Konflikt im Wald

Essen: Hundehalter klagen über rasende Radfahrer im Wald

Hundehalter auf der Margarethenhöhe in Essen beschwerten sich bei einem Ortstermin über sehr schnelle und rücksichtslose Radfahrer. Sie hoffen auf ein friedliches Miteinander im Wald.

Hundehalter auf der Margarethenhöhe in Essen beschwerten sich bei einem Ortstermin über sehr schnelle und rücksichtslose Radfahrer. Sie hoffen auf ein friedliches Miteinander im Wald.

Foto: Socrates Tassos / FUNKE Foto Services

Essen-Margarethenhöhe.  Radfahrer seien im Wald oft sehr schnell unterwegs und pöbelten Fußgänger an, beklagen sich Hundehalter auf der Margarethenhöhe in Essen.

Im Wald auf der Margarethenhöhe in Essen spielen sich offenbar regelmäßig unschöne Szenen zwischen Radfahrern, Spaziergängern und Hundehaltern ab. Das beklagen Anwohner, die dort unterwegs sind. Radfahrer führen oft sehr schnell, gefährdeten Fußgänger und Hunde. Ein Bürger sei nach eigenen Angaben mit einer Sattelstange bedroht worden, andere beschweren sich über üble Beschimpfungen und Pöbeleien.

Die Wege im Nachtigallental wurden oft als Zubringer zur Grugatrasse nutzt. In Coronazeiten habe der Radverkehr noch einmal zugenommen, beobachten die Bürger und sehen ein weiteres Problem: „Immer häufiger sind hier E-Bikes unterwegs, die ja noch einmal deutlich schneller als normale Räder sind. Sind Fahrradwege nicht für Motorfahrzeuge gesperrt? Warum gilt das nicht für E-Bikes?“

Spaziergänger haben kein Verständnis für Anfeindungen und Pöbeleien

Eine Gruppe von Hundehaltern machte jetzt ihrem Ärger bei einem Treffen Luft. Sie sehen sich nur durch die hohe Geschwindigkeit etlicher Radfahrer gefährdet, sondern haben auch wenig Verständnis für deren Verhalten im Umgang mit den Fußgängern. Es werde geschrien, gepöbelt und beleidigt. „Unter diesen Umständen hat man schon keine Lust mehr, dort spazieren zu gehen“, sagt eine Frau, die im Nachtigallental rund um den Halbachhammer oft mit ihrem Hund unterwegs ist.

Anwohnerin Ursula Heintze führt ihren Vierbeiner meist schon um 7 Uhr aus. Ihr sei es wichtig, auf das Problem aufmerksam zu machen. Morgens und nachmittags sei die Situation besonders schlimm, findet sie.

Dann seien offenbar viele Radfahrer auf dem Weg zum Job Richtung Grugatrasse unterwegs. „Klar haben die vielleicht Zeitdruck, um pünktlich zur Arbeit zu kommen. Dafür habe ich Verständnis, aber das rechtfertigt doch nicht rücksichtsloses, unverschämtes Verhalten“, sagt sie und appelliert an alle Beteiligten, aufeinander Rücksicht zu nehmen. Das sei ja sogar auf einem Schild am Wegrand ausdrücklich gefordert. „Das hier sind öffentliche Waldwege, die für alle da sind.“ An einigen Stellen, zum Beispiel an der schmalen Brücke im Nachtigallental, seien Konflikte aber programmiert.

Frage nach Bodenschwellen oder Sperren

Da Räder ja keine Kennzeichen hätten, könne man ja offenbar nichts gegen Raser tun, meinen einige Bürger resigniert. „Fahrradführerschein und Nummernschilder“, fordern deshalb andere. „Vielleicht könnte man Bodenschwellen oder Sperren einbauen, die die Radfahrer zum Abbremsen zwingen würden“, lautet ein Vorschlag der Bürger.

„Wir haben nichts gegen Radfahrer, fahren teils ja selbst mit dem Rad“, betonen die Anwohner. Man wolle auch nicht alle „über einen Kamm scheren. Es gibt durchaus vernünftige, höfliche Radfahrer“. Was sie ärgere, seien Pöbeleien, oft obszöne Beleidigungen, die ihnen entgegen geschrien würden. Befehle wie „Aus dem Weg da, Alte. Ich hab’s eilig“ seien da noch die harmlose Variante. „Radfahrer regen sich über unsere Hunde auf, die wir auf dem Weg frei laufen lassen“, sagt Ursula Heintze. Man habe einerseits Angst um die eigene Gesundheit – „ich bin schon von Radfahrern gestreift worden“ – andererseits um die der Tiere.

Natürlich liefen die Hunde nicht immer direkt neben dem Halter, seien nicht in einer Sekunde bei Fuß. „Irgendwo müssen die Tiere ja laufen können. Einerseits sollen wir Hundehalter per Gesetz zu regelmäßigen Spaziergängen verpflichtet werden, andererseits gibt es kaum Flächen, wo sich Hunde frei bewegen können“, beklagt eine Frau.

Politiker sieht komplexes Problem

Michael Manderscheid, SPD-Ratskandidat, selbst Anwohner der Margarethenhöhe und beim in den sozialen Medien verbreiteten Treffen der Hundehalter dabei, hält das Problem für vielschichtig. Vielleicht könnte die Bezirksvertretung die Verwaltung beauftragen, ein Konzept zu erstellen, wie man die Konflikte lösen könne, schlägt er vor.

Laut Christina Waimann, Sprecherin von Grün und Gruga, gebe es Konflikte zwischen Nutzergruppen im Wald immer wieder. „Wir appellieren an alle, Rücksicht aufeinander zu nehmen“, so die Sprecherin. Hundehalter seien verpflichtet, ihren Hund immer sicher unter Kontrolle zu halten. Der Hund dürfe laut Landesforstgesetz nur auf Wegen im Wald frei laufen. Fahrradfahren sei im Wald auf befestigten Wegen erlaubt. Der Einbau von Schwellen oder ähnlichem sei auch aus Gründen des Naturschutzes nicht möglich, so Christina Waimann.

Im Stadtgebiet gelte hingegen überall eine Leinenpflicht für Hunde auf allen öffentlichen Flächen, davon ausgenommen seien gesondert ausgewiesene Hundewiesen.

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