Geschichte

Essen: Hobbyhistoriker forscht über Luftfahrt-Pionier Bamler

Hobbyhistoriker Johannes Stoll von der Bürgerschaft Essen-Rellinghausen-Stadtwald hat einen Katalog zur Ausstellung über den Luftfahrt-Pionier Karl Bamler erstellt.

Hobbyhistoriker Johannes Stoll von der Bürgerschaft Essen-Rellinghausen-Stadtwald hat einen Katalog zur Ausstellung über den Luftfahrt-Pionier Karl Bamler erstellt.

Foto: Katrin Böcker / FUNKE Foto Services / FFS

Essen-Rellinghausen/Stadtwald.  Johannes Stoll von der Bürgerschaft Rellinghausen hat einen Katalog über den Ballon-Fanatiker Karl Bamler erstellt, der in Essen lebte und wirkte.

Johannes Stoll von der Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald hat einen neuen Katalog veröffentlicht, der sich dem Luftfahrt-Pionier Karl Bamler beschäftigt. Der lebte und wirkte in Essen. Seine Nachfahren leben noch heute in Essen-Stadtwald.

Mit manchen Dingen rechnet man einfach nicht. Zum Beispiel mit einem Freiballon im Treppenhaus. „Der hing an der Decke im Haus der Bamlers an der Geitlingstraße“, berichtet Johannes Stoll. Der langjährige Vorsitzende der Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald war 2009 als Bauingenieur in der Villa. Er sollte dort eine Umbaumaßnahme betreuen.

Der Luftfahrt-Pionier Karl Bamler lebte in Essen-Stadtwald

Auf die Frage nach dem Ursprung des Ballons erfuhr der nunmehr 72-jährige Rentner und Hobbyhistoriker von Professor Karl Bamler (1865-1926) und dessen luftigen Abenteuern. „Bamler hatte das Haus in Stadtwald 1906 gebaut.“ Stoll faszinierte Bamlers Leben dermaßen, dass er in historischen Archiven im In- und Ausland forschte und eine Menge interessanter Dokumente entdeckte. Wie ein Puzzle setzte er das Leben und Wirken des Gasballon-Pioniers zusammen und präsentierte die Ergebnisse erstmals öffentlich 2012 im Blücherturm.

Die Luftfahrtexperten Guido Rissmann-Ottow und Frank Radzicki unterstützten Stoll. Die Schau über den Gasballon-Pionier und ersten Leiter der Essener Wetterwarte fand großen Anklang. Das Echo ging weit über die Bürgerschaft Rellinghausen-Stadtwald hinaus, die das Ganze organisiert hatte. Doch die Geschichte ging weiter. „Ein Jahr später tauchte im Hause Bamler ein weiteres Fotoalbum auf“, so Stoll.

Hobbyhistoriker wertete mehrere Fotoalben aus

Wieder mit vielen historischen Aufnahmen, auch aus dem Jahr 1914, die Luftangriffe der Engländer auf die Zeppelinstation am Flughafen in Düsseldorf-Lohhausen zeigen. Die Fotos waren ohne Datum und nicht kommentiert. Stoll nahm die Arbeit wieder auf, ergänzte die Geschichte. Kurz darauf folgte der nächste Streich: Die Bamlers überreichten dem Hobby-Historiker das nächste Album. Diesmal mit Bildern von 1915 bis 1917, aufgenommen an der Westfront. Stoll forschte also weiter . . .

Karl Bernhard Bamler ist übrigens kein gebürtiger Sohn der Stadt, auch wenn es seit August 1927 in Altenessen eine nach ihm benannte Straße gibt. Bamler wurde am 29. Oktober 1865 in Groß-Cammin (Provinz Brandenburg) geboren. Sein Vater war Lehrer, die Mutter starb früh. In Elsass-Lothringen, von 1871 bis 1918 Teil des Deutschen Kaiserreiches – machte der Junge 1886 Abitur. Er leistete Militärdienst und studierte in Straßburg Mathe und Geografie, promovierte. Erst war er Assistent beim meteorologischen Landesdienst, dann wurde er Realschullehrer in Straßburg.

Bamler war an der Gründung von Luftfahrtvereinen beteiligt

Nach Essen kam Bamler erstmals 1896. Bis zum 31. März 1897 unterrichtete er an einer Realschule. Zehn Jahre verbrachte Bamler im Anschluss in Barmen (heute Wuppertal), wo er wohl mit dem Luftfahrtgedanken „infiziert“ wurde und für Ballone und Luftgleiter schwärmte. 1902 überredete er den Barmer Bürgermeister, einen Luftfahrtverein zu gründen. 1909, wieder in Essen, traf dieser Wunsch auch bei Oberbürgermeister Wilhelm Holle auf offene Ohren. Die örtliche Vereinigung für Luftfahrer entstand.

Bamler war Lehrer am Helmholtz-Gymnasium und wollte hoch hinaus: Er träumte von einem Flughafen auf den Ruhrwiesen, wo heute die Wassergewinnungsanlage in Überruhr steht. Dort startete am 11. Juli 1911 ein Luftschiff der Bauart Parsival. Ein teures Vergnügen für die Stadt. Bei Ticketpreisen zwischen 125 und 200 Mark blieb sie auf 6000 Mark sitzen und stellte die Pläne für einen Luftschifftankerplatz ein. Bamler bekam stattdessen einen Gasfüllplatz für Ballone an der Segerothstraße.

Das Schaffen des Pioniers wirkt bis in die Gegenwart

Karl Bamler sei „einer, der eine Würdigung durchaus verdient hat und viel zu lange in der Versenkung blieb“, findet Stoll. Sein Schaffen wirke bis in die Gegenwart. So hat der 1902 entstandene „Niederrheinische Verein zur Förderung der Luftfahrt“ zahlreiche Nachfolgeorganisationen. „Die Wetterwarte an der Wallneyer Straße in Schuir folgte auf das von Bamler 1913 gegründete Meteorologische Observatorium am Essener Hauptbahnhof und dessen Nebenstelle auf dem Kahlen Asten“, betont Stoll.

An der Geitlingstraße 18 grüßt der Ballonfahrer mit einem „Glück ab“ an der Fassade seines Wohnhauses. Heute lebt dort Thomas Bamler mit Familie. Die Töchter Sophie (12) und Gina (7) wollen bald im Blimp ab Mülheim dem Urgroßvater nachspüren. Auch Bamlers zweite Frau, Hilde Spatz, war Ballonfahrerin. Zur Hochzeit schwebte das Paar in der Nacht gen Holland.

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