Bäckerberuf

Essen: Historie aus der Backstube – über drei Steeler Bäcker

Ein historisches Bild aufgenommen zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Augenerstraße, wo sich die Bäckerei Zobel befand.

Ein historisches Bild aufgenommen zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Augenerstraße, wo sich die Bäckerei Zobel befand.

Foto: Foto / Steeler Archiv

Essen-Steele.  Ehemalige Steeler Bäcker, ihr Handwerk und die Historie aus dem Stadtteil: Das verknüpft ein Beitrag des Steeler Archivs in seinem neuen Magazin.

Auf der Spurensuche nach ehemaligen Steeler Bäckereien war es ein Zufall, der Arnd Hepprich half: „Plötzlich stand die geballte Bäcker-Historie vor mir“, sagt der Vorsitzende des Steeler Archivs und meint Hermann Ruhrbruch sowie dessen Vettern Karl Otto Zobel und Wilhelm Weerth. Das Ergebnis dieser Begegnung ist die Geschichte der drei Bäcker aus Königssteele – nachzulesen im neuen Heft „Stela Historica“ des Steeler Archivs.

Über die älteste Bäckerei berichtet bei dem Treffen Hermann Ruhrbruch: „Unser Ruhrbruchshof gehört der Familie seit 1690, erwähnt wurde er 1486 zum ersten Mal.“ Bereits 1703 sei die Kornmühle in Betrieb gegangen und blieb das bis 1952. „Die Backstube ist dann wahrscheinlich um 1782 an die Mühle angebaut worden, seitdem wird es die Bäckerei Ruhrbruch gegeben haben“, berichtet der Bäcker- und Konditormeister.

Neben der Bäckerei gab es ein Geschäft und Handel mit Mehl und Futtergetreide

Rund 100 Jahre später folgte der Betrieb der Familie Zobel. „1890 hat mein Großvater Otto die Bäckerei an der Augenerstraße in Betrieb genommen, beurkundet ist aber das Jahr 1898“, erzählt Karl Otto Zobel. Als er 1940 zur Welt gekommen sei, habe dann sein Vater die Bäckerei übernommen. Es gab ein Geschäft und den Handel mit Mehl und Futtergetreide.

Das Ladenlokal der Familie Weerth befand sich an der Dahlhauser Straße 84, im hinteren Bereich gab es die Backstube. Wilhelm Weerth machte seine Ausbildung im elterlichen Betrieb. Im ersten Lehrjahr gingen die angehenden Bäcker mit zehn Mark im Monat nach Hause, im dritten verdienten sie das doppelte, auch das hat Arnd Hepprich in seinem Bericht notiert und dafür auch Informationen aus einem Interview genutzt, die Archiv-Kollege Harald Vogelsang bereits zwei Jahre zuvor geführt hatte.

Kopien der drei Meisterbriefe befinden sich im Steeler Archiv

Zum Bestand des Archivs zählen die Kopien der Meisterbriefe der drei Bäcker. Zu deren Arbeit gehörte es damals auch, Krankenhäuser wie das Lutherhaus, aber auch die Kliniken und Kasernen in Kupferdreh und Kray zu beliefern: Erst mit Gefährten wie Dreirad, Goliath und Kastenwagen, dann mit Fahrzeugen wie einem DKW. In die Quere seien sie sich nie gekommen, da sie sich etwa bei der Versorgung des Lutherhauses mit Brot abgesprochen hätten: Die Lieferung erfolgte im monatlichen Rhythmus.

Und ansonsten hatte jeder Bäcker seine ganz eigene Werbe-Strategie: Zobel etwa wählte 1928 den Titel „Grob- und Feinbäckerei, Ruhrbruch warb als „Ältestes Geschäft am Platze“ mit seinem Schwarzbrot und Weerth mit seinen „Brot- und Backwaren“.

Aussterben der inhabergeführten Bäckereien

All das ist längst Geschichte, weiß Arnd Hepprich auch um Gründe für das Aussterben der inhabergeführten Bäckereien, „da die Kundschaft lieber wegen ein paar Cent weniger zum billigen Kettenbäcker um die Ecke oder in den Supermarkt geht“.

Das Aus für den Betrieb Ruhrbruch ging jedoch mit den Plänen der Steeler Sanierung einher, die das Vorhaben des Bäckers zunichte machte. Während der frisch gebackene Meister den Ruhrbruchshof übernehmen und erneuern wollte, zeigten die Verantwortlichen bei der Sanierung „weder kulturelle noch historische Verantwortung, was den Standort des Bauernhofes betraf“, formuliert Hepprich.

Familienbetrieb um Filialen erweitert

Erst verschwand die Mühle, dann das Bauernhaus. Als Planungsverdrängter bekam Hermann Ruhrbruch ein Grundstück in Borbeck angeboten: „Diese Frechheit lehnte ich selbstverständlich ab“, erzählt der Bäcker und beendete sein Berufsleben 1974 – die beiden anderen machten weiter: mehr als zwei Jahrzehnte.

In diesen erweiterte Karl Otto Zobel den Familienbetrieb 1976 um Filialen im Bergmannsfeld, an der Bochumer Landstraße und an der Steeler Straße. Familie Weerth wiederum hatte ebenfalls eine Filiale an der Bochumer Landstraße und ein Café nahe des Friedhofs, bis aber die Straße zur Rennstrecke geworden sei, die irgendwann niemand mehr hat queren wollen. Ende der 1990er war dann Schluss für den gesamten Bäcker-Betrieb, das Aus für Zobel folgte zu Beginn des Jahrtausends.

Erinnerungen an das Lieblingsbackwerk und Anekdoten

Geblieben sind Erinnerungen an Lieblingsbackwerk wie Platzstuten, Schwarzbrot oder Knäppchen und Anekdoten wie die des Pferdes, das sich samt Wagen auf und davon machte, als die Bäcker eingekehrt waren, und bei einigen Vierteln Wein die Zeit vergessen hatten. Auch diese hat Arnd Hepprich aufgeschrieben, damit die Steeler Bäcker samt ihres Handwerks nicht ganz in Vergessenheit geraten.

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