Gastrokritik

Essen: Im Palladio gibt’s Pizza und feine italienische Küche

Jimmy Muslija ist seit Jahrzehnten der gute Geist im Palladio und mittlerweile auch Mitinhaber.

Jimmy Muslija ist seit Jahrzehnten der gute Geist im Palladio und mittlerweile auch Mitinhaber.

Foto: Julia Tillmann / FUNKE Foto Services

Essen.  Das Palladio ist eine sichere Bank unter den italienischen Restaurants in Essen. Hier geht’s unkompliziert zu, aber die Küche kann auch fein.

Selbst auf der viel gelobten Rüttenscheider Straße wechseln die gastronomischen Moden mitunter schnell. Umso schöner, dass es eine ganze Reihe von Restaurants gibt, die nun seit vielen Jahren Qualität zu vernünftigen Preisen bieten. Unter den unkomplizierte Einkehren ragt das „Palladio“ heraus, das sich mit solider italienischer Küche ein treues Stammpublikum erkocht hat.

Hervorragende Pizzen mit dünnen Böden - und ohne Berge von Industriekäse

Was schon mal stimmt, sind die Basics: Die Pizzen (ab 7 Euro) kommen mit dünnen Böden und ohne Berge von Industriekäse zu Tisch - schon damit hebt sich das Palladio angenehm von vielen Mitbewerbern ab. Ein Tipp, der nicht auf der Karte steht: Die Pizza Mauro (9,50 Euro) setzt allein auf die Kraft einer Paste aus schwarzen Oliven - sollte man mal probiert haben.

Beim Pasta-Angebot (ab 8 Euro) findet sich zwar als Konzession an den deutschen Geschmack auch Sahniges, zumeist aber gibt’s hier viele typisch italienische Klassiker wie hausgemachte Ravioli (11,50) oder Spaghetti Scampi Radicchio (15,50).

Bei den Vorspeisen ist der unverwüstliche gemischte Teller (12 Euro) ebenso zu empfehlen wie das Vitello Tonnato (12 Euro) und verschiedene Carpaccios (11,50 Euro), die endlich einmal so zu Tisch kommen wie es sich gehört: hauchdünn und mit Saucen, die nicht fetttriefend aus dem großen Eimer geschöpft werden, sondern den Willen zur Verfeinerung erkennen lassen.

Lammfilet, Kalbsschnitzel und immer auch mehrere Fischgerichte

Das ist quasi die Mittelklasse. Qualität zeigt sich aber auch in den kleinen Dingen. Das begleitende Weißbrot kommt grundsätzlich warm aus dem Ofen und liegt deutlich über dem pappigen oder trockenen Tankstellen-Niveau, das viele Pizzerien anbieten. Das wirklich Besondere am Palladio ist aber, dass man sich auch auf die bessere italienische Küche versteht, für die dann natürlich mehr zu zahlen ist, die aber im Wortsinne ausgesprochen preis-wert bleibt.

Das Lammfilet (26,50 Euro) ist auf den Punkt, außen leicht kross, innen ein wenig rot, die Beilagen sind sparsam und italienisch al dente. Das Kalbsschnitzel wird landestypisch dünn geklopft - man hört es in der Küche. Die besten Empfehlungen stehen übrigens an der Wand, wo mit Kreide die Angebote vermerkt sind. Hier findet sich stets auch einiges Fischige in der Preisklasse zwischen 20 und 30 Euro, ebenfalls tadellos gekocht.

Ein großer Pluspunkt im Palladio ist das Amosphärische

Ein großer Pluspunkt ist das Atmosphärische. Das Palladio gab es schon, als dieser Teil Rüttenscheids südlich der Rüttenscheider Brücke noch nicht sonderlich hipp war, inzwischen ist man hier mitten im Ausgeh-Distrikt und kann durch die großen Fensterfronten betrachten, was sich draußen tut. Direkt gegenüber vom Mega-Treff „Plan B“ wird einem da an manchen Abenden einiges geboten.

Im kleinen Gastraum mit seinen warmen Farben fühlt man sich gut aufgehoben. Der Gast nimmt ausschließlich an hohen Tischen und auf Barhockern mit Lehne Platz, es ist üblich, dass ein Tisch zwei bis drei Ess-Gemeinschaften aufnimmt. Zum stundenlangen Festsitzen oder gar zum ruhigen Erörtern von Beziehungsfragen ist das Palladio aber nur bedingt geeignet. Dazu kommt man dem unbeteiligten Nachbarn einfach zu nahe, und auch der Lärmpegel in der kleinen Trattoria ist hoch. Sozialphobiker werden hier vermutlich nicht glücklich.

Der schattige Innenhof dürfte einer der schönsten Restaurant-Freisitze in Essen sein

Die sechs Tische sind oft rasch belegt, sodass mancher schon unverrichteter Dinge weiterziehen musste. Reservieren ist nicht möglich. Im Sommerhalbjahr - aber nur dann! - gibt’s richtige Tische im Innenhof, der mit seinem Kopfsteinpflaster sicherlich einer der schönsten Restaurant-Freisitze in Essen ist. Drinnen wie draußen ist allerdings um 22 Uhr Schluss, was manchmal schade ist, aber eben den Möglichkeiten eines familiären Betriebs entspricht, der schon mittags Vollbetrieb bietet.

Bleibt noch die Professionalität und Schnelligkeit des Service zu loben. Urgestein Jimmy Muslija entgeht so schnell kein Gästewunsch, die Dame des Hauses wirkt seit Jahrzehnten hinter der Theke mit der Präzision eines Uhrwerks, und auch in der Küche wirbelt ein eingespieltes Team. Personalwechsel gibt es nur selten - auch dies ein gutes Zeichen.

„Palladio“, Rüttenscheider Straße 166, Tel. 0201-425656, Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag 10-22 Uhr, Montag Ruhetag.

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