und Autofahrern ermöglichen könnte.

Auf Einladung des Bau- und Verkehrsausschusses trafen sich in diesem Monat Politiker und Verkehrsexperten der Stadtverwaltung zu einem Informationsgespräch. Das Provisorium, das seit einigen Wochen mit Halteverbotsschildern für die Autofahrer und Piktogrammen auf der Straße für die Fußgänger nicht wirklich für Klarheit bei den Verkehrsteilnehmern gesorgt hat, soll durch eine durchdachte Lösung ersetzt werden.

Stadtverwaltung gibt Planungsfehler zu

Worum geht es? Die im September 2019 eingerichtete Fahrradstraße an der Kettwiger Promenade sorgte von Beginn an für Diskussionen. Obwohl der Radverkehr in so einem Falle bevorrechtigt ist, gab es keine Ausweichmöglichkeit, wenn Autos (Einbahnstraße, Tempo 30) und Radler sich begegneten. Auf der linken Seite befinden sich nämlich Parkbuchten, rechts ein Grünstreifen mit Baumbeeten. Und dann gibt es noch jede Menge Spaziergänger entlang der Ruhr. „Das ist ein Planungsfehler“, musste Andreas Demny, Leiter Planung und Bau bei der Stadt Essen, im Juni bei einer Sitzung der zuständigen Bezirksvertretung IX zugeben.

Seither wurde an der Situation herumgedoktert. Die Radler dürfen nun erst einmal dort auf dem Gehweg fahren, wo es für sie auf der Straße zu eng wird. Die Fußgänger müssen stattdessen zweimal die Straße kreuzen; für Spaziergänger nicht so komfortabel, vor allem, wenn sie sich beim dort ansässigen Tretbootverleih für eine Fahrt anstellen wollen und dabei auf der anderen Straßenseite warten müssen. Halteverbotsschilder an einigen Stellen weisen Autofahrer in die Schranken.

Autos könnten stellenweise halbseitig auf dem Gehweg parken

Dass Autofahrer ganz aus der Straße verschwinden, wie zwischenzeitlich diskutiert, dem hat die Verwaltung aber eine Absage erteilt. „So charmant die Idee einer autofreien Promenade ist, das würde die Anwohner der um die Ecke liegenden Bachstraße vor nicht zu lösende Probleme stellen. Auch die Verwaltung hat hierfür keine Lösung. Diese Variante kommt also nicht in Frage“, fasst Daniel Behmenburg, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Bezirksvertretung, zusammen.

Stattdessen sei von der Verwaltung der Vorschlag gekommen, dass den Autofahrern gestattet wird, auf einem Teil der Einbahnstraße halbseitig auf dem Gehweg zu parken. Behmenburg: „Der neu angelegte Bürgersteig ist sehr breit. Nur den Bordstein müsste man da wohl etwas niedriger setzen.“ Das könnte zwar ein paar weniger Parkplätze bedeuten, würde aber die Straße breit genug für die eigentlich angedachte Fahrradstraße machen.

Fußgänger sollen auch ohne Probleme flanieren können

Der Begegnungsverkehr zwischen Autos und Radlern würde dadurch entschärft, so der in der Infoveranstaltung getroffene Konsens. Die Verwaltung solle nun Vorschläge machen, wie auch die Fußgänger ohne Probleme auf dem Promenadenweg flanieren können.

„Der durchgehende Fußweg am Ufer müsste auch in dem Bereich des Tretbootverleihs wieder hergestellt werden. An dieser Stelle muss zugunsten der Fußgänger gedacht werden, die gerade an den Wochenenden den Weg sehr zahlreich nutzen“, so die Erfahrung des Kettwigers. Die entsprechenden baulichen Maßnahmen sollen im Oktober im Bau- und Verkehrsausschuss sowie in der Bezirksvertretung vorgestellt werden.

Behmenburg geht noch weiter: „Am Promenadenweg kann aber nicht Schluss sein.“ Der Leinpfad in Richtung Werden und auch in Richtung Mülheim bedürfe in der Zukunft einer Betrachtung, „wie wir dort ein gutes Miteinander aller Nutzer hinbekommen.“ Mit diesem Ansinnen steht er nicht allein. Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad Club (ADFC) hat der viel befahrene Ruhrtalradweg nationale Bedeutung. Er sei quasi ein Aushängeschild der Stadt. Planungsfehler wie der in Kettwig seien deshalb mehr als peinlich.

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