Umweltverschmutzung

Essen kämpft mit "Spähern" und Melde-App gegen wilden Müll

Teure Müllferkelei: Alles in allem rund 5000 Euro kostet diese wilde Müllansammlung an der Gervinusstraße in Frohnhausen den Verursacher. Dies bestätigte die Stadt auf Nachfrage.

Teure Müllferkelei: Alles in allem rund 5000 Euro kostet diese wilde Müllansammlung an der Gervinusstraße in Frohnhausen den Verursacher. Dies bestätigte die Stadt auf Nachfrage.

Foto: Kerstin Kokoska

Essen.   Zusätzlicher Millionen-Erlös der Entsorgungsbetriebe soll auch Handys, vorbeugende Aktionen und eine „schnelle Eingreiftruppe“ finanzieren.

Mag er Anwohnern und Passanten auch arg gestunken haben – der Mega-Müllberg vor einem Haus an der Gervinusstraße in Frohnhausen kam Stadt und Entsorgungsbetrieben am Wochenende wie gerufen: Mehr als durch viele Worte ließ sich an diesem exemplarischen Fall zeigen, wie ernst es der Stadt mit ihrem Kampf gegen wilde Müllkippen ist. Und wie teuer: Alles in allem rund 5000 Euro wird der offenbar reumütige Verursacher an Gebühren und Bußgeldern blechen müssen.

Gut möglich, dass ähnlich spektakuläre Fälle folgen, denn demnächst, so beschloss es am Dienstag der Verwaltungsvorstand, werden drei Dutzend städtische Bedienstete als Müll-„Späher“ auf Achse sein. Sie sollen in einem vierwöchigen Probelauf an 19 Container-Standorten in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden Müll-Ferkeleien auf die Spur kommen – bezahlt aus jenem zusätzlichen Erlös von knapp 1,25 Millionen Euro, den die Entsorgungsbetriebe Essen (EBE) 2017 eingefahren haben.

Neue Handys für Mitarbeiter, eine Melde-App für Bürger

Ein stattliches Sümmchen, das auch noch mehr möglich macht: den Kauf neuer Handys etwa, mit denen der städtische Außendienst ausgerüstet werden soll; oder die auf Essen zugeschnittene Entwicklung einer „Mängelmelder“-App, mit der Bürger wie schon in anderen Städten per Smartphone wilde Müllkippen im Stadtgebiet melden können: Foto genügt, die Koordinaten werden gleich mit übertragen.

Außerdem sollen vorbeugende Aktionen in Kitas und Schulen aus dem Etat bezahlt werden, ein Ausbau der Stabsstelle, die den städtischen „Aktionsplan Essen bleib(t) sauber“ in die Praxis umsetzt, vor allem aber: zusätzliche Entsorgungseinsätze, die im Vertrag mit der EBE bis dato nicht enthalten sind.

„Wir wollen nicht lange diskutieren: Wer ist zuständig?“

So ist geplant, das Umfeld des Hauptbahnhofs nicht mehr nur einmal am Tag wie bisher zu reinigen, sondern einen Mitarbeiter mit einem Besenwagen täglich 16 Stunden lang, von 6 bis 22 Uhr im Einsatz zu haben. Außerdem wird es eine Handvoll Mitarbeiter in einer „schnellen Eingreiftruppe“ geben, die wildem Müll zu Leibe rückt, sobald er gemeldet ist.

Ziel der Offensive ist es, schneller aufzuräumen als neue Dreckecken entstehen. So lasse sich den Bürgern das weit verbreitete Gefühl nehmen, dass ihre Stadt verdreckt – „ungeachtet der Verantwortlichkeiten“ wie Stadt-Sprecherin Silke Lenz betont: „Wir wollen nicht lange hin- und herdiskutieren müssen: Wer ist hier eigentlich zuständig?“

Entsorgungsverträge auf Schwachstellen prüfen

Dazu will man im Rathaus andere mit ins Boot holen: Stadt und EBE, Grün und Gruga sowie die städtische Servicefirma RGE sollen mit Ruhrverband und Emschergenossenschaft, Deutscher Bahn und Landesbetrieb Straßen.NRW das Problem gemeinsam angehen.

Daneben ist geplant, die Entsorgungsverträge mit der EBE auf Schwachstellen zu überprüfen und nicht zuletzt die ehrenamtlichen Müllhelfer besser auszustatten. Beschließen soll all dies der Rat in seiner April-Sitzung. Und wenn die 2017 zusätzlich verdiente EBE-Million „verbraten“ ist? Dann kommt sie für 2019 und folgende womöglich aus dem Stadt-Etat. Die Beratungen dazu beginnen im Herbst.

>>> DIE BÜRGER ALS „MÄNGELMELDER“

88-88888 – sieben mal die acht, unter dieser Rufnummer werden Bürger bislang ihre Müllbeschwerden bei der Stadt los. Doch die Hotline ist erst ab 8.30 und nur bis 15 Uhr besetzt, freitags sogar nur bis 12 Uhr und am Wochenende gar nicht.

Abhilfe schafft die kostenlose Smartphone-App „Mängelmelder“, die schon von verschiedenen Städten – unter anderem Bochum, Dortmund und Gelsenkirchen – betrieben wird. Hier werden Standort-Koordinaten (falls freigeschaltet) mit übertragen

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