Zivilschutz

Essen heult erstmals mit beim landesweiten Sirenenwarntag

Auch auf dem Schlauchturm der Essener Feuerwehr an der Eisernen Hand sind die neuen Sirenen installiert.            

Auch auf dem Schlauchturm der Essener Feuerwehr an der Eisernen Hand sind die neuen Sirenen installiert.            

Foto: Mike Filzen / Feuerwehr

Essen.  Die ersten Sirenen des neuen Zivilschutzsystems in Essen sind installiert. Weitere sollen folgen, bevor im September das große Heulen beginnt.

Als ganz Nordrhein-Westfalen im März aufheulte, blieb es in Essen verdächtig stumm: Am jüngsten landesweiten Sirenenwarntag konnte und wollte sich die Stadt mangels Masse noch nicht beteiligen. Vor drei Monaten waren gerade erst mal zwei der insgesamt 86 stadtweit geplanten Tonschleudern zwischen Karnap und Kettwig installiert. Die anzuwerfen, hätte wohl ein bisschen lächerlich gewirkt. Doch beim nächsten NRW-Warntag gibt’s auch in Essen ordentlich was auf die Ohren – zumindest im Norden der Stadt sollen eine ganze Reihe der Tonschleudern Krach schlagen, bestätigte Jasmin Trilling vom städtischen Presseamt am Montag: „Zwölf der Sirenen sind bereits installiert.“ Sie stehen zum Beispiel auf Dächern an der Schützenbahn in der Innenstadt, am Berufskolleg im Westviertel und auch auf dem Schlauchturm der Feuerwehrwache an der Eisernen Hand. Weitere Heuler sollen folgen, bis der geplante erste Bauabschnitt mit 26 Standorten abgeschlossen ist.

Wann die Sirenen in ganz Essen zu hören sein werden, ist noch nicht klar

Die Sirenen sollen die Bevölkerung künftig im Ernstfall gut hörbar alarmieren und zu erhöhter Aufmerksamkeit anhalten. Wann das Netz um die für den Endausbau geplanten 60 zusätzlichen Sirenen erweitert werden kann, um das gesamte Stadtgebiet abzudecken, ist noch nicht klar. Für diesen 1,4 Millionen Euro teuren Endausbau fehlt offenbar noch das Geld, so dass Essens erste Heuler ausschließlich im Norden der Stadt zu hören sein werden. Dort, wo die vermeintlich störanfälligsten Betriebe angesiedelt sind.

Für den ersten Bauabschnitt mit 26 Sirenen stehen rund 600.000 Euro zur Verfügung. Für die restliche Summe sollen Sponsoren gewonnen werden. Die Stadt will insbesondere Betriebe mit Sonderschutzplänen für Notfälle ansprechen. Je nach Liquidität sollen dann weitere Sirenenstandorte installiert werden. Schwerpunkt ist der Norden. So lange nicht genug Geld für das flächendeckende System vorhanden ist, müssen eben Prioritäten gesetzt werden, hat die Feuerwehr argumentiert.

Große Verkehrswege zu Wasser und zu Land im Essener Norden

Dass der Norden in Sachen Sirenen bevorzugt behandelt wird, hat demnach zwei Gründe: Dort gibt es deutlich mehr Menschen, die in einem Schadensfall gewarnt werden müssen, aber auch mehr sensible Tanklager und produzierende Großunternehmen wie Trimet oder Evonik, die als sogenannte Störfallbetriebe eingestuft sind. Dazu kommen große Verkehrswege zu Wasser und zu Land wie die Autobahn 42 und der Rhein-Herne-Kanal, auf denen Gefahrgüter transportiert werden.

Bekanntlich war die Stadt ursprünglich davon ausgegangen, mit 51 Sirenenstandorten das gesamte Stadtgebiet abdecken zu können. Ein schalltechnisches Gutachten kam jedoch zu dem Ergebnis, dass dafür weitere 35 weitere Heuler notwendig sind. Eine doppelt teure Erkenntnis. Denn diese Expertise allein kostete schon 118.000 Euro.

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